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Die Wahrheit · 1920-08-18 · Heft 13 (18.8.1920) · page 11

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Journal
Die Wahrheit
Volume
1920
Issue
Heft 13 (18.8.1920)
Date
1920-08-18
Page
– (sequence 11)
Language
German
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Hk. 13 Seite li rwwaiwiim »hi Die Wahrheit Gastes angelegen sein, erwiesen ihm alle möglichen Ehrungen, weil sie ja auch selbst den Besuch des Frommen als eine hohe Ehrung empfanden. Man machte sich mit dem Vorgefühl vertraut, von dem Gaste ein gutes neues Wort Thora zu hören. Diese patriarchalisch-jüdischen Zustände haben sich leider sehr geändert. Heute muß jede Gemeinde es befürchten, daß der sich selbst einladende Gafiprediger weniger das Wort Gottes, als das Schlagwort seiner nationalen, oder politischen Partei verkünde und damit vielleicht im Kreise der frommen Gemeinde statt andächtiger Erhebung, Verstimmungen, Konsiikte und Zerwürfnisse heraufbeschwören könne. Um dies zu verhindern, hat sich gegen fremde Gastprediger Vorsicht und Mißtrauen eingenistet und manchmal kommt es zu offener Absage, wie in dem Falle des Dr. Funk aus Preßburg, der in der frommen Gemeinde Sala bei Valam predigen wollte. Sch... z Die große Gefahr — die Tarnopolifierung — die Berostjudung des Wiener Geschäftslebens. Mit solchen anmutigen, abwechselnden Spitzmarken wurde in den berüchtigten „Wiener Stimmen" unter Anführung jüdischklingender Namen auS den Eintragungen in den Erwerbskataster eine Mahnung an die arische Bevölkerung Wiens gerichtet, sich diese Zustände nicht gefallen zu lassen. Eine „Vollzugsanweisung", wie die Abwehr zu geschehen, gibt zwar der patentale Antisemit der „Wiener Stimmen" nicht, aber im Ernstfall wird er nicht verlegen sein. Wozu leben die glänzenden Vorbilder Horthy, Heyas und andere Größen des erwachenden Ungarn, denen leicht nachzueifern ist. Die „Wiener Stimmen" zittern vor Angst, daß die große Einwanderung erst beginnen wird, wenn die Palästinabewegung aus Wien eine Durchzugstation der Ostler wird, die aber meistens hier „picken bleiben werden", wie in früheren Jahren, da der Drang nach der jüdischen Heimstätte sehr mäßig sei. Kurzum, Wien wird genau so verjudet werden, wie Galizien und die Bukowina durch Invasionen aus Rußland. Der Weisheit letzter Schluß ist daher die Abwehr der „Ahasveriten". Aber wie denn? Sind es Ahasveriten, dann sind es ja ewige Wanderer und keine Siedler. Aber so viel Gescheidheit dies zu begreifen, darf von einem „Wiener Stimmen"-Mann nicht verlangt werden. Ein ungarischer Rabbi. Jene Budapefter Blätter, die seinerzeit so weitschweifig, aber auch so einseitig über den angeblichen unglaublichen Vaterlandsverrat des Szegediner Oberrabbiners Dr. Immanuel Löw berichtet.haben, verlieren nicht ein Wort der Anerkennung über die Haltung eines anderen Rabbiners, der seine Vaterlandsliebe mit dem Martyrium der Gefangenschaft gekrönt hat. Der Nagyvärader Rabbiner Dr.Leop. Kecskemeti wurde von den rumänischen Militärbehörden verhaftet und soll vor ein Kriegsgericht gestellt werden, weil er den Mut gehabt, sich in einer öffentlichen Predigt als unentwegten Ungarn zu bekennen. Dr. Leopold Kecskemeti beging am 31. Mai sein dreißigjähriges Amtsjubiläum. Bei dem Festgottesdienste hielt der Rabbi eine Predigt, in der er die Leiden des Judentums in der Epoche seiner Tätigkeit schilderte und dann sortsuhr: „Mein letztes Wort ist nicht das des Abschiedes, sondern ein Gelübde. Wir sind keine nationale, wir find eine Volkseinheit, wir halten in den historischen Formen des Judentums daran fest, was wir bisher verkündet haben: daß unser nationales Gefühl jener Nation gehört hat und gehören wird, in deren Mitte wir gelebt haben. . . Wir können zu einem neuen Staate gelangen, der seinem Judentum wohl den Stempel einer eigenen Nationalität ausprägen kann, aber wir sind keine Nation. Wir ungarischen Juden kommen als ein Teil des Ungartums hinüber. Die Wahrheit ist, daß wir ungarische Juden waren und sind und daß wir auch im neuen Imperium ungarische Juden bleiben werden". Der Festpredigt wohnte auch ein Zensor der rumänischen Militärbehörde bei und aus seine Anzeige wurde Dr. Leopold Kecskemeti verhaftet, um wegen Aufreizung vor ein Kriegsgericht gestellt zu werden. Also wieder einer der so unzähligen jüdischen Märtyrer ihres ungarischen Patriotismus. — Die vorstehenden Mitteilungen der „Jüdischen Korrespondenz aus Ungarn" find umso beachtenswerter, als sie den oft gebrachten Vorwurf widerlegen, welche bei den Herren des weißen Terrors als beliebtes Schlagwort gelten, nämlich daß der Jude nur dort sein Vaterland sucht, wo er feinen materiellen Vorteil findet. Dr. Keeskemety ist ein lebendes, überzeugendes Argument gegen diese weitverbreitete Lüge, denn er hatte den Mut der Ueberzeugung und des Bekenntniffes zu seinem HeimatSlande. , Wer besitzt Briefe »ub Porträts berühmter Jude»? Zur Vergrößerung der Sammlung von Originalbriesen und Porträts berühmter Persönlichkeiten jüdischer Abkunft, die bereits aus 600 Nummern besteht und die später in den Besitz des jüdischen Nationalmuseums in Jerusalem übergehen soll, wird um Angebote (eventuell Tausch von Duplikaten oder gegen Münzen) ersucht. Besonders gesucht werden Briese (eventuell auch nur Zettel. Karten, Dokumente mit Unterschrift u. dgl.) von Moses Mendelssohn und deffen Sohn Abraham, von Salomon Maimon, Samson Rafael Hirsch, Pinsker, Moses Heß, Hermann Cohen, Heymann Steinthal, Julius Fürst, James Darmstädter, Joses Derenbourg. Rabbi Samuel Mohilewer, den Botanikern Ferdinand Cohn, Julius Sachs und Straßberger, von AntokolÄy, Samuel Hirschenberg, Moritz Gottlieb, Camille Piffaro, Araham Abrahamson, den Chemikern C Liebermann und Lunge, den Physikern Heinrich Herz, Philipp Reis und Peter T. Rieß, vonE min Pascha (Schnitzer), dem Arabisten Eduard Glaser, dem Theologen und Philosophen Ch. Martin Frauenstädt, dem Embryologen S. Leopold Schenk, von Alfred Naquet, Jsaco Artom, Giuseppe Otholengi, Baron Moritz Hirsch. Baron Edmund Rothschild, Sarah Bernhard. Otto Brahm und Emanuel Reicher. Von allen weniger Populären unter diesen werden auch Porträts gesucht. Auch werden Angaben (Hinweise aus Bücher, Dokumente, persönliche Bekanntschaften u. dgl.) erbeten über die eventuelle jüdische Abstammung (oder das Gegenteil) des Aviatikers Otto Lilienthal, deS Kom-

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