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Die Wahrheit · 1920-08-18 · Heft 13 (18.8.1920) · page 9

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Journal
Die Wahrheit
Volume
1920
Issue
Heft 13 (18.8.1920)
Date
1920-08-18
Page
– (sequence 9)
Language
German
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Är. 13 Die Wahrheit Serie K machte es den Eindruck, daß diese 80.000 Juden sich so gebärden, als würden sie 2,000.000 ausmachen." Dr. Weizmann schloß seine Ausführungen: „Es gibt nur eine Rettung für Palästina. ES müssen neue schöpferische Kräfte ins Land kommen, um zu arbeiten und zu produzieren. Nur das kann bewirken, daß die gesamte palästinensische Judenheit zur wirklichen produktiven und schaffenden Arbeit herantreten soll." Wie weit sind die geräuschvollen Führer noch von diesem gesunden realpolitischem Programm entfernt! * In dieser Konferenz sprach auch ein Herr Nejditsch über den zionistischen Aufbaufonds. Der Mann gab sich nicht mit Kleinigkeiten ab. Er forderte gleich 85 Millionen Pfund Sterling! Das Ausbringen dieser Riesensumme macht ihm keine Sorge, wenn jeder vermögende Jude für den Wiederaufbau 10 Prozent seines Vermögens opfert. Ja wenn! Da liegt eben der Has' im Pfeffer. * Am 13. Juli fand auch in London ein zionistisches Massenmeeting statt, dem die Lords Balfour, Cecil, Marquis of G r o w e, O e m s b y den Glanz ihrer Anwesenheit und Lord Rothschild die Ehre des Vorsitzes gaben. Der große Schlager war natürlich eine Rede Balfours. in welcher dieser gottgesegnete Idealist der Meinung Ausdruck gab, er hoffe, „die Araber werden nicht vergessen, daß England und seine Verbündeten sie vom türkischen Joch befreit haben." Leider spielt das dankbare Gedächtnis in der Politik keine Rolle. Haben die Polen nicht vergessen, daß England und seine Verbündeten das Zarenjoch zerbrochen, ihnen Freiheit und Staatlichkeit geschaffen, und gibt es blutigere Judenverfolger als die Polen? Von Gleichem auf Gleiches schließend, ist von der Friedfertigkeit der Rassen in Palästina wenig zu erwarten. * Ein ausgesprochener Parteigänger des Zionismus, Dr. K l a tz k i n, hat sich bereits, wie schon in unserer vorigen Nummer berichtet, sehr tadelnd über das ganze Getriebe der Jüdischnationalen vernehmen lassen. Erwähnen wir noch, daß in der zweiten Kongreßsitzung zu London eine längere Pause eintreten mußte, nicht zur Erholung der Redner, sondern zur Ruhestiftung unter den kampflustigen und kampfentschlossenen Teilnehmer, dann haben wir das ungefähre Abbild der jüdischen Eintracht, wie sie in Wahrheit beschaffen ist. Noch ift Polen nicht verloren! Es hat an den weltgebietenden Mächten Gönner und Freunde, die sich der Pflicht gegenüber den von ihnen geschaffenen Staatsgebilde aus allerdings nicht idealen politischen Beweggründen erinnern. Der Geist der Weltgeschichte lenkt aber anders, als die Entente denkt. Die Lage der gegen den russischen Nachbar aufgebotenen Legionen ist allerdings derart, daß man ihnen ein neues Finis Poloniae zurufen könnte, aber im Rate Frankreichs ist es beschlossen, daß Polen nicht verloren sein darf. Wie dieser Beschluß in die Tat umzusetzen, bereitet wohl die größten Schwierigkeiten. Wir wollen uns indeß den Kopf der Politiker nicht zerbrechen, sondern die Entsetzenskunde verzeichnen, die aus der Karlsbader Welthilfskonferenz mitgeteilt wurde. Ing. Temkin berichtete, wie in den ukrainischen Pogroms durch die Banden Petljuras und anderer kommandierender Bluthunde ungefähr 138.000 Juden hingeschlachtet wurden! Die Behörden haben von diesen Pogromen gewußt und sie zum Teil selbst veranstaltet. Ein Kommandant hat unmittelbar vor einem größeren Pogrom einen Befehl erlaffen, in welchem er die Juden warnt, sie als unglückliches Volk bezeichnet und sie fragt, ob sie denn nicht für ihr Leben besorgt seien. Der darauf folgende Pogrom dauerte sechs Tage und wurde täglich um sechs Uhr abends mit Musik beendet. Die Pogrome fanden in der Ukraine ununterbrochen seit dem Jahre 1018 statt. Am schwersten wurde Proskurow heimgesucht. Die Losung der mordenden Soldaten lautete hier: „Heilige Ukraine, Tod den Juden!" Nach einer Woche warf sich der Bürgermeister von Proskurow, der selbst Nichtjude ist, dem Bandenchef zu Füßen und flehte ihn an, das Morden zu beenden. Einzelne Städte find förmlich ausgeschlachtet worden. Zu diesen Scheußlichkeiten muß gesagt werden, daß nicht nur die ukrainischen Behörden, sondern auch die Freunde und Gönner der Mordbanden davon wußten, denn so ungeheure Greuel konnten kaum Geheimnis bleiben. Und man rührte in Paris und London keinen Finger um den himmelschreienden Frevel Einhalt zu gebieten. Wo find die schönen hohlen Phrasen vom Schutz der Minoritäten, Völkerschutz und Völkerrecht geblieben- Ueber die armenischen Greuel hatte sich seinerzeit das ganze diplomatische Europa aufgeregt. Die hingeopferten 138.000 ukrainischen Juden ließen es kalt, wenn nur Polen nicht verloren geht. So heiligt auch in der modernen Politik jedes MÜtel den beabsichtigten Zweck, eine alte machiavellistische Wahrheit. Zwei Rede«. Unterrichtsminister StefanHaller, einer der intranfingentesten Führer des christlichen Kurses in Ungarn, empfing am 14. Juni in Oroshüza Deputationen der dortigen evangelischen, reformierten und jüdischen Religionsgemeinde. Auf die Ansprache des Rabbiners Dr. Martin Büchler erwiderte — wie Egyenlöfeg berichtet — der Unterrichtsminister mit folgenden Worten: „Der christliche Kurs, der christliche Geist schließen den Haß auS. Wir wiffen sehr gut, daß es in der roten Aera jüdische Greueltäter und christliche Greueltäter gegeben hat. Ein glaubenstreuer Jude aber vermag keine solche Niedertracht zu begehen, wie auch der gläubige Christ nicht zum Mörder wird. Jene waren weder Juden noch Christen mehr, sondern jedes menschlichen Gefühles entkleidete Bestien, mit denen die Religion nichts gemein hatte . . . Ich habe oft gegen die Verallgemeinerung das Wort ergriffenweil es eine Sünde ist, für die Verirrungen Einzelner die Gesamtheit zu verfolgen. Jeder unschuldig vergossene Tropfen Blut schreit gen Himmel. Haß schüren. Unschuldige verfolgen muß besonders unter den jetzigen Verhältnissen als wahrer Vaterlandsverrat gelten. #

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