Die Wahrheit
- Journal
- Die Wahrheit
- Volume
- 1920
- Issue
- Heft 13 (18.8.1920)
- Date
- 1920-08-18
- Page
- – (sequence 8)
- Language
- German
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Heit« 8 2)ie Wahrheit Kr. 1s Er, Herzl, liebte diese Stadt, so zärtlich. In Mehreren seiner herrlichen Schöpsungen der lyrischen Prosa hinterließ er der Nachwelt zahlreiche künstlerische Souveniere aus dem goldenen Zeitalter Wiens. Was hätte er mit seiner seismographisch empfindsamen Seele gefühlt haben, .geschrieben haben, gebeten haben, wenn dieses große Herz voll edlem Berantwortlichteitsgefühl getroffen worden wäre, von dem Ehock dieser Katastrophe, dem tragischen Untergang einer kleinen Nation, welche vielleicht kein größeres Verbrechen begangen hat, als daß ste zu gut geartet war, um pch gegen das Joch der Tyrannei aufzulehnen, denn je größer ein Unglück war, desto größer war seine Liebe. Ein leidenschaftlicher herzerschütteuder Schrei, der sich dieser großen Seele entrungen hätte, wäre durch das Judentum der ganzen Welt wie ein Donnerschlag gerollt, wenn er gelebt hätte . . . Bon seinem Grabe her apellieren wir an unsere Brüder in der ganzen Welt, besonders au unsere Brüder unserer großen Schwesterftadt an den Ufern deS Hudson! Unser Appell gilt in erster Reihe den Hunderttansenden von Hiobs unseres eigenen Volkes, welche fünf Jahre hindurch niedergeschmettert wurden von einer unaufhörlichen Reihe von Katastrophen, die auf ste niedersausten; unser Apell gilt aber auch für die anderen, die nicht unseres Stammes sind, denn daS Unglück ist so überwältigend groß, daß es alle Scheidewände des nationalen oder religiösen Separatismus überschreitet. Und noch eines! Der Friede, daS Glück und die Wohlfahrt unseres Volkes sind nimmer gesichert in Staaten, die von Elend und Unrast heimgesucht sind. Noch herrscht in der jungen Republik die Harmonie der Gleichheit aller Klaffen- Raffen und Religionen, aber der vertriebene Geist des Absolutismus und der Dämon Antisem unterwühlt mit grimmigem Eifer den Grundstein des neuen Etaatsgebildes. Durch die Scylla der Reccktion und die Charybdis des Bolschewismus, der am besten vom Hunger ausgebrütet wird, gleitet das sturmerprobte Schifflein der freiesten Republik in Europa. In der weiten Welt hat New-Iork kein zweites Gegenstück an Gemeinsamkeit des Denkens und der Sitten wie das freie liberale und duldsame Wien. Wehe dieser Freiheit und der Gleichheit, wenn die Leiden und das Elend eine Stufe erreichen sollten, die einen wilden Ausbruch nach rechts oder nach links zu Folge haben müßten. Es ist daher nicht von physischer Rettung allein die Rede, eS güt auch der Rettung des Geistes, der Freiheit des Schwesterstaates. „Save our souls!“ Wahrheiten vom Tage Im 20. Jahrhundert. Der Schriftleiter des „Mdeutschen Tagblatt", der die bäuerliche Bevölkerung Oesterreichs zum Boykott jüdischer Sommerfrischler ausrief (siehe vorige Nummer der „Wahrheit"), ist eigentlich nur ein armseliger Waisenknabe, verglichen mit einem gewissen Olschowy, der eine zu Judenmord und Totschlag aufreizende Flugschrift in tausenden von Exemplaren versenden läßt, ohne daß die berufenen Behörden ihn das schändliche Handwerk legen. Nachstehendes Pröbchen aus dieser niederträchtigen Sudelschrift möge als Beweis dienen, was im 20. Jahrhundert und im zweiten Jahre der glorreichen republikanischen Regierung beim gepriesenen „Volk der Dichter und Denker" möglich ist. Der wackere O. meint: „Die jetzt bei allen Völkern vorkommenden Pogrome, Judenschlächtereien hat unser Herr Erlöser Jesus Christus durch seinen Diener Moses vor 3500 Jahren vorausgesagt und sind eine Freude Gottes. Denn Moses schreibt: „Und es wird geschehen, so wie sich der Herr über euch freute euch Gutes zu tun und euch zu mehren, ebenso wird der Herr sich über euch freuen, euch zu Grunde zu richten und euch zu vertilgen; denn ich weiß, daß ihr nach meinem Tode verderblich wandeln und von dem Wege abweichen werdet, den ich euch geboten habe, und da wird euch das Unglück treffen am Ende der Tage, weil ihr getan, was böse ist in° den Aügen des Herrn und ihn erzürnt habet durch die Werke eurer Hände". (5. Mose 28, 63; Kap. 31, 29; Jerem. 15, 1—4.) Dieser Auswurf der Hölle, die Juden reizen durch ihr teuflisches, antichristliches Benehmen nicht selbst zu Pogromen auf, sondern dies tut der ewige Rebell, der Satan, der in diesen zynischen Menschenverderbern zur Strafe sitzt. Judenmassakers waren, sind und müssen sein, damit die Mörder der Propheten und des Sohnes Gottes am eigenen Leibe fühlen, daß die mosaischen Prophezeiungen wahr sind". Peter Arbues, Torquemada und all ihr sonstigen romanischen Bluthunde, ihr unterscheidet euch von dem germanischen Epigonen nur. dadurch, daß ihr die Macht hattet, dieser aber nur den Wunsch zu großem Judenbrennen besitzt. Die großen Herren der Entente werden sich jedenfalls eine schöne Vorstellung vom Kulturleben Mitteleuropas machen, über welche bittere Wahrheit nicht wegzukommen ist. Äugloziomstische Streiflichter. Dr. Weizmann ist in allen Konferenzen und Versammlungen die verkörperte Stimme der Vernunft und des Gewiffens; als solche unbeirrbar in Anklagen und Forderungen. So ließ er sich auch gelegentlich der letzten zionistischen Jahreskonferenz in London folgendermaßen vernehmen: „Die palästinensische Judenschaft ist in viele Parteien und Sekten gespalten, von denen jede glaubt, daß sie allein berufen sei, die Wahrheit zu vertreten. Wären diese Parteien lebende reale Organismen, so könnte man mit ihnen doch Übereinkommen, leider aber sind sie alle vom wirklichen Leben entfernt und sehr oft