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Die Wahrheit · 1920-08-18 · Heft 13 (18.8.1920) · page 5

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Journal
Die Wahrheit
Volume
1920
Issue
Heft 13 (18.8.1920)
Date
1920-08-18
Page
– (sequence 5)
Language
German
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hinwegsetzt, lauten: Das jüdische Volk bildet in keiner Beziehung eine nationale Einheit. Selbstverständlich ist ein geistiger Zusammenschluß der Juden aller Länder und ihre gegenseitige Unterstützung und Hilse, wie sie von jeher bestanden hat, sowie die Schaffung einer rechtlich gesicherten Heimstätte für in einzelnen Ländern nichteingebürgerte Juden überaus erwünscht und erstrebenswert. Die Flucht vor dem Zionismus. Vor einiger Zeit lasen wir in der Preßburger „Jüdischen Presse" einen herzergreifenden Aufruf des dortigen Rabbiners Akiba Schreiber zu Geldsammlungen für die in Palästina notleidenden alten Leute, die in Gefahr seien, Hungers zu sterben. Da stiegen in uns allerlei Fragen, Bedenken und Besorgniffe auf. Wie ist es möglich, daß angesichts der unzählbaren Millionen, die alle Welt, besonders aber das jüdische Amerika für palästinensische Wohlfahrtzwecke nach Erez Jsroel senden, gleichwohl arme Greise und Greisinnen, die sich dort einem beschaulichen, gottesfürchtigen Dasein hingegeben, dem Hungertode preisgegeben werden? Bald darauf sollte uns eine erschreckende Aufklärung werden. Der „Israelit", deffen Verläßlichkeit und Wahrheitsliebe über jeden Zweifel erhaben" ist, brachte am 5. d. den Aufsatz: „Ein Verzweiflungsschrei aus dem heiligen Lande", worin das Treiben und Walten gewisser zionistischer Kreise in ihrer „Heimstätte" nach allen Seiten geschildert wurde. Es würde den uns zugemessenen Raum weit überschreiten, wollten wir das ganze Sündenregister jener Herren vollständig abschreiben. Es wird genügen zu bemerken, daß nach dem Gewährsmanns des „Israelit" die in bedeutender Minderheit stehenden eingewanderten Zionisten die Mehrheit der gesehestreuen Juden in jeder Weise beherrschen, sodaß letztere, in ihren heiligsten Gefühlen verletzt und gekränkt, aus dem Lande, daS ihnen bisher eine wirkliche Heimstätte war, in hellen Scharen nach Amerika flüchten. Es wird auch erzählt, daß Palästina, das angebliche Land der Bodenkulturmiffion, von dunklen Intelligenzlern bis zum Ueberfluß und Ueberdruß wimmelt, für welche eigene Sinnkuren geschaffen werden müssen. Die Mittel zur Versorgung eines Heeres von Schriftstellern, Journalisten, Zeichnern, Malern, Bildhauern, Altertumsforschern, unbeschäftigten Beamten und Angestellten erfordert Riesensummen, so daß man es nach solcher Darstellung begreifen wird, daß man für hungernde alte Glaubensgenoffen nichts übrig hat und ohne Erröten für sie in anderen Ländern schnorren läßt. Die unbeschränkt wohltäügen Judäo-Amerikaner, die mit vollen Händen geben, werden diese Wirtschaft allerdings weniger begreiflich und gerechtfertigt finden und sich nunmehr die Leute, die fie mit ihrem Vertrauen und ihren Millionen beehrt haben, etwas genauer besehen. Die auS dem gelobten Lande nach Amerika flüchtenden gesetzestreuen Juden wären berufen und in der Lage, nach ihrer Ankunft solcheanzuregen und, wie der „Israelit" sagt, die amerikanische Orthodoxie darüber aufzuklären, welche Zerstörungsarbeit mit ihrem Gelde in Erez Jsroel dauernd geleistet wird. Die ganze Zionistenwirtschaft im heiligen Lande hat in vielen Belangen Aehnlichkeit mit den Nachkriegszeitzuständen im armen Oesterreich. Auch hier sieht man eine in den Machtbefitz gelangte Partei die anderen kommandieren und terrorifieren, an die eigenen Günstlinge und Kreaturen Pfründen und neugeschaffene Aemter vergeben. Auch hier Miß- oder Unwirtschast mit den vorhandenen Finanzen, Protektion und planloses Verwalten. Nur in dem Einen unterscheidet fich das unglückliche Oesterreich von dem noch nicht glücklichen Palästina: Daß wir daS Bekenntnis unfereS himmelschreienden Elends in alle Wett hinauSrufen und die Palästinazionisten aller Welt Potemkinsche Dörfer vortäuschen, mit höchster Gewiffenlosigkeit für gewisse dunkle Zwecke die Werbetrommel rühren und sich weiter um das Schicksal der Leichtgläubigen nicht sorgen. Gott und Sir Herbert Samuel werden schon helfen. Moderne Rechtsprobleme im israelitischen Recht. Die Todesstrafe. Bekanntlich ist es eine der strittigsten Frage« unserer Rechtspolitik, ob und inwieweit die Todesstrafe beizubehalten ist. DaS Strafrecht mehrerer moderner Staaten hat die Todesstrafe abgeschafft, während fie in Deutschland immer noch besteht. Viel zu wenig bekannt ist die Tatsache, daß in Deutschland die Todesstrafe nicht auf dem Willen degesamten Volker beruht, sondern auf dem Willen eines einzigen ManneS. Es war Bismarck, der gegen den wahren Willen deS Reichstages die Annahme der Todesstrafe erzwang, indem er drohte, bei Beseitigung dieser Strafe das ganze Strafgesetzbuch zu Fall zu bringen. Auch in den Entwürfen zu einem neuen deutschen Strafgesetzbuch i ist die Todesstrafe beibehalten. Diese Tatsache ist

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