Die Wahrheit
- Journal
- Die Wahrheit
- Volume
- 1920
- Issue
- Heft 13 (18.8.1920)
- Date
- 1920-08-18
- Page
- – (sequence 4)
- Language
- German
- Belongs to
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Seite 4 Die Wahrheit Nr. 13 ihm, der solche Unseligkeit und Seelenlosigkeit des SohneS, solche Schmach nicht erlebt hat! Genug. Der von seinem Vater widerlegte Sohn bedarf keiner besonderen Züchtigung und seine Flucharbeit mit ihren Folgen hat die geschmähte Bibel seines Vaters selber gekennzeichnet mit den Worten, die dem Erzvater des Monotheismus einst zugerufen wurden, als er ein Segen werden sollte für alle Geschlechter der Erde und die später ein berühmter Verflucher — für Geld und gute Worte — gezwungen wurde, zu wiederholen: „Wer dir flucht, Fluch ihm, wer dich segnet, ihm sei Segen". Sind die Juden der ganzen Weit eine nationale Einheit? Eine geographische und völkerrechtliche Untersuchung von Dr. Emil Weinberg, Wien. (Schluß.) Noch ein drittes Beispiel: England hat die Einwanderung von Deutschen und Deutschösterreichern «ach dem Weltkriege verboten. Ein deutschösterreichischer Jude kann sich somit in England nicht ansiedeln, während ein französischer Jude als Bundesgenosse diese BewMgung ohne weiters erhält. Daraus folgt, daß das Völkerrecht eine jüdische Nation nicht anerkennt. Aber sie wird auch in absehbarer Zeit nicht anerkannt werden. Denn die Errichtung eines selbständigen jüdischen Staates liegt noch in weiter Ferne. Für England bedeutet Palästina einen Stützpunkt für feinen Landweg nach Indien, den es, solange es an seiner Weltstellung festhält, nicht herausgeben kann und wird. Die Juden in Palästina dürften daher im besten Falle eine gewisse Selbständigkeit (Autonomie) unter englischer Oberherrschaft erlangen. Dabei wird von dem Widerstand der Araber abgesehen, die als Mehrheit der jetzigen Bevölkerung der Besiedlung Palästinas durch Juden feindlich gegenüberstehen. Dazu kommt noch folgendes: Palästina zählt derzeit bloß 100.000 jüdische Einwohner. Die gesamte Mische Bevölkerung der Welt beträgt über 15 Millionen Menschen. Würde selbst der jüdische Staat in absehbarer Zeit entstehen, so würde er nur einen verschwindend geringen Teil der jüdischen Bevölkerung aufnehmen können. Bei allen übrigen Staaten lebt im Mutterland der größte Teil der Nation, z. B. in Frankreich die Franzosen, und diese schützen die im Auslands lebenden Stammesgenossen. Würde ein Mischer Staat entstehen, so würde bei Anerkennung der Juden als Nation ein Bruchteil der Juden im eigenen Staate die im Auslande lebende Masse der Juden schützen und vertreten müssen, was natürlich unmöglich ist. Vor allem würden sich die Staaten mit jüdischer Bevölkerung die Einmischung des jüdischen Zwergstaates verbieten unter Hinweis darauf, daß eine Einmengung eines fremden Staates in innere Verhältnisse eines souveränen Staates dem geltenden Völkerrechte widerspreche. Kehren wir nun zu bereits angedeuteten Tatsachen zurück! Es gibt nur polnische, ukrainische, amerikanische, russische, rumänische, deutsche, englische, österreichische, französische, marokkanische, türkische Juden usw., aber keine Juden schlechthin. Ist dies im Völkerleben eine einzig dastehende Erscheinung? Betrifft sie nur die Juden? Gibt es keinen höheren rechtlichen Begriff, unter dem sich diese Erscheinung einreihen läßt und worin liegt ihr Grund? Es ist dies auf die Einbürgerung oder Naturalisation von Staats- und Stammesfreunden, die allen Kulturstaaten bekannt ist, zurückzuführen. Man denke an die Hugenotten in Deutschland, an die eingebürgerten Deutschen in England, an die vielen eingebürgerten Europäer (Deutsche sDeutschamerikaner genanntj, Czechen, Slovaken, Polen) in Amerika, an Deutsche in Rußland (Deutschrussen) und Rumänien usw. Der Zweck jeder Einbürgerung ist, dem Fremden, der dieselben Pflichten wie die Einheimischen übernimmt, auch dieselben Rechte in öffentlicher und privater Beziehung in der neuen Heimat zu geben. Dies geschieht in der Form der Gleichberechtigung. Denn es ist erfahrungsgemäß das einzige Mittel, um ein gedeihliches Zusammenarbeiten zwischen der alten und neuen Bevölkerung zu erzielen. Es ist daher nicht Zufall, sondern die Befolgung eines großen sozialen Gesetzes, wenn die Juden in allen Ländern, wo sie sich dauernd niederließen, die Gleichberechtigung anstrebten und zum größten Teile erhielten. Auf die Einbürgerung ist es zurückzuführen, daß die Juden in allen Ländern, wo sie Gleichberechtigung erlangten, sich nicht bloß als Staatsbürger, sondern trotz ihrer Stammesfremdheit als zur Bevölkerung, unter der sie leben, wie zu deren Sprach- und Bildungskreis gehörend betrachten. Denn sie sind mit ihr durch tausend Bande wirtschaftlicher und geistiger Art verknüpft und teilen ihr Schicksal in jeder Beziehung. Daraus erhellt der ganze Widersinn, wenn im Gegensätze hiezu die Jüdischnationalen in Deutschöstereeich, noch dazu einem nationalen Einheitsstaate, die erworbene Gleichberechtung der Juden durch eine Fremdengesetzgebung ersetzt sehen wollen und zu diesem Zwecke die Juden der ganzen Welt als eine Nation hinstellen.-Der eingangs angeführte Satz sollte, wenn man sich nicht über alle Tatsachen ------