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Die Wahrheit · 1920-08-04 · Heft 12 (4.8.1920) · page 12

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Journal
Die Wahrheit
Volume
1920
Issue
Heft 12 (4.8.1920)
Date
1920-08-04
Page
– (sequence 12)
Language
German
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Seite 12 Die Wahrheit Nr. 12 Leipzig. Die Verwaltung der israelitischen Religionsgemeinde zu Leipzig, die schon während des Krieges durch Gewährung von angemessenen Teuerungszulagen Verständnis für die wirtschaftliche Lage ihrer Beamten und Angestellten bewiesen hat, hat jetzt erneut durch Aufstellung eines Besoldungsplanes eine den jetzigen Verhältnissen entsprechende Regelung getroffen. Wenn auch eine Gleichstellung der Gemeindebeamten mit den Reichsbeamten nicht völlig erreicht ist, so ist doch zu rühmen, daß die Verwaltung trotz entgegenstehender Schwierigkeiten, die hauptsächlich in der Unsicherheit der Entwicklung der Gemeindefinanzen liegen, die Frage in großzügiger Weise gelöst hat. Die Beamtenschaft erkennt dankbar an, daß die Ausstellung eines Besoldungsplanes mit steigenden Gehaltsansätzen eine erfreuliche Verbesserung und Sicherung der Existenzbedingungen der Beamten und Angestellten und ihrer Familien bedeutet. Promotion. Am 27. Juli wurde Herr Artur Funk, Sohn Sr. Ehrwürden, des verehrten Herrn Rabbiners Dr. S. Funk, zum Dr. Juris promoviert. Die akademische Feier fand unter großer Teilnahme statt und schließen wir uns der großen Zahl der Gratulanten aus diesem Anlaß an. Herr Dr. Artur Funk ist derzeit Beamter im Wiener Oberlandesgericht. Nus den Temprlverrinrn Leopoldstädter Tempelverein „Aefchel Awrohom". Adolf W e n g e r, der verdienstvolle Obmann unseres Tempelvereines, feierte dieser Tage seinen 70. Geburtstag. Obwohl der Jubilar allen Ovationen abhold sich in die Stille eines Jschler Aufenthaltes flüchtete, wird der Vorstand in Anerkennung seiner Verdienste und Bemühungen für den Tempelverein nicht umhin können, dieses Ereignis in einer Tempelfeier und Festsitzung zu würdigen und wird den Mitgliedern der Termin rechtzeitig bekanntgegeben. Tiner Bestimmung unseres Vorstandes gemäß werden die von seinen Mitgliedern bei Trauungen gesammelten Spenden ihrer Bestimmung in der Weise zugeführt, daß dieselben in den Armenfond, zu Unterstützung würdiger Glaubensdrüder uud in den Brautausstattungsfond zur Unterstützung armer und würdiger Brautpaare zufließen. Am Sonntag, den 5. September, als Erinnerung zu der Einweihung unseres Tempels sollen auch Heuer ein oder zwei Brautpaare aus diesem Fond unterstützt werden und ist es Vorstandsbeschluß, daß außer der pekuniären Widmung den Brautpaaren eine würdige GratiStrauung geboten wird. Diesbezügliche Gesuche mögen baldigst an den Tempelvorstand (2. Pazmanitengaffe 6) gerichtet werden. * Die Ausgabe der Jahressitze an die bisherigen Besitzer findet täglich von 2—4 in der Vereinskanzlei statt. Prater Bethausverein „Tefilath Jeschur««". In besonders festlicher Weise wurde kürzlich in unserem Bethause anläßlich der sechzigjährigen Geburtstagsfeier unseres Bethausvorstehers Herrn David Wald mann ein feierlicher Gottesdienst abgehalten, bei welchem nahezu der Gesamt- Vorstand, sowie zahlreiche Mitglieder anwesend waren. Herr Professor Naschee gedachte in warm empfundenen Worten deS Wirkens des Jubilars, feierte ihn als Zierde des Vereines und hob die ersprießliche, rastlose Tätigkeit desselben hervor, woraus Oberkantor Z old an einen von ihm selbst verfaßten „Mi-Scheberach" stimmungs- und weihevoll zu Gehör brachte. Sodann nahm tief bewegt Herr Waldmann und seine treue Gefährtin die zahlreichen Glückwünsche entgegen, dankten aus vollem Herzen jedem einzelnen, worauf die schöne, würdige Feier, die dem wahren Verdienste gegolten, ihren Abschluß fand. iir==fiiiii<iiffiii^aii Kunstausstellung in Baden. Die vor kurzem eröffnete V. Kunstausstellung ist durch die starke Beteiligung jüdischer Künstler und Künstlerinnen von besonderem Interesse. In erster Reihe ist zu nennen der hier ansässige Meister David Kohn, welcher zwei Rötel-Studien ausgestellt hat — einen reizenden Kinderkopf und einen Bochur („Grübler") — Blätter, die in künstlerischer Auffassung und Beherrschung der Technik nicht übertroffen werden können. Im Gefolge des Meisters erscheint eine stattliche Reihe von Schülerinnen, deren Arbeiten alle Vorzüge des Lehrers aufweisen. Soscha Weinbergers „Porträt", in zwei Farbenstiften ausgeführt, ist von beachtenswerter Treffsicherheit und koloristischer Wirkung. Marylka Betti, Adele Bloch, Lilly Steiner und Wanda Zukier erweisen ihr Können in Rötel- und Kohlenstudien. Nelly Steiner bietet Oelporträts und Aquarellstudien, die ein schönes Talent verraten. Elisabeth Jung hat Blumen und Ansichten, Zaezilie Klein Zeichnungen und Radierungen, Anna Wassny eine Oelstudie (Praterau) und ein Elfenbeinrelief (Die Kundschafter mit Traube) ausgestellt. Man sieht, daß in der Schule David Kohn die verschiedensten Techniken mit Erfolg gelehrt werden. In der Kollektivabteilung des „Dürerbund" findet man sehr fein durchgeführte Radierungen von Emil Ranzenhofer und Emma Löwenstamm, welch letztere durch wohlgetroffene Porträts des Chirurgen Prof. Schnitzler und des Dichters Aufricht sich angenehm bemerkbar macht. Der hervorragende Landschafter Kozanovsky erweist seine Künstlerschaft auch in einem Tierstück und einem Interieur. Zu nennen wären noch Clara Sulzer (Franziskanerplatz), Lola Schaffa-Schwadron (Interieur) und Grete Fuchs-Braun (Radierungen) womit aber die Liste der bemerkenswerten Arbeiten nicht erschöpft ist. Ohne Uebertreibung darf man behaupten, daß die angeführten Kunstwerke dem Judentum zur Ehre gereichen.

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