Mannheim
Compact Memory

Die Wahrheit · 1920-08-04 · Heft 12 (4.8.1920) · page 11

Scan of the page
Image: UB Frankfurt, Visual Library (IIIF)
Journal
Die Wahrheit
Volume
1920
Issue
Heft 12 (4.8.1920)
Date
1920-08-04
Page
– (sequence 11)
Language
German
Belongs to
journal issue
OCR quality
95% known words query
IRI
…/3062972-3063928-3063939--10956-3078333
Visual Library
page viewer of the UB Frankfurt

No entity mentions on this page.

OCR text

Nr. 12 Die Wahrheit Seite 11 In diesem Sinne hat sich auch der Rabbi von Sokolow vor kurzem geäußert: „Es ist unverständlich, wie man heute glauben kann, ein dauerndes und segensreiches Werk in Erez Jsroel unter Ignorierung des Thora-Gesetzes, der Rabbiner und ihrer Entscheidungen, wie die Vorgänge in der Frage des Frauenwahlrechts beweisen, zustande bringen zu können. Ich verweise auf die Meinungen der großen Tossafisten, die stark bezweifelten, ob die Pflicht von Jischuw Erez Jsroel überhaupt anginge, wenn man nicht die Sicherheit besitzt, im Lande ein gesetzestreues Leben führen zu können, geschweige denn, wenn man mit der Absicht hingeht, die Gebote der Thora zu übertreten. Es ist ein Irrtum der Misrachisten, anzunehmen, daß die Zionisten sich in religiösen Angelegenheiten tolerant zeigen würden. Bis heute sehen wir jedenfalls, daß die Zionisten noch nie nachgegeben haben, wenn es sich um Religionsangelegenheiten handelte. Ich glaube deshalb, daß die gesetzestreuen Misrachisten sich schließlich mit uns zum Aufbau des jüdischen Landes im Geiste der Thora werden vereinigen müssen. Auch Rabbi Hirsch Kalischer und Rabbi Elia Gutmacher, wenn sie heute lebten, würden mit den Zionisten nicht übereinftimmen können. Ich weiß noch, wie Rabbiner Reines von Lidda innerlich gebrochen vom 7. oder 8. Baseler Kongreß zurück kam, nachdem er dort die Sabbat-Entweihung und die sonstigen Vorgänge mit angesehen hatte." Judeuboykott in den österreichischen Sommerfrischen. Das Alldeutsche Tagblatt in Wien verflieg sich zu folgenden Aufruf: „Sperrt die Juden aus den Sommerfrischen. Die Gemeinden Rinn in Tirol und Mondsee in Oberösterreich haben beschlossen, im heurigen Sommer keine Juden als Sommerfrischler aufzunehmen und auch den vorübergehenden Aufenthalt von Juden nicht zu dulden. Dieser von treuer Liebe zur bodenständigen Bevölkerung zeugende Beschluß möge ein leuchtendes Beispiel für alle deutschen Gemeinden unseres in Volksnot dem ausbeulenden Judentums ausgelieferten Heimatlandes sein. Die Ortsgruppe St. Pölten des Schutzvereines „Antisemitenbund" richtet an alle Gemeindevertreter unseres Ostmarklandes die dringende Bitte, dem Beispiele der wackeren Gemeinden Rinn und Mondsee zu folgen und einen ebensolchen Beschluß in ihren Gemeinden zu verwirklichen. Sie läßt diesen Ruf aber auch an alle wahrhaften Volksfreunde ergehen, in der Hoffnung, dadurch in unseren Heimatsgemeinden einen Beschluß zu erwirken, der die jüdischen Volksfeinde endlich belehrt, daß es außer ihnen, die sich anmaßen, die Herren des Landes zu sein, noch Deutsche gibt, die treu zum Volke stehen und nicht willens sind, sich und ihr Volk den Ausbeutern Alljudas kampflos auszuliefern. Wir wissen, daß wir mit diesem Aufrufe im Sinne der allergrößten Mehrheit unseres Heimatvolkes handeln und das gibt uns Kraft und die Zuversicht auf das endliche Gelingen unseres hochgesteckten Zieles, der völligen Säuberung unseres Heimwesens vom Gifthauche des Judentums. Darum, deutsche Männer!' — Auf zur Tat! — Erwirkt in allen unseren Heimatsgemeinden die Aussperrung der Juden. Ein solcher Beschluß fordert keine Geldopfer, nur Liebe zum Volke und er wird zur Tat, wenn sich mutige Landsmannen tatkräftig einsetzen." Das Beispiel von Rinn und Mondsee ist nicht ohne Nachahmung geblieben. Der schleichenden und offenen Hetze unter den biederen Landleuten ist es gelungen, eine Reihe von Sommerfrischen in unserer gesegneten Republik den Juden zu verschließen. Denselben Juden, die von denselben Landleuten in früheren Jahren umschmeichelt und ausgeplündert wurden. Heute allerdings, wo die Gescherten unter die agrarischen Kriegsgewinner gegangen find und sich nebst anderen Luxus auch die Judenhetze erlauben dürfen, verzichten sie auf jüdische Gäste. Das ganze Gehaben läßt sich als Niedertracht bezeichnen. Freilich mahnt Goethe: Uebers Niederträchtige Sich Niemand beklage. Denn es ist das Mächtige Was man auch sage. Worüber man sich aber billig beklagen muß, ist, daß ein noch Mächtigeres, die österreichische Staatsgewalt, derartige Niederträchtigkeiten der alldeutschen Leute duldet. Solange wir keine neue Verfassung haben, gilt die alte, die allen Staatsbürgern Gleichheit verbürgt. Won Nah und Fern Die Notlage der Jeschiwaus. Wie die „Jüdische Presse-Zentrale" meldet, hat die Jerusalemer zionistische Unterstützungskommiffion (Waad hazirim), welche die amerikanischen Hilfsgelder verteilt, neuerdings beschlossen, die Unterstützungen der Jeschiwos und Thoragelehrten wiederum um 15 % zu vermindern. Die Not dieser Kreise ist schon im vorigen Jahre durch eine Herabsetzung der Unterstützungssumme um 50# und im Januar um weitere 8# ins Ungemessene gewachsen. Man kann sich vorstellen, wie die neueste Maßregel wirkt, die sicherlich nicht im Sinne der amerikanischen Spender liegt. Der Korrespondent der Pressezentrale erblickt in dem Vorgehen der Kommission einen Ausfluß bewußter Feindseligkeit gegen den alten Jschuw, der dem Zionismus aus Gewissensgründen ablehnend gegenübersteht. Breslau. Vor kurzem waren in ganz Posen hunderte von Plakaten angeheftet worden, die die Polen aufforderten, gegen die Juden mit Gewalt vorzugehen. Auch solle niemand mehr bei einem Juden kaufen. Mehrere jüdische Einwohner Posens, aber auch verschiedene Polen, die an dem Inhalt der Plakate Anstoß nahmen, versuchten die Plakate abzureißen. Es kam infolgedessen zu Prügeleien, bei denen ein junger jüdischer Kaufmann leicht verletzt wurde, während ein tschechisches Ehepaar, das einem bedrängten Polen zu Hilfe kommen wollte, so schwer verletzt wurde, daß es in ärztliche Behandlung genommen werden mußte. Die Polizei schritt, sobald sie Kenntnis von dem Anheften der Plakate erhielt, energisch ein und entfernte dieselben, während sie die bedrängten jüdischen Personen in Schutzhaft nahm. Ein jüdisches Cafe am Alten Markt wurde vorsichtshalber polizeilich für kurze Zeit geschloffen.

Text as recognised by OCR (ABBYY FineReader), without corrections. Entity mentions: TagMe (2021); their positions were matched to this text again.