Die Wahrheit
- Journal
- Die Wahrheit
- Volume
- 1920
- Issue
- Heft 11 (21.7.1920)
- Date
- 1920-07-21
- Page
- – (sequence 9)
- Language
- German
- Belongs to
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Die Wahrheit Seite 9 Nr. 11 konnte. Die Pflicht und Aufgabe, dies zu tun, werden wir den Zionisten im Kultusvorstand stets in Erinnerung bringen. Charaktere! Wir lesen am 3. Juli 1930 im Leitartikel einer Zeitung folgende Sätze: „Er (d. h. dieser Mann) sollte es jedem Staate und jedem Menschen ins Hirn hämmern, daß Gewalt nicht gedeiht und daß es für die Austragung politischer oder anderer Streitigkeiten nur den Weg von Verhandlungen gibt. Wo das Faustrecht sich behauptet, weckt es nur Auf. lehnung und Trotz und verhindert jedes gütliche Ueber-' einkommen". Welches Blatt mag das sein, das solche friedliche Töne anschlägt, so vor Gewalt warnt? Hält man es für möglich, daß diese friedensfreundlichen Worte, diese maßvolle und mäßigende Ansprache derselbe Verfasser „—y", in der „Wiener Morgenzeitung" schreibt, der am 34. Juni den Leitartikel dieser Zeitung mit den Worten begann: „Die Nichtjüdischnationalen, die gegenwärtig die Kultusgemeinde gegen die Zionisten schützen, haben ihre Presse zur Verteidigung Horthy-Ungarns aufgeboten", und der diesen Leitartikel betitelte: „Die nichtjüdischnatiole Horthy-Garde". Abgesehen davon, daß es eine unverschämte Lüge ist oder war, die nichtjüdischnationalen Kandidaten für den Kultusvorstand und ihre Wähler mit den Wiener Tagesblättern in Verbindung zu bringen, muß die Bezeichnung der Nichtjüdischnationalen als Horthy-Garde für den Ausfluß einer auch im heftigsten Wahlkampf unerhörten Beleidigung angesehen werden. Und jetzt wagt es Herr „—y", Frieden und Verträglichkeit der Welt, zu predigend Ist das Grundsatztreüe, ist das charaktervolles Handeln, ist däs jüdisches Wesen? Auch die Politik muß ein reinliches Geschäft sein. Und die Auftraggeber des Herrn „—y" lassen täglich täglich über die „Neue Freie Presse" in der „Morgenzeitung" schimpfen, aber vor dem Wahltag haben sie ihre jüdischnationale Kandidatenliste mit einer „süßen" Einleitung in eben diesem Blatte angekündigt. Und gerade die „Neue Freie Presse" haben diese Herren als Horthy-Blatt angegriffen. Die Publizität der „Neuen Freien Preffe" aber haben sie für sich benützt. Wie sagen doch die Polen: „Mcht reinlich, aber gesund!" Und diese Leute nennen sich Vertreter des jüdischen Volkes! Dem Andenken Theodor Herzls. Vor kurzem wurde in ungezählten national-zionistischen Vereinigungen der sechzehnte Wiederkehr des Todestages Theodor Herzl mit Kundgebungen der Trauer gefeiert. Auch die nichtnationale Judenheit gedenkt Herzls mit pietätvoller^ Würdigung wegen seiner hohen Intelligenz seines kristallreinen Charakters und seines erhabenen Jdeales, dem er seine geistigen und physischen Kräfte bis ans Ende widmete. Wenn Theodor Herzl noch auf Erden wandeln würde, hätte er sein 60. Lebensjahr erreicht, also jenen Wendepunkt des menschlichen Daseins, wo die Summe der gesammelten Erfahrungen und Beobachtungen zur Resultierenden der.Abgeklärtheit anbrechenden Alters führt, vor dem manche Ideale zerflattern und manches Urteil aus der Jünglings- und Manneszeit revidiert wird. Es wäre dem Begründer des Zionismus auch nicht anders ergangen. Mt Bestimmtheit darf gesagt werden, daß er weder an seinem 60. Geburtstage, noch an seinem Werke Freude erlebt hätte angesichts der Wandlungen, die seine Epigon vor allem in Oesterreich daran mutwillig und eigenmächtig vollzogen haben. Wir möchten die Behauptung aufstellen, daß, so wie es Kriegs- und Revolutionsgewinner gibt, es auch Zionisten gibt, die ihren augenblicklichen Vorteil mit allen erdenklichen Mitteln skrupellos verfolgen. Müßte der Jdealmensch Theodor Herzl angesichts derartiger Tatsachen nicht trauernd und verzweifelnd sein Haupt verhüllen? Wer kann behaupten, daß die Methode der Wiener Jüdischnationalen die edle Theodor Herzlweise ist, die, allem Rohen und Gemeinen abhold, nur mit des Geistes Waffen in den Kampf zog? Daß man sich aber auch anderwärts mit dem mandatebedachten Neozionismus scharf auseinandersetzt, beweist eine Bemerkung der jungen, trefflich geschriebenen „Jüdischen Preffe" in Bratislava (Preßburg), die aus Anlaß der Herzl-Erinnerungsfeier in Nr. 4 erklärte: „Es gab keinen erbitterteren Gegner der Forderung „jüdischer Minoritätsrechte" im Golus als Theodor Herzl. Er sagte oft: Wer jüdische Minoritätsrechte -verlangt, hat keinen Verstand oder kein Gewissen! Im Jahre 1903 (am Ostermontag) versammelte sich das erste Komitee der ungarländischen Zionisten unter dem persönlichen Vorsitze Herzls (in der Wohnung Oskar Marmoreks). Herzl warnte hier besonders vor dem Irrtum, das jüdischnationale Prinzip in die Landespolitik zu tragen. Er sagte wortwörtlich: „Eine potzdumme jüdische Politik gibt es, das ist die Politik der jüdischen Volkspartei (das war der Name einer Wiener Partei mit dem Programme unserer V. I. P.). Ich will mit dem Zionismus die Judenfrage lösen und sie verwickeln sie noch mehr. Man wird diese Kerle einmal mit Knütteln totschlagen". Für die Richtigkeit des Wortlautes sind noch einige lebende Zeugen anzusühren, die sich nichtsdestoweniger sehr intensiv als Vertrauensmänner der V. I. P. betätigen. Wenn man an diese Zwoe von Herzl erinnert wird, so pflegen die Herren, die es wissen, aber gerne verschweigen, etwas verlegen zu antworten, daß sich „die Verhältnisse geändert haben". Jawohl, sie haben sich sehr geändert. Es gibt heute in jenem Lager keine Personen mehr, die im Interesse des Judentums auf Mandatsgelegenheiten verzichten würden." Die Verantwortung für diese Kraftworte der „Jüdischen Preffe" möchten wir dieser überlaffen und hoffen, daß sie sich mit der Wahrheit decken. Von Nah und Fern - Zur Palästina Fra-e. (Ein Beitrag zur Aufklärung der Balsourschen Deklaration). Wir entnehmen der Zeitschrift des Zentralvereins deutscher Staatsbürger jüdischen Glaubens, Berlin, Juni 1929, S. 301, folgende interessante Auseinandersetzung: „Aber auch die englische Diplomatie, die stets die Vorgänge im Orient im Auge behielt, wurde aus