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Die Wahrheit · 1920-07-07 · Heft 10 (7.7.1920) · page 10

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Journal
Die Wahrheit
Volume
1920
Issue
Heft 10 (7.7.1920)
Date
1920-07-07
Page
– (sequence 10)
Language
German
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Hie. Wahrh eit Sir. 16 Seite 16 Gewühlt wurden: 3) N i ch t j ü d i s ch n a t i o n a l e L i st e: 1. Dr.Mois Pick, Universitäts-Professor, General- Oberstabsarzt a. D. 2. Wilhelm K e m p l e r, Baurat, Direktor der Union-Baugesellschaft. 3. Dr. Benjamin Rappaport, Hofrat a. D. 4. Robert Wort mann, Bankier. 5. Dr. Jakob Engel, Rechtsanwalt. *6. Dr. Jakob Krenberg er, Direktor des Taubstummen-Jnstitutes. 7. Sigmund Kauders, Weingroßhändler? 8. Richard Bettelheim, Prokurist. 9. Ignatz Glück, Handels-Gesellschafter. 10. David D-o h ä n, Kaufmann. 11. Moriz Reif, Kaufmann. 12. Isidor Schwarz, Disponent. 13. Bernhard Buchwald, Fabrikant. 44. Dr. Ernst Friedjung, Apotheker. 15. Dr. Josef T i ch 0, Rechtsanwalt. 16. Dr. Leo Landau, Rechtsanwalt. 17. Dr. Jakob Deutsch, praktischer Arzt. 16..Jakob Herzog, Beamter. i 19? Adolf Oberländer, Architekt und Stavtbaumeister. 20. Moriz Schwarz, Kaufmann. b) Liste der vereinigten zlaubenstreuen Judenschaft: 1. Wolf Pappenheim, Kaufmann. 2. Siegmund Bo n d i, Großindustriellem 3. Osias März, Kaufmann. c) Z i 0 n i st i s ch e..L i ft e. 1. Ing. Robert Stricker, Abgeordneter. 2. Dr. Isidor S ch a l i t, Zahnarzt. 3. Dr. Jakob Ehrlich, Gemeinderat. 4. Dr. Jcckob Plaschkes, Gemeinderat. 5. Dr. Karl Pollak, Zahnarzt. 6. Dr. Josef Auerbach, Rechtsanwalt. 7. Rudolf T a u s s i g, Regierungsrat. 8. Max Markus, Kaufmann. 9. Dr. Isidor Margulies, Rechtsanwalt. 10. Des,her F r i Cb m a n n, Rechtsanwalt. 11. Siegmund Epler, Bankdirektor. 12. Jakob P i n k a s, Bankgeschäfts-Jrhaber. 13. Isidor Austerlitz, Kaufmann. Der Mi«oritSte»sch«tz in Ungarn. Auf der jüngsten Sitzung des Joint Foreign Coraitee wurde der Bericht des Sekretariats über den Schutz der jüdischen Minderheüsrechte in Ungarn zur Kenntnis genommen. Hienach hat das britische auswärtige Amt dem J. F. C. eine formelle Erklärung geschickt, daß auch die ungarische Regierung die gleichen Verpflichtungen wie Oesterreich, betreffend den Schutz der s p r a ch l i ch e n, religiösen und der Rassenminderheiten in Ungarn eingegangen ist. Ei« interessanter Kollektivvertrag. Der Verband der Wiener Bank- und Kommifsionsfirmen hat mit den Reichsverband der Bank- und Sparkassenbeamten und sonstigen Privatangestellten und dem Reichsbunde der Skontisten einen Köllektivvertrag abgeschlossen, in dessen § 7 (Ruhetage) die bemerkenswerte Bestimmung enthalten ist, daß „für die Angestellten jüdischer Konfession der erste Neujahrstag und der lange Tag als Ruhetage zu gelten haben". Ueberdies bedeutet § 13, daß die zu gewährenden Urlaube nach Wochentagen zu berechnen sind, so daß die im A 7 angeführten Ruhetage nicht in den Urlaub einzurechnen sind. Es dürfte dies der erste Fall der Anerkennung jüdischer Feiertage als Ruhetage für Angestellte sein. Bedauerlicherweise haben sich die Großbanken diesem Kollektivoertrage nicht angeschlossen, sie beharren auf ihrem Separatvertrage, welcher keinen jüdischen Feiertag anerkennt. Allerdings ist es Uebung, den Jom Kippur über besonderes Verlangen frei zu geben — aber die Beamtenschaft hat bisher nicht bewiesen, das sie die Freigabe aus religiösen Gründen in Anspruch nahm — soll es doch vorgekommen sein, daß dieser Tag „ad majorem bei gloriam" zu einer Fahrt nach Mariazell benützt wurde (!). Es ist somit wenig Aussicht vorhanden, bei den Großbanken jüdische Feiertage als Ruhetage durchzusetzen. Bade« bei Wien. Wieder ist unsere Gemeinde mit einer Wohltätigkeitsanstalt reicher geworden, wieder ein Akt edlen Wohltuns und humanen Wirkens unseres löblichen Vorstandes. Wir schauen alle mit Liebe und Hochachtungempor zu all den edlen Männern, die vom wahren, echt jüdischen Wohltätigkeitssinn beseelt, kein Hindernis scheuend, eine streng rituelle Küche eröffneten, wo mittellosen Glaubensgenossen für geringes Geld, das Mittag- und Nachtmahl-verabreicht wird. Es ist ein Vergnügen zu sehen, wie diese Armen und Mittelständler, respektive die vielen minder, bemittelten Kurgäste mit gutem Appetit .die schmackhaften und reichhaltigen Portionen genießen, die ihnen itt ehrenvoller und edelsinniger Weise von den sich dazu widmenden Ehrendameü verabfolgt werden. Ein besonderes Verdienst gebührt hiebei unserem hochgeschätzten. Vizepräses Herrn David Daniel, der mit unermüdlichem Eifer und mit seiner alles durchsetzenden Tatkraft sich für die humanen Ziele unserer Gemeinde verwendet. Ferner den Damen Frau Präses Hedwig Braun, Frau Rosa Engel, Frau Präsidentin Louise Freiwillig und Frau Sidonie Rosenthat. — Am Dienstag, den 29. Juni fand hier die Generalversammlung der Chewra Kadischa statt. Der konservative Zug, der streng orthodoxe Geist, der hier seit kurzer Zeit in unserer Gemeinde vorherrschend ist, machte sich auch bei dieser Versammlung geltend. Fragen, die man in vielen Gemeinden lächerlich als Verdummung erklärend, bei einer Generalversammlung nicht Vorkommen lassen würde, kamen hier zur Tagesordnung. So wurde zum Beispiel unter anderem beschlossen, daß am Friedhose während der Zeremonie und während der verschiedenen Beteiligungen beim Begräbnisse das männliche Geschlecht vom weiblichen streng abgesondert Aufstellung nehme, daß sich bei der Schmuroh (Totenwache) und der Mataher- Sein (rit. Waschung) nur religiös einwandfreie Personen beteiligen dürfen usw. Bei der Neuwahl des Vorstandes, die einen Punkt der Tagesordnung bildete, bekundete sich wieder die streng religiöse Stimmung

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