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Die Wahrheit · 1920-06-23 · Heft 9 (23.6.1920) · page 10

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Journal
Die Wahrheit
Volume
1920
Issue
Heft 9 (23.6.1920)
Date
1920-06-23
Page
– (sequence 10)
Language
German
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HM W ........ , ,,, Die Währhert „ . . Br. 9 Die Stellung -er Augestellten -er Ä^Mpelvereiue. 'Der erste Vizepräsident der israelitischen Kultusgemeinde, Herr Dr. Jakob.Engel, hat folgendes Schreiben an den Direktor Dr. S. Kreuberger gerichtet: Wien, 10. Juni 1920. Sehr gechrter Herr Direktor! In meiner Eigenschaft ÄS elfter Vizepräsident der KultüSgemeinde beehre ich mich. Ihnen nach mit dem Präsidenten Herrn Hofrat Dr. Rappaport gepflogener Rücksprache, folgende mitzuteilen : Wir und die anderen konservättveü Mitzlieder deS Kultusvorstandes werden -alleS tun, ürn 'eine Ausgleichung -der Gemeinderabbiner mit den Rabbinern der Kultusgemeinde herbeizuführen. Die Angelegenheit der Gemeinderabbiner kommt erst vor die paritätische Kommission und wird.dann das DertteteÄollegium passieren. Eine Entscheidung muß selbstverständlich dem künftigen Kultusvorstande vorbehÄten bleiben. Sie können jedoch die eine Versicherung Mtgegennchmen/ daß von ü«S allegeschehen wird, um die Lebensstellung der Gemeinderabbiner günstig zu gestalten. Wir betrachten es ferner direkt als einen unserer Programmpunkte, daß die übrigen Angestellten der Tempelvereine mit ihren Ansprüchen vollauf befriedigt werden, und wird unsere Tätigkeit dahin gerichtet sein, dieses Ziel zunächst durch eine ausgiebige Dotierung der Tempelvereine durch den KultuSvorstand herbeizuführen. Bach den Wahlen wird eS unsere Aufgabe seindie vollkommene Regelung in der Anstellung und.Versorgung der Beamten der Tempel», vereine mit diesen sAbst durchzuführen. Die Tempelvereine bilde» die Kerntruppen der konservativen Judenschaft und ist eS selbstverständlich, das wir alles tzm rvechen Md zu - tun verpflichtet sind, waS zur Verbesserung der Lebenslage der Angestellten erforderlich sein wird. In der Anlage übermittle ich Ihnen einen Auszug auS dem Protokolle der Sitzung des Bertreterckyllegiums vom 3. d. M., aus welchem.Sie ersehen, daß die Durchführung' einer fünfzigprozentigen Erhöhung der derzeitigen Bezüge der TempelvereinSangestellten und zwar von jenem Zeitpunkte an, an welchem die Regelung der Bezüge der Kulturgemeindeangestellten in Kraft treten wird, in Aussicht sticht. Dieser Beschluß des VertreterkollegiumS bedarf der Genehmigung deS Plenums, wMe wir bestimmtest erwirken werden. Ich hoffe, daß diese Plattform genügen wird, um den guten Willen zü beweisen, welchen die konservativen Mitglieder deS KMusvorstandeS den Angestellten der Tempelvereine gegmüber an den Tag legen und begrüße Sie mtt vorzüglicher Hochachtung Dr. Engel. — Auch alle Kandidaten der Tempelvereine auf der ni ch t-jüdischnationÄen Liste sind von dem gleichen Willen beseelt, ihren amttichen Angestellten eine Existenz zu sichern und ihre Stellung gut und sorgenfrei zu gestalten. Darin sind die Vertreter der Tempelvereine einig. •' Bkechor Steluer. Der besten, edelgesinntesten eiuer in seinem Berufe, der Redakteur und Fachschriststeller Victor Steiner, wurde am 18. Juni nach kurzem Leiden seiner ihn hingebungsvoll liebenden' Familie, seinem großen Freundeskreise, einem arbeitsvollen, an Ehren und. Anerkennung reichen Leben, in der Vollkraft des Mannes entriffen. Victor Steiner ging vollkommen in den Pflichten seiner dem Wohle der Familie und der Kollegen gewidmeten Tätigkeit auf. Ein Mensch von hohem ethischen Werte, ein in sich gefestigter Charakter, bescheiden, anspruchslos nur auf daS.große Ziel feines Erdenwallens konzentriert, so war seine Wesensart, die sich nur wenigen vertrauten Freunden erschloß, , aber von diesen um so höher bewertet und bewundert wurde. Eine jener Erscheinungen, die aus' der versinkenden Zeit des rühmlichen Wiener Journalismus stammt, der von seinen Bekennern Wissen und Charakter forderte. Victor Steiner hat, von solchen Eigenschaften beseelt, von jenen alten ehrenhaften Traditionen geleitet, mit einer Schar gleichgesinnter Männer den österreichischen Fachschriststellerverband gegründet und ihm in führender Stellung, zuletzt als sein Vizepräsident, angehört. Was er in dieser Eigenschaft geleistet, bleibt ein Ruhmesblatt in dessen Annalen und in der Geschichte seines unvergeßlichen Gründers. Auch in diesem Wirkungskreise blieb Victor Steiner sich selbstgetreü, voll Arbeitssinn, Initiative und Selbstlosiigkeit. Aber auch weitere Kollegenkreise und alle,, die Gelegenheit hatten, das Schaffen Victor Steiners in allen Auswirkungen zu beobachten, werden ihm ein ehrenvolles Angedenken und Treue übers Grab Hinaus bewahren. Das Leichenbegängnis fand am 18. .d. M. unter Teilnahme.^seiner Familie, sßWjtzLMMex KMnLe, B^Uollrgemmnb uttd der besten Gesellschaftskreise statt, sodaß aus. der Menge der Trauergäste auf die ungewöhnliche Verehrung und Beliebtheit des Hingeschiedenen geschloffen werden konnte. Nach Vollziehung der Trauergesänge durch Oberkantor I. Giblichmann unter Assistenz hielt Rabbiner Dr. S. Funk einen tiefempfundenen Nachruf, in dem er die Vorzüge und Tugenden des Hingeschiedenen in dem von uns bereits angedmtetem Sinne würdigte. Besonders rührend war der Hinweis des ehrwürdigen Redners auf das Moment im Leben Victor Steiners, der keinen Gottesdienst verabsäumte. Um für dar Wahl seines aus dem Kriegsschauplätze gestandenen Sohnes zu beten. Namens der Fachschriftstellerverbandes nahm dessen Alterspräsident C. I. Pappenheim von dem alten Freunde und Kollegen ergreifenden Abschied, der kein Auge tränenleer ließ. Am offenen Grabe schloß die Trauerfeier mit einem el mole rachamim namens des Pazmaniten- Tempelvereines, dessen langjähriges Mitglied der Verewigte war. . Ein Antrag auf Haltung der Savbatruhe. Kürzlich wurde im Gremium der Kaufmannschaft der Kollektivvertrag mit den Angestellten beraten. Dieser enthält die -Bestimmung einer Wochenarbeit von 48 Stündee, die auf 6 Tage zu 8 Stünden verteilt werden sollen. Der wackere, stets für jüdische Interessen mit Mut und Unerschrockenheit austretende Herr Bernhard Hosbauer stellte hiezu folgenden Antrag, der vielfach große Beachtung fand: Da die frommen Juden den Sabbat heiligen und keinerlei Arbeit verrichten, sie aber neben dem Sabbat auch L

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