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Die Wahrheit · 1920-06-23 · Heft 9 (23.6.1920) · page 9

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Journal
Die Wahrheit
Volume
1920
Issue
Heft 9 (23.6.1920)
Date
1920-06-23
Page
– (sequence 9)
Language
German
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flott an Höfen und der Regierungen gewesen, erklärt somit auch die „nationale Heimstätte" all keinen staatlichen und territorialen Gewinn der Juden. Professor Chaim Weizmann, der Vermittler und Vertreter der Zionisten vor dem Rate der Staat-« Männer, den Anhänger den Propheten gleichstrlten, setzt auch der Begeisterung einen Dämpfer auf. Her „Israelitvom 13. Mai bringt nach der „Times" folgende Erklärungen dieses Herrn: „ES find noch wichtige Einzelheiten ungeregelt, j so zum Beispiel die wirklichen Bedingungen des Mandats und die Frage der Grenzen Palästinas. Ich muß ein Mißverständnis aufklären. Palästina ist nicht im Begriff ein rein jüdischer Staat zu werden; es wird für einige Zeit von einer englischen Verwaltung kontrolliert werden, wobei jedoch stetig das Ziel im Auge behalten wird, in der Zukunft daraus ein jüdischnationales Heim zu wachen. Die ersten Aufgaben werden sein, die jüdische Einwanderung zu ermutigen, die dichte Besiedelung des Lande- und die Entwicklung der öffentlichen Arbeit. Wir haben nicht die Hoffnung, gegenwärtig das im arabischen Besitz befindliche Land zu erlangen, noch beabsichtigen wir, deswegen Streitigkeiten zu beginnen. Das Land, das wir haben wollen, gehört zu einer anderen Kategorie; eS sind die Staatsdomänen, die aus wüstem, nicht okkupiertem Lande bestehen. Der Anbau dieser Landstrecken würde für die -nächsten fünf oder sechs Jahre genügend Beschäftigung bieten. Für jede Entwicklung in Palästina ist eS wesentlich, daß die Araber Mitarbeiten. Sie sind intelligent und fähig, aber Jahrhunderte hindurch durch türkische Miß« Wirtschaft in ihrer Entwicklung gehemmt worden und durch politische Agituren demoralisiert. In Palästina ist, abgesehen vyn der Landwirtschaft, Raum alle Industrien zu entwickeln, welche mit der Seidenweberei in Verbindung stehen. Es ist alleeine Frage des Geldes und wir werden einen guten Rückhalt an unseren Glaubensgenossen haben. Wahrend der nächsten fünf bis sechs Monate werden wir im. Ganzen 35—30 Millionen Pfund brauchen. Steht diese Summe zur Verfügung, so ist kein Grund vorhanden, weshalb wir nicht in zehn Jahren eine MilliowJuden ansiedeln könnten. Wir wünschen in Palänina nicht etwa zwei Kasten zu schaffen, eine europäische für den Handel und die andere als bloße Holzhacker und Wasser« schöpfer. Juden und Araber müssen zusammen arbeiten mit gleichen Möglichkeiten. Die Bearbeitung des Oedlande-, wo Bewässerung und Drainage die erste Aufgabe ist, und die Errichtung von 5000 Häuseyr werden vielen Tausenden Arbeit geben. Dann liegt das Werk der Aufforstung und des Wegebaues vor. Bis all die» im Gang ist. wird der Friede wiederkommen. Gin Oberkommiffar kann jeden Tag ernannt werden — und die britische Verwaltung wird ohne Zweifel die Regierungsform festfiellen, bi» die Bevölkerung die Zügel unter dem Schutze England» selber in die Hand nehmen kann. Da» Land kann eine Bevölkerung von sechs Millionen ernähren und da» Werk de- Wiederaufbaues wird wenigften» 100.000 Menschen Beschäftigung geben. Ich sehe der Zukunft nicht' nur mit bester Hoffnung, sonder» auch mit Vertrauen entgegen." Wir sehen also von zwei Seiten, di« wir als Gegensätze in der Auffassung de« politischen Zionismus betrachten können, die Tatsache hervorgehoben, daß Palästina kein jüdischer Staat ist, daß die Schaffnng einejüdifchnationalen Heims in Palästina erst ein. * Zukunstsgedanke, also noch nicht verwirklicht ist. In solchem Sinne sind auch die Worte zu verstehen, die Dr. Sch. Lew in am 13. Mai im Wiener Konzerthaussaale sprach: „Man gibt uns die Freiheit. Wenn wir wollen, werden wir Palästina haben". Aber die große Menge, die kritiklos ist bei der die Gefühle mehr Kraft haben als die ruhig« Ueberlegung, nimmt diese Worte, die auch ander» zu deuten sind, alvielverheißend auf und glaubt an Erlösung und an dey Judenstaat^ Man sagt ihr nicht die klare und deutliche Wahrheit und da» ist zu rügen und zu tadeln. Wir brauchen mutige, redlich« Führer, nicht betörende Redner und übertreibende Wortmacher. Wahrheiten vom Tage I Audem polnischere Sirlt»rst«»t. Folgende Briefstelle wird mehr als spaltenlange Berichte ein treue» Bild der Zustände in der polnischen Republik liefern. „Wer hier unter den jetzigen SicherheilSzuständen lebt, kann keinen vernünftigen Satz zusammmbringen. Sobald die Züge nur nach Oderberg—Wien abgehen, bin ich der erste, der dort frei aufatmen können wird und will ich hoffen, daß ihr alle auch der unschuldig Ver» folgten, die wegen ihrer Religion hier beraubt und gemordet werden und wo Verbrecher von de». Geschworenen befteit werden, auch annehmen werdet. Ihr ergebenster * * Die Richtigkeit und Authen» tizität de» Originalschreiber» ist verbürgt und kann gezeigt werden. ES stammt von einem Ehrenmann und ist an den Herrn Dr. Jakob O r n st e i n, Vizepräsident der „Union", vor kurzem gerichtet. E» ist ein Dokument der Sehnde für den Freistaat Polen und für die Entwicklung der Gesittung. Wir geben das Schreiben wieder, weil es eben lehrt, daß djx Bestien nicht nur im Tierreich leben. Hilfe bringt nur Aufklärung und Selbstwehr.

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