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Die Wahrheit · 1920-06-23 · Heft 9 (23.6.1920) · page 11

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Journal
Die Wahrheit
Volume
1920
Issue
Heft 9 (23.6.1920)
Date
1920-06-23
Page
– (sequence 11)
Language
German
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den Sonntag geschästsloS halten müssen, so haben sie nur 4L Arbeitsstunden in der Woche. Herr Hofbauer wünscht nun im Namen aller gesetzestreuen Juden, daß diese am Sonntag durch 8 Stunden interne Geschäftsarbeit verrichten dürfen. Sie wollen keine Geschäfte offen halten, sie wollen den anderen Geschäftsleuten keine Konkurrenz machen, aber sie wollen als gleichberechtigt^ Staatsbürger und Steuerzahler die gesetzliche Arbeitszeit ausnützen können. — Der sehr kluge Vorschlag verdient realisiert zu werden. Die Zahl der Wähler für de« finita*« Vorstand nach Bezirken. 1. Bezirk 2604, 2. Bezirk (Taborstraße link-) 1498, (Taborstraße recht-) 2074, 3. und 11. Bezirk 1564, 4., 5. und 10. Bezirk 1394, 6. und 7. Bezirk 2148, 6. und 9. Bezirk 3060, 12. bis 15. Bezirk 1156, 16. und 17. Bezirk 578, 18. und 19. Bezirk 1462, 20. Bezirk 384, 21. Bezirk 304, Zusammen 18126. Nachträge und Reklamationen sind nicht berücksichtigt. —- § 5 der neuen Wahlordnung besagt: „Das aktive Wahlrecht haben alle Kultussteuerträger der israelitischen Kultusgemeinde Wien ohne Unterschied der Geschlechtes, sofern sie das für die Erlangung der Eigenberechtigung vorgeschriebene Lebensalter erreicht haben, welche 1. am Tage der Ausschreibung der Wahl die österreichische Staatsbürgerschaft besitzen, 2. die ihnen für das Jahr der Wahl oder das vorangegangene Kalenderjahr statutengemäß vorgeschriebene Kultussteuer bis zum Abläufe der Reklamationsfrist entrichtet haben. Wahlberechtigt sind ferner auch jene daS österreichische StaatSbürgerrecht nicht besitzenden Kultussteuerträger, welche bereits für die im Jahre 1212 stattgehabte Wahl in dm Kultusvorstand wahlberechtigt warm und der im Punkte 2 geforderten Voraussetzung entsprochen haben^ Die Eigenberechtigung besitzen alle Kultussteuerträger ohne Unterschied des Geschlechtvom 21. Lebensjahre an. Die Kandidatenliste ist eine gebundene Liste. Es darf daraus kein Name gestrichen werden, weil sonst der abgegebene Stimmzettel ungültig ist. Unsere Kandidatenliste hat den Namen: Lifte des Universitäts- Professors Dr. AloiS Pick. Ganzer ftta«8. Dieser seit 64 Jahren bestehende BethauSverein, wo hervorragende Talmudisten ihre religiöse Andacht verrichteten, war infolge wiederholter Kündigung gezwungen, seine BethauSstätte zu wechseln, und vor'kurzem sogar in Gefahr der Obdachlosigkeit. Dadurch war eine altehrwürdige Betstätte verschwunden, ihre EmrichtungSgegmstände, Sifreh Thoras und heilig gehaltene Bücher waren nach allen Windrichtungen zerstreut. Der Vorstand des Vereines setzte in solcher Lage seine ganze Hoffnung auf Herrn S. Komet, der für die Juden m Wien schon verschiedene humane Institutionen und ein BethauS gegründet hat und diesbezüglich einen besonderen Ruf genießt. Mit tiefstem Danke sei erwähnt, daß Herr Komet alle Erwartungen gerechtfertigt hat. Trotz der bekannten Schwierigkeiten der WohnungSverhältniffe ist eS ihm mit Aufwand aller Energie gelungen, Räümlichkeitm im eigenen Haufe, Floßgaffe 9, freiznmachen, diese sogar noch zu erweitern und so dem Verein, der knapp vor Ser Auflösung stand, in geeignete Lokalitäten unterzudringen. Noch rühmlicher ist aber die Art und Weise der llrbergabe deS neuen Lokals. Am den Bestand de- Vereines für künftighin zu fchützm und zu sichern, vermachte Her Komet diese Räumlichketten testamentarisch und grundbürgerlich dem Vereine. Auch erließ er dem BethauSverein für immerwährende Zeitm die Mietbezahlung mtt der Bestimmung, alljährlich aus dm Einkünften und Spenden eine jüdische Tochter zu verheiratm, auS^dem Vereinsvermögen die Auslagen deg Hochzeit-festes zu bestreiten und brüderlich an demselben teilzunehmen. Der Verein, hocherfreut über diese Bestimmungen, hat einstimmig dm Beschluß gefaßt, alles aufs-strengste und genaueste im Sinne des Wohltäters einzuhatten und beschloß, nach Ableben de- Herrn Komet, diesealljährliche Hochzettssest an seinem Jahrestage zu feiern. Bei den Mitgliedern de- DereineS und auch den auswärtigen Juden hat diese Neueinrichtung de- Bethau-vereine- »Ganzer KlauS" ein großes Jntereffe gesunden und die Dankbarkeit für Herrn Komet festgewurzelt. Jessode Hathora, Schnlverein der AdaS J-roel. Wie« bringt zur Kenntnis, daß der ganztägige Kurs der „Jeffode-Hathora", in welchem Kuabm in Thora, Newiim, Gemoroh und Meforfchin unterrichtet werdm, um selbe für den Besuch einer Jeschiwoh vorzubereiten, am 15. Siwan (1. Juni) wieder eröffnet ward. Eltern, die den ganztägigen Unterricht ihrer Kinder in dieser Thoiroh-Hakdeuscho wünschen, wollen diese ab 8. Siwan (25. Mai) im Schulgebäude 2. Malzgaffe 16, Zimmer 14, beim Schulletter der »Jeffode-Hathora" täglich von 2—7 Uhr nachmittags anmelden. Prater BethasSvereta ^kefilath Je schar««". Die fünfte ordentliche Generalversammlung fand am 20. Juni statt. Dem interessante» Jahresberichte des Vorstandes ist im Wesentlichen zn entnehmen: Der Bericht erwähnt die bedeutungsvollen wirtschaftlichen Ereignisse, die nicht ohne Wirkung qus den Stand der Vereinsmittel geblieben, und schließt mit der günstigen Erklärung: Wir könne» mtt Befticdigung aus die von uns erzielten Erfolge zurückblicksn. Leider haben wir auch diesmal dar Ableben von 7. Vereinsmitgliedern zu beklagen. Es verschieden die Herren Wilhelm Braun, David Schrossl, Mor. Nichtenhauser, Bjd. Mencz-r, Carl Dozsa, Rochmes Mefchulin und Hugo Stark. Der Verlust und Schmerz der Hinterbliebene» Familien, deren Ernährer im besten Mannesatter vom Tode ereilt wurden, ist sicherlich ein großer. Der Vorstand hat durch Teilnahme von Delegierten sich der pietätvollen Aufgabe der Leichenbeglettung unterzogen und wird den Dahingeschiedenen ein ehrendes Gedenken bewahren. Gegenüber den vorerwähnten Traurrfällen haben wir als freudigen Anlaß eine erhebende Feier veranstaltet, welche in Würdigung der'Verdienste, die Herr Bernhard Mayer während seiner dreijährige» Tätigkeit als Obmann sich um die Hebung unsere- Vereineerworben hat, bei Ueberreichung de- Ehrendiploms daselbst zum Ausdrucke kam. Im November 1019 beging unser VereinSkaffier Herr Josef Goldberger die

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