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Die Wahrheit · 1920-06-23 · Heft 9 (23.6.1920) · page 8

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Journal
Die Wahrheit
Volume
1920
Issue
Heft 9 (23.6.1920)
Date
1920-06-23
Page
– (sequence 8)
Language
German
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Leite S %\t Wahrheit Nr. 9 Ich leite-ieraü-folgende Schlußfolgerungen ab : Für den jüdischen Staatsbeamten kann da- Judentum nur rEgiöfe und sittliche Bedeutung haben» Für ihn mH Deutschösterreich sein alleinige- Vaterland sein, t»em er mit allen Fasern seine-Herzenangehürt, mit dem er church Geburt, «Ziehung und Sprache verknüpft ist, dessen Bewohner er alle mit gleicher Liebe umfaßt, dessen Gedeihen auch sein Lebeu-ziel ist. Und in der Tat, soweit ich die Stimmung der jüdischen Staatsbediensteten kenne, ist dieder Ausdruck der erdrückenden Mehrheit, wenn auch mitunter ein kleine- Häuflein ander- Denkender durch umso lautere- Auftreten bei Fernestehenden falsche Vorstellungen hervorbringen kann. Die Oalästina-Lrage. Wir verzeichnen auletzter Zeit zwei gewichtige Stimmen, die wieder zeigen, daß der Vertrag von San Remo nur England Gewinn brachte und den Juden nur die englische Herrschaft statt der türkischen. Beide Stimmen sind eine Bestättgung der Mitteilungen Zangwilü. Die^MeueFxeje Wesse" brachte am Donnerstag, den Juni, ünen Artikel von Dr. Paul Nathan au-Berlin unter dem Titel: „England und Palästina", worin folgende markante Stellen Vorkommen: Die englische Regierung wird einer Einwanderung »ach Palästina Schwierigkeiten nicht in den Weg legen. Die SchwierPkeiten liegen in der- Aufnahmefähigkeit diese- Atmen arme« Lande-, dessen Bewohner im Wterhlm, UM leben zu können, biauf die Spitzen tot .Berge Terassenbauten aufführten, auf denen die fMfrüchte dejüdischen Ackerbauvolkes reisten. In diesem Lande, ohne erhebliche wirtschaftliche Möglich, ketten, mag die Zahl der Bewohner, in gewissem Umfange unter Anwendung moderner Wirtschaft-. Methoden gesteigert werden. Daß ein erheblicher Teil der Jude» der Welt hier ein Unterkommen finden könnten, behaupten auch die Zionisten nicht. Die in Palästina ansässigen und die nach Palästina einwandernden Juden wird die englische Legierung zweifellos gerecht behandeln und ihnen jene Frechtztten gewähren. Über die herkömmlicherweise die KotzuWw Äaglandr verfügen, welcher Religion und welcher Rasse sie auch aflgehören. Daß eine englische Regierung Über diese Linie des Verhaltens wesentlich hiflau-gehen soüte, ersAeint mir sehr unwahrscheinlich. Jede- Üeherschreiten dieser Linie muß zu Konflikten^ mtt den Mohammedanern und mit den christlichen Ey^era führen, bei denen eine ganz ausgesprochene s Antipathie gegen die Juden vorhanden ist. Diese Antipathie, die einen religiösen Charakter zu tragen scheint, ist in tiefstem Grunde vor allem eine wirt. schaftliche. Die Syrer, in-besondere jene Syrer, die in dm Vereinigten Staaten sich kaufmännisch betätigt haben und die alwohlhabende Leute zurückwanderten, sehen in den Juden für die landwirtschaftliche und kaufmännische Betätigung unbequeme Konkurrenten, die man religiös verfolgt und unter dem Beifall ' arabischer Kreise anschwärzt, weil man ihre Konkurrenz auf kaufmännischem Gebiete unangenehm empfindet. Alle diese Gegensätze, die man im Orient gewohnheitsmäßig mtt dem Knüttel, mit dem Dolch, mit der Pistole und mit der Flinte auszugleichen sucht, muß England auS weltpolitischen Rücksichten bändigen und. unterdrücken. ' Diese englische Politik wird den zionistischen Juden Spielraum genug gewähren, um in Palästina wie bisher an der Klagemauer beten zu können, um in Palästina den Acker zu bebauen und Waren ein. und auszuführen; jüdische Siedlungen werden zweifellos auch Selbstverwaltung erhalten, wie denn nach diesen Grundsätzen die Engländer überall in der Welt verfahren. Alis solcher Unterlage kann auch eine neue hebräische Geiste-kultur sich allmählich entwickeln. Damit ergibt sich eine Summe von Möglichkeiten für das Judentums die nicht gering zu veranschlagen find. Daß aber Über den von mir lose gezeichneten Umriß hinan- England reale politische Zugeständnisse, Sou» veränität-rechte, und wenn auch nur in gewissem Umfange, den Juden gewähren wird, erscheint mir gänzlich unwahrscheinlich. Christen, Juden, Mohammedaner wird die Pax britannica in Palästina zu friedlichem Nebeneinander, leben zwingen. Sie alle werden ein weite- Au-maß von persönlicher Freiheit entsprechend englischer Gewohnheit genießen. Solche Möglichkeiten werden im wesentlichen auch den Juden genügen müssen, und sie können ihnen genügen, wenn sie die Lage zu benützen^ verstehen. Palästina, daS Land ewiger, auch blutiger religiöser Reibungen, mag dann vielleicht einmal das Land friedlicher Versöhnung werden, zwar heute und morgen bedarf Palästina der starken Hand einer staatSmännisch geleiteten europäischen Großmacht. Daß die Zionisten die Lage nicht zu benutzen verstanden und verstehen, macht ihnen Zangwill mit Recht -um Vorwand. Wozu die laute Immigration? Warum wird nicht langsam und ohne Lärm das Land bevölkert? Dr. Paul Nathan, der führende deutsche Jude, der für die Interessen der Juden gleich Moses Motzte-

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