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Die Wahrheit · 1920-06-23 · Heft 9 (23.6.1920) · page 5

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Journal
Die Wahrheit
Volume
1920
Issue
Heft 9 (23.6.1920)
Date
1920-06-23
Page
– (sequence 5)
Language
German
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Seite * sssr. g Die Wahrheit recht? Wird der eine den jüdischen Kataster, die jüdische Verwaltung, die jüdische Schule wollen, so wird der andere sie ablehnen und die volle, ungeschmälerte Gleichberechtigung in Anspruch nehmen. Zwiespalt wird unter den Jude»' entstehen, ewiger Kamps unter ihnen. Wa» die Vorbereitung zu den nahen KultuSwahlen zeigt, wird andauernd gemacht. Das aller ist unklares, unüberlegtes Reden. Nur die Volksvertretung will Herr Stricker nicht abschaffen, aber er will darin Vertreter des jüdischen Volkes sitzen sehen. Auch hier sagt er in seiner schon bekannten Klarheit nicht, wie dieser Vertreter deS jüdischen Volkebeschaffen sein soll, wie er gewählt wird und wo er das jüdische Volk vertreten soll. In Wien oder London, in Moskau oder Teheran? Sr hat freilich schon gewählt, denn er hält sich als Gewählter von 7000 Stimmen im zweiten Wiener Gemeindebezirk als Vertreter dejüdischen Volkes von 14 MMonen. DaS ist kein Spaß, das können oder konnten die Leser-der Tagesblätter lesen. Herr Stricker ist nicht bescheiden. Er mutet sich unsagbar viel zu. Wer eine solche Broschüre schreibt wie die eingangs erwähnte, zeigt weder Wissen noch politische Klarheit, noch Klugheit. Herr Stricker kann nur schimpfen, schmähen und die volle Jauche von Schimpfworten-auf. alles und jedes ausgießen/ mag es hoch oder niedrig sein. Schon das ist ein trauriges Zeichen. Sind Fehler da, so zeigt man auf sie und erklärt sie. Speziell der führende Politiker soll ein Aufklärer und Versöhner sein. Es ist unsagbar traurig, daß wir solche Gegner im Judentum haben. Der Kernpunkt der antisemitischen Frage ist der Umstand, daß wir eine Minorität sind. Sind wir eS nur nach konfeffioneller Richtung, so fällt jeder Vorwand, uns in wirtschaftlicher und politischer Richtung zu bekämpfen, weg. Es ist darum nicht hart genug zu tadeln, nicht hart genug zu bekämpfen, zu geißeln und als Schaden zu erklären, daß Tag für Tag von den Jüdischnationalen verkündet wird: Wir sind eine völkische Minorität. Ist danicht die Lehre von Chamberlain, die Politik der Wiener Christlichsozialen? Weil wir aus Gründen unserer Geschichte, aus Gründen unserer Existenz nur sagen können und dürfen, daß wir eine konfessionelle Minorität sind, weil wir über als solche ein hohes Menschheitsideal erfüllen und damit reinigend und erziehend auf alle Menschheit einwirken sollen, nennen wir uns Nichtjüdischnationale. ' Dir. Dr. S. Krenberger. Die Offenbarung am Sinai. Sine ethisch.ssziale Schebuoth-Betrachtung von St. ft läge», Mährisch-Ostrau. (Schluß.) Diese drei Fragen lassen sich jedoch leicht erklären. acl 1.) Die Frage, war es notwendig dieses Gebot zu erlassen, muß insbesonderS mit Rücksicht auf die modernen Zeit mit einem entschiedenen Ja beantwortet werden. Von einem Großteil der modernm Jugend werden die wohlweislichen, von Erfahrung und von der Liebe zu den Kindern diktierten Lehren und Ermahnungen der Eltern als rückständig zurückgewiesen und achselzuckend in den Wind geschlagm. ES werden die bekannten Franz Moor'schen Phrasen immer wieder aufgewärmt: Warum sollen wir unsere Eltern ehren, wofür ihnen dankbar sein, etwa deshalb, weil sie unser Dasein verursacht haben? Ja, haben sie uns denn befragt, ob unS dies erwünscht sei? Haben Sie überhaupt an uns gedacht, .zur Zeit als sie uns ins Leben riesen, und nicht vielmehr ihre eigenen Wünsche befriedigen wollen? Die modern« Jugend denkt nicht daran, wie es schon in der Bibel (1. B. M. Kap. 1/88) heißt: „Gott segnet sie (daS erste Menschenpaar) und sprach zu ihnen: Seid fruchtbar-und vermehret Euch,'Met die Erde und bezwingt sie", daß der Trieb zur Fortpflanzung ein vom lieben Gott zum Segen der Menschheit bestimmtes Naturgesetz sei, dem auch sie sich nicht zu entziehen vermögen, und daß eS auch ihnen trotz ihrer akademischen Weisheit und erfindungsreichen Phantasie kaum möglich sein dürfte, ihre eventuelle Nachkommen im Vorhinein zn befragen, ob es ihnen genehm sei, inS Dasein gerufen zu werden. Das Zehngebot ermahnt unS daher: „Kabed eS owicho". Sollen nicht unsere Familienbande zerissen und daS Glück der gesamten Menschheit vernichtet werden, so mußt Du Vater und Mutter ehren und Dich ihnen dankbar erweisen. sä 2.) Warum heißt es: Damit eS Dir wohlergehe usw. Die Erfahrung lehrt unS, daß diejenigen, welche aus Mangel an Erkenntnis und jugendlichem Uebermut, ihren Eltern bei deren Lebzeiten die gebührende Wertschätzung und Achtung versagen, dies oft nach deren Ableben bitter bereuen und erst jetzt, leider aber zu spät einsehen, daß fie in ihren Eltern ihre besten und wahrsten Freunde verloren und nun alles daran setzen möchten, ihre Fehler wieder gutmachen zu können. Ferner. Immer häufen sich die Klagen; „Acht Wir wiffen mit unseren Kindern nichts mehr änzusängen.. Sie wollen sich von uns nichts sagen lassen.

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