Mannheim
Compact Memory

Die Wahrheit · 1920-06-09 · Heft 8 (9.6.1920) · page 11

Scan of the page
Image: UB Frankfurt, Visual Library (IIIF)
Journal
Die Wahrheit
Volume
1920
Issue
Heft 8 (9.6.1920)
Date
1920-06-09
Page
– (sequence 11)
Language
German
Belongs to
journal issue
OCR quality
95% known words query
IRI
…/3062972-3063928-3063935--10888-3078261
Visual Library
page viewer of the UB Frankfurt

Mentioned entities

OCR text

1 entity mentions

Nr. 6 Die Wahrheit Seite 11 macht. Zu diesem nicht weniger als rühmlosen Kapitel meldet die letzterschienene jüdische Korrespondenz: Es würde zu weit führen, wollte die Orthodoxie all die Unrichtigkeiten dementieren, mit welchen der Kampf gegen sie geführt wird. Bloß auf einige Momente wollen wir hier reagieren. In einer zionistischen Versammlung wurde unter anderem behauptet, Herr B. Hofbauer, Präsident des Vereines zur Wahrung des orthodoxen Judentums, hätte erklärt, „San Remo sei eine Erfindung des Abgeordneten Stricker". Dies entspricht aber nicht den Tatsachen. Herr Hofbauer hat bloß gesagt, die Tragweite der Beschlüsse zu San Remo ist nicht so groß, wie die Zionisten behaupten. Einem anderen Führer der Orthodoxie wurden die Worte zugeschrieben: „Die Zionisten werden aus der Mikwah ein Volksbad machen." Auch das ist unrichtig. Der Betreffende hat aber bloß auf eine Erklärung von zionistischer Seite, daß die Zionisten die religiösen Interessen wahren werden, reagiert: „Die Zionisten haben mehr Interesse für das Volksbad als für die Mikwah". Aehnlich verhält es sich auch mit dm anderen Aeußerungen, die der Orthodoxie in den Mund gelegt werden. Ein Riesen Kultnsbndget Die Zeremoniensektion der Pester israelitischen Religionsgemeinde nahm in ihrer jüngsten unter dem Vorsitze des Präses- Stellvertreters Dr. Alexander Lederer stattgehabten Sitzung das Kultusbudget der Gemeinde an. Der Bedarf beträgt die Riesensumme von 1,355.931 K. Totschlag in einer zionistische« Versammlung. Vor einigen Tagen sprach in Krakau der bekannte Führer Dr. S. L e w i n in einer Zionistenversammlung, wobei es, wie gewöhlich bei solchen Anlässen, stürmisch zuging. Zwischen zwei Versammlungsteilnehmern, Korngold und dem als gefährlichen Rowdy (Plattenbruder) bekannten Glasmann kam es zu einem Streit, in dessen Verlauf Glasmann ein Messer zog und den Gegner niederstach, der sofort tot auf dem Platze blieb. Wenn dieser traurige, beschämende Vorfall auch keines Kommentars bedarf, so drängt sich doch die Frage auf, warum einem notorischen Raufbold der Zutritt in eine Versammlung gestattet wurde, die natürlich zu Konflikten Stoff gab. Bon der Pester Chewra-Kadischa. Die Pester Chewra-Kadischa hielt am 16. Mai ihre konstituierende Generalversammlung ab. Der Vorsitzende Gustav Ehrlich verwies in seiner Eröffnungsansprache auf die großen materiellen Schäden, die der Kommunismus der Chewra-Kadischa verursacht hat, aus die so notwendige intensivere Ausgestaltung eines innigeren Zusammenhanges dieser Institution mit der Religionsgemeinde, zu deren außerordentlichen Ausgaben auch die Chewra in größerem Maße beitragen müsse, als dies bisher der Fall gewesen. Bei den hierauf folgenden Wahlen wurden abermals Hofrat Julius Winterberg zum Präsidenten, Julius Adler zum Vizepräsidenten gewählt. Die Generalversammlung drüiÄe schließlich dem verdienstvollen Sekretär Dr. Simon Erd ei protokollarischen Dank aus. DaS Sanieruug-kornitee. Das unter diesem Titel bereits populär gewordene Aktionskomitee zur Erhaltung des Rothschildspitales, unseres Versor- , gungshauses, des jüdischen Taubstummen- und BlindeninstituteS konnte in einer seiner letzten Sitzungen in einem Rechenschaftsbericht feststellen, daß es seit dem 1. Jänner d. I. bis zum 1. Mai dem Versorgungshaus allein an baren Geld und Naturalien den Betrag von 668.547 Kronen zugeführt hat. Seit dem Einsetzen seiner Tätigkeit wurden 76 Pfleglinge in der An st alt ausgenommen, die sonst ausgesperrt geblieben wären. Wir heben gerade diese Taten hervor, nicht um die verdienstliche Tätigkeit des Komitees herauszustreichen, sondern um unsere Leser daraus hinzuweisen, welche Beträge auszubringen sind, um der gestellten Aufgabe gerecht zu werden. Das Versorgungshaus allein fordert nach dem Voranschlag für 1920 2'/, Millionen Kronen. Wie soll man diese Summe, wie die Deckung der Bedürfnisse der anderen drei Anstalten aufbringen, wenn nicht alle, aber auch alle Juden Wiens dem Komitee Mitarbeit leisten?! Ungarisch - jüdische Kultnrbestrebungen. In der jüngsten Sitzung der Kultursektion der Pester israelitischen Religionsgemeinde konnte der Vorsteher- Stellvertreter Dr. Ludwig Szabolesi mitteilen, daß die Sektion zur Unterstützung zahlreicher jüdischer Hochschüler, die ihre Studien wegen der an den Budapester Hochschulen herrschenden Zustände im Auslande fortsetzen müßten, 90.000 Kronen verausgabt habe. Die Religionsgemeinde beabsichtigt, im Lause des Herbstes in ihrem Gebände die erste öffentliche jüdische Bibliothek Ungarns zu eröffnen. — Der Verband der jüdischen Hochschüler hielt dieser Tage seine erste Jahres-Generalversammlung ab. Die Bilanz wesst Einnahmen von 804.190-07 K. aus, darunter an Subventionen der Pester Religionsgemeinde, des jüdischen KulturheimeS, des Landesverbandes ungarischer Juden, deS jüdischen Allgemeinen Hilfsausschusses und der Pester Chewra Kadischa insgesamt 12,137.000 K., an Spenden 586.000 K. Von den Ausgaben entfielen 383.903.93 K. auf die Mensa, 107.539 K. an verschiedene Unterstützungen, 88.666.40K. an den Kultussond. Stricker, Knnschak & Comp. Wie trefflich der Artikelschreiber in der vorigen Nummer die Sachlage zu beurteilen wußte und wie sehr ihm leider die bald darauf folgenden Tatsachen recht gegeben haben, beweist die jüngst abgehaltene große Antisemitenversammlung im Wiener Rathaus, bei der sich alles zusammenfand, was in Haß und Verfolgung gegen die Ostjuden sich einigte. Bei diesem Anlässe gab der Antisemitenführer Kunschak wieder einmal fein altes Programm zum besten, das wir im nachstehenden veröffentlichen: „Wenn ich ein Raubtier nicht aus dem Land bringen kann, dann sperre ich es in den Käfig ein. (Stürmischer Beifall). Es würde sicherlich gegen alle Vernunft fein, daß man auf die Bevölkerung einfach nur die Wucherer, Schleichhändler und Schieber losläßt und die Bevölkerung hilflos überantwortet den Praktiken von Leuten, die

Text as recognised by OCR (ABBYY FineReader), without corrections. Entity mentions: TagMe (2021); their positions were matched to this text again.