Die Wahrheit
- Journal
- Die Wahrheit
- Volume
- 1920
- Issue
- Heft 8 (9.6.1920)
- Date
- 1920-06-09
- Page
- – (sequence 7)
- Language
- German
- Belongs to
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Nr. 8 Die Wahrheit Seite 7 und aus der geringen Zahl der Anwesenden auf die Schwäche der Partei Schlüsse ziehen, daß sie bei eigenen Versammlungsberichten in phantasiereichen Zahlenübertreibungen schwelgen, aber geflissentlich verschweigen, daß oft kaum ein Drittel der Gekommenen wahlberechtigte Mitglieder, alle anderen kommandierter Troß sind, der unter dem Zwang der Disziplin herbeiläuft — alle diese Manöver und Tricks, aus der Wahltaktik der Altliberalen und Antisemiten übernommen, finden wir begreiflich und verzeihlich bei Leuten, die im Gebrauch ihrer Mittel nicht spröde sind. Unbegreiflich aber ist die Kampfmethode des rätselhaften Advokaten, der an die Intelligenz der Leser der „Morgen-Zeitung" beleidigende Zumutungen stellt, wenn er sich selbst schon den Anschein gibt, das nicht lesen zu können, was jeder Besucher der unteren Volksschulklassen lesen kann. Mit solch chodenlos albernen Behelfen, wie sie hier aufgezeigt wurden, wird kein ernst zu nehmender Wahlkampf eingeleitet oder erfolgreich geführt. Uns kann es nur hoch willkommen sein, wenn sich die Herren solcherart bis auf die Knochen blamieren und in den eigenen Reihen denkende Anhänger zur Fahnenflucht treiben. Wenn nach dem Ausspruch eines bedeutenden Kopfes das Lächerliche tötet, dann hat der Advokat, der „Morgen-Zeitung" die jüdischnationale Idee kompromittiert, noch bevor sie zum entscheidenden Feldgeschrei am Wahltage erschallen wird. Wir haben bereits wiederholt hingewiesen, daß, wenn schon nicht alle Wähler der gleichen Parole folgen, ihr Wahlkampf zivilisierte Formen anzunehmen habe und ein beschämendes Schauspiel für die übrige Bevölkerung erspart bleibe. Terror nnd andere Ausschreitungen könnten in diesen schweren Zeiten der gesamten Judenschäft nur unabsehbaren Schaden zufügen. Zur Not der Wiener Aantoren. Vom Oberkantor Jakob Bauer, Ehrenpräsident des Oesterr- Kantorenvereines. Vor uns liegt die jüngste Nummer der „Wahrheit", in welcher die verzweifelte Lage, die drückende Not der Wiener Kantoren, derjenigen Männer, die an geweihter Stätte ihre ganze Kraft der Hebung und Verherrlichung des Gottesdienstes leihen, nicht im entferntesten nach der vollen nnd schrecklichen Höhe geschildert wird. Bereits vor mehreren Jahren haben die Kantoren (Chasanim) durch Entbehrungen empfindlich gelitten, namentlich waren es und sind es Kantoren der „Tempelvereine", welche stiefmütterlich, ja kleinlich behandelt werden — hauptsächlich weil die Gehälter, Hochzeits-, sowie sonstige Taxen. schon vor dem Kriege erbärmlich dotiert waren. Allerdings bemühen sich die verehrten Vorstände, die sehr traurigen Verhältnisse der Funktionäre zu mildern — es ist jedoch bisnun nicht gelungen, trotz der löblichen Versuche und mancherlei vorübergehender Aushilfen die bestehende Not infolge der ganz enormen Preise aller Lebensmittel zu beseitigen. Ganz übersehen wird, daß der „Schiiach-Zibbur"-Kantor standesgemäß gekleidet, auch würdig auftreten und repräsentieren soll, deün er darf auf keinen Fall in seinem Aeußern einen armseligen, dürftigen Eindruck machen, was nicht nur chm selbst, sondern dem betreffenden Vorstande zur Unehre gereichen und die weihevolle Stimmung der Andächtigen herabmindern würde. Hier wird bloß vom Kantor selbst gesprochen; daß er meist auch noch für seine Famllie zu sorgen hat, blieb ganz unerwähnt und läßt seine Hilfsbedürftigkeit umso dringender erscheinen. Die Oeffentlichkeit sieht die Kantoren nahe der Verzweiflung und fragt ganz entschieden, ob denn nicht endlich gründlich Wandel geschaffen werde. Die Kantoren ziehen es vor, nicht gleich anderen Kultusfunktionären ihren Existenzkampf durch außerordentliche Entschlüsse vor der Oeffentlichkeit zu demonstrieren, sondern legen ihr Schicksal getrost und vertrauensvoll in die Hände berufener und verantwortungsvoller Kreise, ausharrend, daß bessere Tage für sie kommen, und erwarten, daß die große Oeffentlichteit, welche sich am Gottesdienste erbaue, sicherlich nicht zugeben werde, daß die Träger desselben auch ferner am Hungertuche nagen sollen. Es ist eine große Verantwortung, die von den Vorständen übernommen wird. — Ihr seid doch alle, Vorsteher und Mitglieder, Jüdischnationale und Nichtjüdischnationale, „Bene Rachamonim", so beweist es denn auch und erbarmt euch der Erbarmungswürdigsten in eurer Mitte, der Wiener Kantoren. * * * Nachwort der Redaktion: Die Vorstände der organisierten Tempelvereine haben, wie wir wissen, neuerlich Schritte unternommen, daß die Bezüge aller ihrer Angestellten erhöht werden können. Es hat nur noch das Plenum des Kultusvorstandes die Vereinbarung zu ratifizieren. Die Redaktion. Die Offenbarung am Sinai. Eine ethisch-soziale Schebuoth-Betrachtung von K. K l i n g e r, Mährisch-Ostrau. Eine schauerlich herrliche, grausig prächtige Naturerscheinung. Andauernd, immer stärker und heftiger rollen die Donner, zucken die Blitze. Das Firmament von schweren, undurchdringlichen schwarzen Wolken und t