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Die Wahrheit · 1920-06-09 · Heft 8 (9.6.1920) · page 6

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Journal
Die Wahrheit
Volume
1920
Issue
Heft 8 (9.6.1920)
Date
1920-06-09
Page
– (sequence 6)
Language
German
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Seite 6 Die Wahrheit Nr. 8 84. Dr. Emll R i e s e n f e l d, Oberstaatsbahnrat- 3. Bechardgasse 85. SK. Anton Stein, Fabriksdirektor, 7. Neubaugasse 44. 26. Joses Nossig, Anstreichermeister, 18. Staudg. 60. 27. Adolf Reiß, Fabrikant, 10. Davidgasse 89. 28. Dr. Adolf Kapralik, Privatier, 4. Frankenberggasse 14. 28. Hermann Weinberger, Kaufmann, 4. Reindorfgasse 43. 8V. Hugo Popper, Kaufmann, 2. Novaragasse 42. 31. Ludwig Herzfeld, Kaufmann, 1. Bauernmarkt 10. 32. Alfred Schwarz, Beamter der Länderbank, 3. Mathäusgaffe 5. 33. Dr. Berthold Kardegg, Rechtsanwalt, 7. Mariahilferstraße 48. 34. Dr. JuliuS Flefch, Arzt, 2. Untere Augartenstraße 13. 3K. Sigmund Planer, Kaufmann, 2. Franzensbrückenstraße 13. 36. Dr.Leopold Künigstein, Universitätsprosessor, 1. Georg Kochplatz 3. von Einem, der nicht lesen kann. Seliger Rabbi Akiba verhülle dein unsterbliches Haupt, denn sollte nach deinem weltbekannten Wort alleschon dagewesen fein, daß ein Wiener Advokat nicht lesen kann, war doch noch nicht da. Diesen Wundermann bietet die „Morgenzeitung" vom 28. v. M. ihren Lesern mit folgendem Brief: Sehr geehrter Herr Redakteur Bor einigen Tagen erhielt ich von einem nichtjüdischnationalen Komitee einen Ausruf, in welchem ich auf die jetzigen Kultuswahlen aufmerksam gemacht werde. Ich staune, daß ein nichtjüdisches Komitee sich für jüdische Angelegenheiten intereffiert. Meines Wissens sist dies seit Jahrtausenden der erste Fall, daß Nichtjuden auf die internen Verhältnisse der Juden Einfluß nehmen wollen. Da ich dem politischen Leben fernstehe, bitte ich Sie um Aufilärung, welcher Nationalität und Rasse diese judensreundlichen Nichtjuden angehören, da meines Wissens weder die Christlichsozialen noch die Sozialdemokraten den Juden hold sind, mir aber, sonst keine vichtjüdische Partei in Wien bekannt ist. Ich wäre Ihnen für Ihre gefällige Aufklärung in der nächsten Nummer Ihres geschätzten Blattes sehr dankbar. Zu vorstehenden Zeilen gibt die „Morgen-Zeitung" den Kommentar, daß der Briefschreiber, „ein geschätzter Advokat", nicht auf den Gedanken verfallen konnte, ein als nichtjüdischnational zeichnendes Komitee könne aus Juden zusammengesetzt sein. Dem Stumpfsinn die Krone aufzusetzen, läßt das Blatt seinem geschätzten Advokaten den Trugschluß machen: da weder die Christlichsozialen noch die Sozialdemokraten den Juden hold sind und ihm sonst keine nichtjüdische Partei in Wien bekannt ist, bittet er um Aufklärung, welcher Nationalität und Rasse diese judenfreundlichen Nichtjuden angehören. Der geschätzte Advokat und sein freundlicher Mentor in der „Morgenzeitung" mögen erlauben, daß wir zur Kennzeichnung ihrer Logik an eine bekannte Anekdote erinnern: Ein Student ist während der Ferien bei seinem Vater in Stanislau. Aus des Letzteren Frage, was der Junge eigentlich in Wien lerne, gibt er zur Antwort, er studiere Philosophie, und da dieses Wort dem Alten unverständlich ist, erläutert er: Mit der Philosophie kann ich dir alles beweisen, zum Beispiel, daß du jetzt in Kolomea bist. Nun fragt der wißbegierige Vater und der Student „klärt": Bist du jetzt in Lemberg? nein! Bist du jetzt in Brody? nein; bist du in Sanok? Kalusz? Boryslaw? nein. Wenn du also nicht in Lemberg, Brody, Sanok, Kalusz, Boryslaw bist, so bist du in Kolomea. Da erhebt der Vater nach längerer Versunkenheit die Hand und versetzt dem Sohn eine Ohrfeige. „Vater, warum schlägst du?" Kurz resolviert antwortete dieser: „Wie kann ich dich schlagen, da ich in Kolomea bin und du in Stanislau!" Der Alte war eben ein schlagfertigerer Philosoph als sein studierender Sohn. Aus dieser heiteren Geschichte entnimmt man, wohin die Rabulistik führt. Der geschätzte Advokat möchte in der Weise seines Stanislauer Landsmannes erklären, nachdem Christlichsoziale und Sozialdemokraten den Juden nicht hold sind, welche andere nichtjüdische Partei das sein könne. Der ungenannt bleibende Rechtsanwalt gebraucht hier — man entschuldige das harte Wort — einen „Dreh", eskamotiert von dem Wort „Nichtjüdischnational" das national einfach weg und glaubt einen Beweis erbracht zu haben. Der milderndste Umstand, den man ihm zubilligen könnte, wäre, daß er nicht lesen könne — oder wolle. Wahrlich, die Wiener Advokatenkammer darf auf einen derart qualifizierten Kollegen stolz sein; oder die „Morgen-Zeitung" aus ihren als Rechtsanwalt maskierten Mitarbeiter. Daß die Herren vom Sprachrohr der Jüdischnationalen Tatsachen entstellen und nach Bedarf umkrempeln, daß sie vertrauliche Besprechungen der Gegenpartei als öffentliche Versammlungen bezeichnen

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