Die Wahrheit
- Journal
- Die Wahrheit
- Volume
- 1920
- Issue
- Heft 7 (26.5.1920)
- Date
- 1920-05-26
- Page
- – (sequence 9)
- Language
- German
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ungarischen Hauptstadt schildert und um Gaben für sein ungarisches Vaterland fleht und in denen er für die Rechte seines ungarischen, von der Entente mit Zerstückelung bedrohten Vaterlandes in solch beredten Worten eintritt, daß er stets stürmischen Beifall auslöst und dem Ungartum schon unzählige Freunde gesichert hat. Und diesem Vaterlandsverräter Turteltaub schließen sich in würdiger Weise an: der einstige Buchdrucker und derzeitige Redakteur des „Amerikai Magyar Nepszava", Geza Berko, der in seiner Zeitung mit unverbrüchlicher Energie und flammender Begeisterung für die Rechte Ungarns eintritt, der Pitsburger Insasse Ignatz Roth, der vor dem Präsidenten des amerikanischen Abgeordnetenhauses dem Standpunkt der Washingtoner Ungarn in der Friedensfrage Ausdruck verlieh, Herr Hahn, der vor dem Minister des Aeußern den Protest der amerikanischen Ungarn gegen den Frieden von Neuilly in flammenden Worten Ausdruck gab, Herr F ö l d i a k, der dem englischen Ministerpräsidenten Lloyd Georges Informationen über die wahre Lage in Ungarn erteilte. Und sie alle sind ungarische Juden! Von Nah und Fern ||Z| Die religiöse Gemeinde den religiösen Juden.-Mitdieser Parole tritt die Wiener orthodoxe Judenschast in den bevorstehenden Kampf der Kultusvorstandswahlen. In Erläuterung und Erweiterung dieser Parole erklären die Orthodoxen durch ihr Parteiorgan, daß vor allem wieder der religiöse Geist in die Gemeinde einziehen müsse, daß die sonstigen, außerhalb der Kultusfragen stehenden Gemeindeagenden durch die verschiedenen jüdischen Parteien und Organisationen besorgt werden können. Was immer auch ein ständiges Zusammengehen der verschiedenen Parteien verhindert und ein gegenseitiger Verstehen ihrer^ Ansichten, Gewohnheiten und Bräuche ausschließen mag, in dem einen Punkte begegnen sie sich, daß die Kultusgemeinde eine religiöse Institution sein muß und naturgemäß auch ihre Vertretung im Kultusvorstande. Dieses Bekenntnis verwirft logischerweise alle politischen Treibereien der Jüdischnationalen, die sich die Gemeinde nur zu dem Zwecke erobern möchten, um sie als Tummelplatz ihrer verderblichen, durch eine Kette beklagenswerter Erscheinungen illustrierten Kampfmethode zu machen. In der Beurteilung einer solchen Gefahr finden sich viele rückhaltlos mit obigen Programm. Was wir an der Spitze unserer heutigen Nummer betonen, was der flammende Protest im leitenden Artikel überzeugend zu Gemüte führt, all dies gipfelt in dem Wahlruf aller mit den Juden fühlenden, um ihr Wohl besorgten Männer: den Jüdischnationalen keine Herrschaft in der Gemeindestube! Weun ein Jude unter Alldeutsche geht. Im „Tagebuch", einer neuen Wochenschrift, die Stephan Groß mann in Berlin herausgibt, lasen wir: Der Student Maximilian Spaeth in München war Mitglied und im Vorstand eines geselligen Unterhaltungsklubs. Der junge Mann hat sich 1914 freiwillig gemeldet und ist im Felde mit den verschiedenen Kreuzen behängt worden. Guter Bürger meldete er sich während der Räteherrschaft noch einmal freiwillig, um „München zu befreien". Dennoch mußte er es erleben, daß anfangs Dezember in seinem lustigen Bruderklub der Antrag gestellt wurde, wonach künftighin nur Mitglieder ausgenommen werden dürfen, die „nach bestem Wissen und Gewissen versichern können, daß sie deutscher Abstammung sind und unter ihren Vorfahren sich insbesondere keine solchen jüdischen Blutes befinden". Ferner sollte entschieden werden, ob die gründenden Mitglieder, sofern sie Juden, in der Gesellschaft verbleiben dürfen. Das Vorstandsmitglied Maximilian Spaeth meldet sich bei der Beraturg des Antrages — der Programmdebatte sollte ein Konzert folgen — zum Wort, er hatte ja nicht nur unter den Vorfahren, er hatte in seinen eigenen Adern jüdisches Blut. Der Vorsitzende läßt ihn nicht sprechen, sondern fragt die Versammlung, ob' sie ihn hören wolle. Die geselligen Klubbrüder stimmen dagegen. Nach längerem Verhandeln erhält Spaeth doch das Wort. Er beginnt seine Rede, aber da hat ein auf deutsche Vorfahren besonders bedachter Klubbruder den lustigen Einfall, der Musikkapelle heimlich einen Wink zu geben. Spaeth redet, die Kapelle spielt. Da entfernt sich der Student aus dem Zimmer, begibt sich in einen Nebenraum und schießt sich tot. Jetzt hörte die Musik aus. Maximilian Spaeth ist mit geladenem Revolver in seinen geselligen Klub gegangen. Er wußte, daß dort darüber beraten würde, ob Juden als Deutsche anzusehen sind. Er war entschlossen zu sterben, wenn die Antwort seiner Freunde verneinend ausfalle. Maximilian Spaeth hat vorher, am 1. Dezember 1919, sein Testament verfaßt. Darin steht: „Als Deutschen von Geburt, Denkart und Gefühl ist es mir in die Seele hinein schmerzlich geworden, zu sehen, welch' unheilvolle Entwicklung das geistige Werden meiner Volksgenossen genommen hat und noch weiter nimmt. Ich zweifle daran, in absehbarer Zeit noch Zeuge und Mitwirkender der nationalen Wiedergeburt sein zu dürfen. Gewissenlosigkeit, Verblendung, Selbstsucht, Haß und Rache verdunkeln das klare Vorfiellungsvermögen meiner Mitbürger und machen es unmöglch, gemeinsam den geraden Weg, der zu neuem Aufblühen der deutschen Nation führt, zu begehen. Teils die allgemeine, traurige Erwägung, daß es einem innerlich anständig denkenden, reinlich empfindenden Menschen unmöglich ist, in Gemeinschaft mit so aller Ehre baren Zeitgenossen die Lust des Tages zu atmen, teils der besondere Fall von Ungerechtigkeit und Ehrabschneiderei, den ein mir bis jetzt nur verbundener Kreis von Menschen konstatiert, zwingt mich, allem Irdischen zu entsagen". Ist nun anzunehmen, daß die geselligen Brüder in München über den fteiwilligen Tod ihres Mitgliedes die abgebrochene Debatte noch einmal — ohne Musikkapelle — eröffnet haben? Wir unsererseits sind der Meinung, Maximian Spaeth hätte noch auf andere Weife seinem verwundeten Herzen Genugtuung verschaffen können als mit der Kugel. Es gibt auch eine jüdische Welt, die unserer Jugend harrt und in der sich zu betätigen, ohne Schaden für die gutdeutsche Gesinnung wohl möglich ist.