Die Wahrheit
- Journal
- Die Wahrheit
- Volume
- 1920
- Issue
- Heft 7 (26.5.1920)
- Date
- 1920-05-26
- Page
- – (sequence 7)
- Language
- German
- Belongs to
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Nr. 1 Are Wahrheit EeiLe 1 Schulen von der Volks- bis zur Hochschule soll nur nach Maßgabe des prozentuellen Verhältnisses zur Gesamtbevölkerung möglich sein, ebenso soll die Ausübung der Advokatur, der ärztlichen Praxis, des Lehrberufes nur nach dem prozentuellen Verhältnisse gestattet, Juden der Eintritt in die neue Armee verwehrt und ihnen der Ankauf von Grund und Boden unmöglich gemacht werden. Die Jüdischnationalen haben mit dem Feuer gezündelt und sie waren sehr unangenehm Überrascht, als plötzlich die hellen Flammen des Judenb oykotts emporschlugen. Um sie zu dämpfen, erklärten sie, daß sie keinen Zwangskataster beabsichtigen, sondern es jedem Juden freistellen wollten, sich zur deutschen oder jüdischen Nation zu bekennen. Sie beriefen sich ferner darauf, daß die staatsgrundgesetzlich gewährleistete Gleichberechtigung eine überstüffige Sache geworden sei, weil ja im Friedensvertrage von St. Germain die jüdische Bevölkerung Oesterreichs unter dem Minoritätenschutze des Völkerbundes gestellt worden sei. Dks ist natürlich eine auf Täuschung berechnete Phrase, denn der Völkerbund existiert noch gar nicht, und selbst wenn er bestünde so lernt die Tatsache, daß Rumänien 50 Jahre lang dem Willen ganz Europas .widerstanden.'Und die ihm im Berliner Vertrage auferlegte Verpflichtung, seinen Juden die vollen staatsbürgerlichen Rechte zu gewähren, nicht erMt hat, daß dieser Minoritätsschutz der Entente oder des Völkerbundes für die Juden ganz wertlos wäre. Gegen einen inoffiziellen, stillen, durch das Gesetz unfaßbaren Boykott würde kein geschriebener Vertrag helfen. Heute aber droht den österreichischen Juden nicht nur der inoffizielle, sondern dergesetzlicheBoykott. Auch die Minoritätschutzbestimmungen des FriedenSvertrages gelten nur für österreichische Staatsangehörige. In dem Augenblicke, wo diese Staatsangehörigkeit den Juden genommen oder auch nur bestritten würde, ist auch der Minoritätsschutz hinfällig und wir hätten für den freiwilligen Verzicht auf die Staatsgrundgesetze eine leere Illusion eingetauscht. Tatsächlich haben eS die ^Jüdischnationalen nun so weit gebracht, daß diese Staatszugehörigkeit der österreichischen Juden gefährdet erscheint. In der Sitzung der Nationalversammlung vom 88. April hat jüdischnationale Abgeordnete Stricker mit vollem Rechte die Roheit gegeißelt, mit welcher nicht nur die arisch-germanische Studentenschaft, sondern auch viele Profefforen der Wiener Hochschulen die Austreibung der jüdischen Studenten mittelst Brachialgewalt unternommen, respektive gutgeheißen haben. Ursprünglich hat sich diese Bewegung gegen die ostgalizischeu Zuzügler gewendet. Da aber der Abgeordnete Stricker durch die Erklärung, daß die Juden der ganzen Welt eine einheitliche Vierzehnmillionen-Nation bilden und die Hilfe des Völkerbundes anrufen wollen, die Solidarität auch der österreichischen Juden mit den ofigalizischen Einwanderern proklamiert hatte, antwortete der christlichsoziale Führer Kunschak aus diese Erklärung mit folgenden Worten: „Dem Abgeordneten Stricker danke ich, daß er die Juden als einheitliches Vierzehnmillionenvolk bezeichnet hat. Sind aber die Juden ein eigenes Volk, so find sie bei un- Ausländer und haben nur Anspruch aus jene Rechte, die ihnen durch den Minoritätenschutz gewährleistet werden. Wir verlangen daher, daß in der National-Versammlung einGesetz beschlossen werde, welches die Rechtsverhältnisse der Juden als ausländisches Minoritätsvolk inOesterreich zurRegelung bringt." Die Juden Wiens und der Alpenländer werden also dafür die Kosten zu bezahlen haben, daß eine eigene jüdische Nation in diesem Staate anerkannt werden soll, bevor sie noch in Palästina zum Leben erstanden ist. Was sich heute in unseren Hochschulen abspielt, das ist nur das Vorspiel des Judenhasses, der wirtschaftlichen Ausschließung, der Konfiskation der staatsbürgerlichen Rechte, welche unS allen droht, wenn die Anerkennung einer jüdischen Nation wirklich erfolgen sollte. ES ist sehr bezeichnend, daß Herr Kunschak dem Herrn Stricker seinen Dank dafür ausgesprochen hat, daß er durch die Proklamier««- der jüdischen Nationalität ihm die Grundlage für die gesetzliche Achterklärung geboten hat. Ohne diese Grundlage wäre die Außerkraftsetzung der Staatsgrundgesetze unmöglich. Die Wiener Juden sollen sich dar beim bevorstehenden Kampf um die Erneuerung des Kultusvorstandes wohl merken. Dr. E. ahrheitrn vom Tage Bon der Wiener israelitischen Knttusgemeinde. Seit Wochen verhinderten die fünf jüdischnationalen Kültusvorstände, von denen drei behufs Fertigstellung der Wahlreform kooptiert worden waren, aber trotzdem noch im Vorstand fitzen und über alles mitberaten, jede Beschlußfassung im Vorstande, um sagen zu können, daß dort keine Arbeit geschieht, um die Verwaltung zu zerstören, denn sie ließen nicht die Wahl eines zweiten Vizepräsidenten zur Hilfe des greisen Hosrates Dr. Rappaport zu. Seit zwer Wochen streikten die Religionslehrer wegen Erhöhung ihrer