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Die Wahrheit · 1920-05-26 · Heft 7 (26.5.1920) · page 5

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Journal
Die Wahrheit
Volume
1920
Issue
Heft 7 (26.5.1920)
Date
1920-05-26
Page
– (sequence 5)
Language
German
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Seite K Nr. 7 ■ Die Wahrheit sind zu eliminieren, welche für die Kultusgemeinde keine Aufgabe verrichteten. Fehlerhaft und abgetan ist das System in der Kultusgemeinde, das an den Namen des Dr. Alfred Stern geknüpft war. Das ist das System der Plutokratie, des Vorherrschens reicher Männer in der Kultusstube, das Ueberwiegen von Idem und Interessen der Reichm, das Fernhalten der Minderbemittelten, das System der Autokratie, der Üntergebenheit, des „Küß die Hand". Dieses System ist mit der Monarchie dahingegangen und wird nicht mehr auferstehen. Diese neuen Männer, die jetzt in die Kultusstube einziehen sollen, müssen frei von diesem hochmütigen, herabsetzenden Geiste der Ueber- und Unterordnung sein. Sie müssen voll Wohlwollen und Eifer nach dem Höchsten in der Erfüllung ihrer Aufgaben streben und dieses Höchste ist eine mustergebende Verwaltung der religiösen Institutionen, eine ausgezeichnete, hochrangige religiöse Erziehung unserer Jugend und ein unentwegtes Fördern der jüdischen Wissenschaft und ihrer Lehre. Jüdische Politik hat die Kultusgemeinde nicht zu machen. Sie hat alle jüdischen Institutionen zu fördern und zu unterstützen, aber eine jüdische Politik gibt es in Oesterreich ebensowenig, wie in Italien, Frankreich, Kanada. Daß der Kultusvorstand das Judentum und seine in der Gemeinde ruhende Verfassung auf das Niveau des mittelalterlichen Ghettos zurückgeschraubt hat, ist eine lächerliche Tirade deS Verfassers des Artikels der „Wiener Morgenzeitung". Wo ist das Ghetto? Warum spricht er vom Ghetto? Er bleibt für alle diese Behauptungen den Beweis schuldig. Wir aber können sagen, daß ein Stellen des Wiener Judentums unter den Minoritätenschutz der Völkerbundes Herbeiführung des Ghetto bedeutet. Ghetto heißt politisch Ausschluß aus dem Vollbesitz der bürgerlichen Rechte. Das bekommen wir durch die jüdischnationale Politik in Wien. Es ist unwahr, daß der alte Kultusvorstand nicht für die Kriegsopfer viel tat. Es geschah in Wien und durch jeden Juden soviel für die Kriegsopfer, daß es wieder als „Uebersehen" bezeichnet werden muß, wenn der Verfasser des mehrerwähnten Artikels hier den KultuSvorstand rügt. Er meint, daß der Kultusvorstand sich in diesen schweren Zeiten selbst in der Armenpflege ausgeschaltet hat, sodaß das amerikanische Judentum helfend einspringen mußte. Wenn man das liest, hätte man große Lust, dreinzufahren. Meint er das „Joint", so ist seine Meinung falsch, denn dieses unterstützt nicht Wiener Juden, sondern die Kriegsopfer und insbesondere die Flüchtlinge des Ostens. Amerika unterstützt ferner in Wien alle Bewohner und die Juden vielleicht, oder besser gesagt, wahrscheinlich am allerwenigsten, weil der ärmste Jude noch das Schamgefühl hat, seine Kinder nicht am Armentisch sitzen zu lassen. Und daß die genannte amerikanische Hilfsaktion gerade die notleidenden Wiener jüdischen Institutionen nicht unterstützt hat, weiß doch der wahrheitsliebende Artikelschreiber selbst vom Rothschildspital und Bersorgungshaus. Man muß, wie man sieht, den jüdischnationalen Artikelschreibern auf die Finger klopfen. Sie gebrauchen ihr publizistisches Amt zur Herabsetzung und Beschimpfung. Und daraus ist die Lehre zu ziehen, unsere Lehre: Wenn die schreibenden Vertreter der Jüdischnationalen schon solche Eigenschaften aufweisen, wie kann dann eine Verwaltung durch die Jüdischnattonalen aussehen, wenn auch dort Nichtachter der Wahrheit herrschen, wenn die Vorstände daS Judentum nicht verstehen und an Stelle der Erfüllung der Aufgaben für Kultus und Gottesdienst Politik treiben, und zwar eine kurzsichtige Politik des Ghettos und der Stärkung der Antisemiten? Nein, Wiener Juden, der 27. Juni muß ein Tag der Befreiung vom Terror der Jüdischnattonalen sein, ein Tag, da jeder mannhafte Jude dazu beiträgt, uns von ungesunder Agitation und von den Verkündern nationaler Ueberhebuug zu erlösen. Jeder jüdische Mann muß zur Wahlurne gehen und für Religion, Frecheit und Gleichberechtigung, Wahrheit und Anstand seine Sttmme abgeben. Dir. Dr. S. Krenberger. Der Linai-Funke. Aus der Lohe des flammenden Sinai prasselten Funken in die Herzen des Volkes am Fuße de- Berges. In jeder Seele, die am Sinai gestanden, glimmt noch heute dieser helligen Funken einer. Das ist unser Adel. Un^ unsere Ahnenprobe? Sprich vor Menschenohren von Armut, von Krankheü, von der Not irgend eines in der Vereinsamung Schmachtenden l Wie sprühender Brand auf sonnedurchglühtes Laub muß jedes deiner Worte zünden, so es Juden find, die dich hören. Zu dem Funken in chrer Judenseele hat dein Wort den Weg gefunden, ih» angefacht. Er verrät ihr Judentum. Dar Blut treibt er ihnen zu Herzen, den Willen zur hilfreichen Tat. Ihre Seele hat sich am Feuer deS Sinai entzündet, ihr Ahnherr an seinem Fuß gestanden. Sprichst du nun gar vom eigenen Flessch und Blut — von jüdischem Elend, von der Schmach» der unmenschlichen Mißhandlung, dem übermenschlichen

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