Die Wahrheit
- Journal
- Die Wahrheit
- Volume
- 1920
- Issue
- Heft 6 (12.5.1920)
- Date
- 1920-05-12
- Page
- – (sequence 8)
- Language
- German
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der religiösen und sozialen Ideen des Judentums, wie sie uns durch Moses und die Propheten gegeben wurden. Diese werden zum Siege in aller Welt kommen. Der Nationalismus eines Schönerer, eines Türk, eines Wols iuS Jüdische übertragen, das wird so vergehen, wie die eben genannten Männer und ich halte es für ein Unglück, daß sie kopiert werden. Und kann man die Miffion des Judentums in Palästina verwirklichen und erhöhen, so soll eS für uns alle ein Glück sein. Dr. Egon Michael Zweig kennt nur einen Lebensinhalt, das ist der Zionismus mit allen seinen Ableitungen. Aber er ist dadurch allen anderen Kulturerscheinungen verschlossen und seine Kraft daher beschränkt, seine Einsicht einseitig, und daS tnt nur sehr leid, denn er ist ein Arbeiter, er liebt das jüdische Volk, aber er hat nicht die Kraft, gerecht und maßvoll zu sein. Seine Entgegnung war nicht überzeugend. Direktor Dr. S. Krenberger. Wahrheiten vom Tage Warum Oberrabbiner Löw verhaftet wurde. Well einerder verächtlichsten und nichtswürdigen Menschen, ein berufsmäßiger Lockspitzel, deffenNiedertracht durch seinRenegatentum aufsQuadrat erhoben wird, mit der gegen dem Oberrabbiner verübten Schurkerei Schandlohn verdienen wollte. Unsere schon in der vorigen Nummer vertretene Ansicht, daß die-Angelegenheit in einer schändlichen denunziatorischen Verleumdung wurzle, findet durch die letzten Mitteilungen restlose Bestätigung. Der angebliche Korrespondent des „Ma<übode", Alexander Hollosy, stahl sich in das Vertrauen des Szegediner Oberrabbiners, entstellte und verdrehte mit der Auswürflingen der menschlichen Gesellschaft eigenen Verruchtheit das Gehörte und lagerte sein Gift in dem berüchtigtesten ungarischen Antisemitenblatte ab. Es war die natürlichste Sache von der Welt, daß Oberrabbiner Löw daraufhin verhaftet und einer Hochverratsanklage unterworfen wurde. Das Charakterbild des trefflichen Alexander Hollosy wäre nicht vollständig wenn man verschwiege, daß dieser Ehrenmann, der seinen Glauben und das, was bei anderen Menschen Gesinnung heißtwechselte, unter Bela Kun im Dienste der Räteregierung stand, gel^entlich einer Mission 200.000 Kronen veruntreute und sich als Opfer der Tfchechoflowaken aufspielte. Dieser Herr Hollosy, Renegat und Lockspitzel, ist. der Kronzeuge gegen Oberrabbiner Löw. Mt dieser Fest, ftellung ist auch gesagt, auf wessen Seite die Wahrheit ist. Eme Bekräftigung erfährt sie noch durch die Erklärung des „Maasbode", daß Hollosy kein Recht hatte, sich als Korrespondent diese-Blattes zu gehaben. Also nebstbei auch ein schamloser Schwindler. Zu dieser, peinlichstes Auffchen erregenden Angelegenheit wird uns von wohlunterrichteter Seite gemeldet: Im Rahmen seiner im israelitischen Kultustempel in Budapest gehaltenen Samstagpredigt äußerte sich Herr Rabbiner Dr. Simon Hevesi aus Anlaß der Affäre Jmanuel Löw folgendermaßen: „In Anbetracht der Vergangenheit des Mannes erschemt diese Nachricht unglaublich. Eben weil der Inhalt eines in einem heiligen Berufe verbrachten Lebens, die ganze Vergangenheit des in Reds' stehenden Mannes der Nachricht widersprechen, wäre es unrichtig, sich ein übereiltes Urteil zu Hilden; dagegen ist es schuldige Pflicht, abzuwarten, bis eine gerechte und zuverlässige Feststellung der Tatsachen die Wahrheit bereinigt. — Während die ungarische Presse sich noch immer in leiden« schastlichen Erörterungen über die angeblichen vaterlandsverräterischen Aeußerungen des Szegediner Oberrabbiners ergeht, fand sie. es bis. heute nicht für notwendig, die patriotischen Aeußerungen zu veröffentlichen, die der Nagyvarader Oberrabbiner Dr. Leopold Kecskemeti vor kurzen getan hat und die vom Koloszvarer zionistischen Organ „Uj Kelet" veröffentlicht, aber bisher noch von keiner hauptstädtischen Zeitung reproduziert wurden. Das genannte zionistische Organ greift den Oberrabiner Kecskemeti wegen dieser — den Zionisten freilich nicht genehmen Aeußerung aufs heftigste an. Nach dieser Quelle hat der rumänische Minister Diamandi den Oberräbbiner Dr. Kecskemeti zu sich rufen lassen und mit ihm und den übrigen Rabbiner der Stadt über die Frage der Zugehörigkeit Nagyvarads . verhandelt. Kecskemeti antwortete dem Minister: „Das Nagyvarader Judentum ist so sehr mit demUngarmm verschmolzen, daß es sich als Ungarn fühlt und sich nur unter den Minoritätenschutz des Ungartums stellen will." Das sind Worte eines ungarischen Rabbiners inmitten der rumänischen Bajonette! Ungarns praktischer Antisemitismus. Die Regierung des Herrn Horthy jagt bei ihren auf Judenhaß eingestellten Tendenz. keinen wesenlosen Idealen nach und hat greifbare Dinge, besonders Geld und Gut der Juden im Auge. Besonders der Herr Staatssekretär Denes Patasey macht aus seinem Herzen keine Mördergrube und leistete sich auf eine Bemerkung des Abgeordneten Paul Sandor, daß die Vertreibung der Juden eine wirtschaftliche Katastrophe für das Land wäre, den Zwischenruf: „Die Juden werden wir vertreiben, aber ihr Vermögen werden wir behalten!" In der Tat ein Kolumbusei der Einfachheit zur Lösung der ungarischen Judenfrage. Von dieser Offenbarung der niedersten Raubinstinkte hebt sich als glänzende Folie die großzügige, mannhafte Rede des Abgeordneten Paul Sandor ab, der den seltenen Mut an den Tag legte, für die unveräußerlichen Menschenrechte der Juden das Wort zu ergreifen. Ein Wagnis, bei dem man sich in Horthy-Ungarn leicht um den Hals reden kann. Daß dem unerschrockenen Anwalt seiner jüdischen Landsleute dieses Schicksal nicht widerfuhr, daß ihn die erwachten Ungarn ungestört anhürtem zeigt stzr die Macht seiner Argumente und die überwältigende Kraft einer hohen Ethik, der sich selbst das Parlament in seiner jetzigen Gestalt beugte. Die Zukunft der Kultusgemeinde. Die jüdische Korrespondenz, das Organ der Orthodoxen, hat bereits durch wiederholte Verlautbarungen betreffs