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Die Wahrheit · 1920-05-12 · Heft 6 (12.5.1920) · page 6

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Journal
Die Wahrheit
Volume
1920
Issue
Heft 6 (12.5.1920)
Date
1920-05-12
Page
– (sequence 6)
Language
German
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Seite 6 Die Wa Bildungsmöglichkeit auch dafür auftlärend einzutreten, 'daß das Hochschulstudium nur für möglich begabte und gut vorgebildete Kollegen paffe. Er foll aufklärend wirken, daß kein gebildetes Proletariat heranwachse, daß jeder Hochschüler geistig und sittlich heroorragen muß, daß Gleichberechttgung auch Gleichwertigkeit bedeute. Jeder Kampf dringt Klärung hervor. Wir Juden sollen aus der Feindschaft gegen uns immer mehr Adel gewinnen. — DieS sei die Lehre aus diesen traurigen Tagen! vor den Mahlen in den Wiener Aultusvorstand. In Nummer 4 unseres Blattebrachten wir unter obigem Tttel aus der Feder deS Direktors Dr. Krenberger einen Aufsatz, der Herrn Dr. Egon Michael Zweig zu einer breitspurigen Entgegnung veranlaßte, deren Veröffentlichung wir ihm logischerweise für den Fall in Aussicht stellten, daß seine Entgegnung nicht vor dem Erscheinen der Nummer 5 unseres Blattes in einem anderen Blatte veröffentlicht werde. Herr Dr. Zweig konnte jedoch seine ungestüme Kampflust nicht bändigen und ließ feine geharnischte Erwiderung in der „Jüdischen Zeitung" Nummer 15 vom 23. April erscheinen. Dadurch sind wir des Anerbietens nachträglicher Aufnahme seines polemischen Artikels enthoben. Wir können jedoch Über denselben nicht einfach zur Tagesordnung gehen und erlauben uns eine knappe Blütenlese des Dr. Zweig'schen Grobheitsbouquets, das er seinem Parteigegner reicht, hier widerzugeben. Die Kenntnis dieser Kraft- und Geschmacksproben ist nämlich symptomatisch für die jüdifchnationale Taktik, die so gerne mit Zähnen und Klauen Angriff oder Verteidigung führt. Dr. Zweig wirst mttKorruption, Würdelosigkeit, Preisgabejüdischer Interessen, Kahaljuden, Plutokratenclique und ähnlichen Schmähungen herum, daß es nur förmlich staubt. In diesem Zeitungsarsenal dursten auch die „schäbigsten assimilatorischen Instinkte" nicht fehlen^ Man sieht, mit feiner Toledaner Klinge stellt sich Dr. Zweig seinem Gegner nicht zum Duell. Scharf in der Sache, gemäßigt in der Ausdrucksweise begegnet Dr. Krenberger der Berserkerwut des daneben schlagenden Gegner-, wie man aus der nachstehenden Erklärung bemerken wird, mit der wir die Angelegenheit von unserem Standpunkte als erledigt ansehen. Die Redaktion. * * -* hrheik Nr. 6 Entgegnung. Was der Leiter des Wiener zionistischen Palästinaamtes, Herr Dr. Egon Michael Zweig, deffen Verdienste um den österreichischen Zionismus von mir stets gewürdigt werden, in Nummer 15 der „Jüdischen Zeitung" vorbringt, muß besprochen werden. Das Persönliche werde ich, so viel als möglich, auszuschalten suchen. Aber es darf naturnotwendig auf mein eigenes Handeln kein falsches Licht fallen. Ich mag irren und geirrt haben, habe es sicher, aber daS höchste Ziel meines Lebens war und ist ein einwandfreier Charakter und dieses Attribut glaube ich errungen zu haben,. um es meinen Kindern als Erbe zu hinterlaffen. Ich glaube auch, daß Dr. Zweig nie geglaubt hat, daß bei mir subjektive und tadelnswerte Motive maßgebend waren. In diesem Sinne stelle ich fest, daß der sonst so gedächtnisstarke, liebe Dr. Egon Zweig sehr irrt, wenn er sagt, ich hätte am Grabe Herzls im Namen der zionistischen Partei Oesterreichs Treue gelobt. Am Grabe Herzls hat bekanntlich nur David Wolfsohn gesprochen und Treue gelobt. Ich habe namens der zionistischen Partei Oesterreichs im großen Musikvereinssaal in „rührsamen Worten", wie Herr Dr. Zweig schreibt, die Verdienste Herzls gewürdigt. Treue habe ich Herzl nicht öffentlich geschworen, weil ich nicht mit solchen schweren Entschließungen öffentlich hervortrete, aber seinem Andenken und seinen Ideen habe ich Treue gehalten. Ich habe für das Judentum gewirkt durch Erziehung der mir anvertrauten Jugend zu guten, nützlichen und gläubigen Menschen, durch Pflege von Kultus und Sammlung der Männer zu seiner Pflege, durch Eintreten und Wirken für soziale Fürsorgearbeit und nicht zuletzt, daß die wissenschaftliche und praktische Arbeit eines Juden als vollwertig und maßgebend in Oesterreich und in der ganzen Welt gewertet werde. Ja, deffen darf ich mich rühmen, daß mein Name auf dem Gebiete der Spezialpädagogik einen besten Klang hat bei den 'Fachgenossen hier, in Washington, in Rom, Brüssel, Berlin und Paris. Den Nachfolgern Herzls und den nach Herzls Tode aufgetauchten Ideen und Bestrebungen bin ich nicht gefolgt. Aber ich habe mit Herzl die traurigen Tage seit Charkow und dem Kongreß, da er Uganda brachte, mitgemacht und mitgelitten, was wenige der heutigen Vorkämpfer sagen können. Ich bin nicht Ussischkin nachgelaufen, ich bin mit Mandelstamm gegangen, ich habe nicht Nordau begeifert und bin nicht Sokolows Freund gewesen. Ich bin mit Zangwill gegangen, weil ich glaubte, daß kein Jude das

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