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Die Wahrheit · 1920-04-27 · Heft 5 (27.4.1920) · page 11

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Journal
Die Wahrheit
Volume
1920
Issue
Heft 5 (27.4.1920)
Date
1920-04-27
Page
– (sequence 11)
Language
German
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Nr. S Die Wahrheit Seite 11 schrift des Berichtes in der „Morgenzeitung" wird nicht behauptet, daß die „Union" Veranstalterin der Versammlung war, sondern nur, daß sie Propaganda macht. Ein Blick auf die Rednerliste beweist, daß dies richtig ist. Daß die Einberufung vom nicht-jüdischnationalen Bezirkswahlkomitee für die westlichen Bezirke erfolgte, war nicht zu ersehen. Es ist ganz und gar unrichtig, daß die Zionisten unter der Führung der Herren Plaschkes, Vater und Sohn, standen, obwohl gar nichts daran läge, wenn dies wirklich der Fall gewesen wäre. Dr. Plaschkes kam erst viel später, als die Zionisten längst aus dem Saale gedrängt waren, und Herr Plaschkes sen., als sein Sohn schon längst weggegangen war. Es ist nicht richtig, daß sich die Zionisten „bestimmt" weigerten, das Lokal zu verlassen, und daher durch die Polizei entfernt werden mußten, sie waren vielmehr bereits im Garderoberaum und warteten auf die Herausgabe ihrer Kleider; es war daher nicht notwendig, den „Terrorismus" der jüdischnationalen Führer durch die Polizei zu brechen. Wir möchten den Herrn B . . . bitten, uns bekannt zu geben, welche Konsequenzen das Wahlkomitee nach seinen Wünschen ziehen soll? Etwa die, auch die künftigen Versammlungen bei verschlossenen Türen und unter dem Schutze der Polizei zu machen, nachdem es das erstemal so gut gelungen ist? Und wenn Herr B. glaubt, daß die Wiener Judenschaft bisher unter angemaßten Herrschaft einer verschwindenden Minorität gestanden ist, so frage ich ihn, wieviel Juden seiner Parteirichtung, oder besser gesagt — die Herren sagen ja nur, was sie nicht sind — der nicht-jüdischnationalen Parteien (die sozialdemokratischen Juden kommen wohl hier nicht in Betracht) in den öffentlichen Vertretungskörpern Vorkommen und lade ihn ein, es einmal mit dem allgemeinen, gleichen, direkten, geheimen Proportionalwahlrecht zu versuchen. Dem Ergebnis des letzteren wollen wir uns widerspruchslos beugen, können es aber nicht tun vor der Tatsache, daß es einmal 150 Herren gelungen ist, 5 bis 6 Zionisten — und mehr waren es nicht — die nicht einmal ernsthaften Widerstand leisteten, mit Hilfe von 4 Wachleuten aus ihrer Versammlung zu weisen. Den Unterschied zwischen den bodenständigen Wiener Juden und nicht bodenständigen wollen wir lieber den arischen Wiener Antisemiten überlaffen. Nur soviel fei gesagt, daß das bodenständige Wiener Judentum längst von der Erdoberfläche verschwunden wäre, wenn es nicht durch den Zuzug von außen immer wieder neue Impulse bekäme. Wir wünschen einen sachlichen Wahlkampf und hoffen Gelegenheit hiezu zu finden, ohne Verletzung der Form. Auf keinen Fall aber werden wir dulden, daß über jüdische Angelegenheiten, die auch uns angehen, und über den Zionismus hinter hermetisch verschlossenen Türen verhandelt wird. Dr. Adolf Brand, 7. Kirchengaffe 29. * * * Die Sitzung im Gewerbeverein war, wie uns mitgeteilt wird, keine Wählerversammlung, auch keine Wahlbesprechung, sondern ein vorbereitender Akt, um ein Komitee aus den Wählern des VI., VII. und VHI. Bezirkes zusammenzusetzen, das sich zu konstituieren und dann in die Wahlbewegung einzugreifen haben wird. Es haben sich in den genannten Bezirken mehrere Männer zusammengefunden, welche Herrn Siegfried Engl mit der Aufgabe betrauten, die Geschäfte zu führen; Herr Bernhard Buchwald hat den Saal des Gewerbevereins auf seinen Namen ausgenommen und einen kleinen Kreis Bekannter zu dieser Tagung geladen. Unter den Eingeladenen waren weder die Herren Dr. Jmmerglück, noch Herr Dr. Kantor, noch die Herren Plafchkes Vater und Dr. Plaschkes Sohn. — Die Entfernung der eingedrungenen Herren erfolgte auch nicht auf die von Herrn Dr. Adolf Brand angegebene Weise und sie wild vor Gericht nachgewiesen werden, ebenso wie die eingedrungenen Herren zu ihrer Einladung gekommen sind. — Aus der Berichtigung dieser Tatsachen folgt schon, daß wir Herrn Dr. Brands Epistel eigentlich bei Seite legen könnten. Wir wollen ihm aber doch noch sagen, daß er die Lehren, ob und wie wir öffentliche Wahlversammlungen machen wollen, uns überlaffen soll. Wir wollen ihm ferner sagen, daß wir die jüdischnationalen Herren und Damen in die Kreise der Nichtjüdischnationalen darum nicht laden, weil wir sie nicht für fähig und geeignet erachten, über Angelegenheiten des Wiener Judentums zu sprechen, daß wir die jüdischnationalen Phrasen, Aufbauschungen und die ganze odiose Taktik des radikalsten Radautums satt, übersatt haben und nichts, gar nichts von der aufreizenden Gesellschaft der Jüdischnationalen wiffen wollen. — Wären die Jüdischnationalen klüger und vernünftiger, so würden sie wiffen, daß Ueberreden, sichtbar Gutes schaffen und ruhig für Kultur und Bildung arbeiten, jüdisch ist, daß aber Bünde von Korachs aufstellen und das Korachtum zum Prinzip machen, ganz antijüdisch ist. Da die Jüdischnationalen nur Nachäffer brutaler deutschnationaler Unsitten find, so könnten die nichtnationalen jüdischen Bürger Wiens mit ihnen nicht verkehren. Mit Lärmmachern in einem Saale beisammen zu sitzen, ist nicht jedermanns Geschmack. B. — Die Agudas Israel irr Wie» hielt kürzlich unter dem Vorsitz des Herrn Eduard Deutsch die Generalversammlung ab, in der Herr Wolf Pappenheim ein groß angelegtes Referat über die Ziele und Arbeiten der Gesamtorganisation, wie diejenigen der Wiener Gruppe erstattete. Bei den Wahlen in den Vorstand wurden folaende Herren gewählt: Siegmund Bondi, Eduard Deutsch, David Fast, Moritz Felsenburg, Bernhard Hofbauer, Abraham G. Hornstein, Markus Kamm, Professor D. Kohn, Alexander Landau, Leopold Lederer, Ofias März, Franz Neumann, S. Nüssenbaum, W. Pappenheim, Adolf Raab, Dr. Isidor Reininger, Akiba Schreiber, D. Schreiber, Julius Steinseld, Jsak I. Thumim, Lippe Türkl. In die Kommissionen wurden gewählt: W. Pappenheim, Obmann; Jsak I. Thumim, Eduard Deutsch, Obmann-Stellvertreter; Lippe Türkl, Kassier; Samuel Nüssenbaum, Adolf Raab, Schriftführer; Abraham G. Hornstein, Kontrollor.?

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