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Die Wahrheit · 1920-04-27 · Heft 5 (27.4.1920) · page 10

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Journal
Die Wahrheit
Volume
1920
Issue
Heft 5 (27.4.1920)
Date
1920-04-27
Page
– (sequence 10)
Language
German
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Seite 10 Die Wahrheit Nr. L Richtung die Aufgabe noch nicht restlos erfüllt werden kann, so tragen daran Umstände schuld, an denen wir keinen Anteil haben. Wir hoffen zuversichtlich, daß nach Eintritt normaler Verhältnisse in der Gemeindeverwaltung auch in dieser Beziehung Wandel geschaffen werde, denn auf dem neutralen Boden sozialer Fürsorge können sich alle Parteien treffen und finden. Ich bitte die angeschloffenen Vereine, Korporationen und Verbände, auch weiter treu zur Zentralstelle zu stehen. Wenn auch unser Bestreben dahin geht, der Krästezersplitterung in der jüdischen Wohlfahrtspflege Einhalt zu tun, so halte ich unverbrüchlich an dem Grundsätze fest, daß hiedurch der Autonomie der einzelnen Vereine und Korporationen in keiner Weise Abbruch geschehen darf. Und so hoffen wir denn, mit Ihrer Hilfe unser Ziel zu erreichen, zum Wohle des anvertrauten Gutes, der hilfeheischenden Kleinen und der wirtschaftlich schwachen Brüder und Schwestern unseres Volkes". Von- Nah und Fern Ciugesendet. Ich erwarte, daß Sie dem Namen Ihres Blattes Ehre machen und so loyal sein werden, nachstehenden Zeilen Raum in den Spalten Ihres sehr-geschätzten Blattes zu gewähren. Diese Zeilen beziehen sich auf die beiden Artikel „Wie die Union Propaganda macht" und „Jüdische Wählerversammlung" in der Nummer vom 1. April l. I. Ihres Blattes. Der erwähnte Artikel in der „Wiener Morgenzeitung enthält bis auf den Schlußsatz eine vollkommen objektive Schilderung der Art der Einberufung und des Verlaufes der Versammlung der nicht-jüdischnationalen Parteien. Gerade in der „Wiener Morgenzeitung" erschien die Art der Einberufung der Versammlung im richtigen Lichte. Denn die streng ausgesuchten Teilnehmer wurden in dem großen Saal des Gewerbevereins zu einer „dringenden Besprechung" eingeladen; gezeichnet war die Einladung „Siegfried Engel, Obmann". Wurden je auf solche Weise Wähler zu einer Wählerversammlung eingeladen, also zur Besprechung von Angelegenheiten, die nicht nur sie allein angehen? Eine Wählerversammlung hat öffentlich zu sein. Ich frage klar und deutlich: Warum stand aus der Einladung nicht der Gegenstand der „dringenden Besprechung" und warum zeichnete Herr Siegfried Engel nicht als Obmann des Bezirkswahlkomitees der nicht-jüdischnationalen Parteien? Mir persönlich war sofortder Zweck der Versammlung klar und ich wäre vielleicht gar nicht auf den Gedanken gekommen, daß diese Art der Einladung angewendet wurde, um die Zahl der Teilnehmer zu erhöhen oder die Jüdischnatwnalen abzuhalten, wenn ich nicht mit eigenen Ohren einige der eingeladenen Herren sagen gehört hätte, sie wüßten nicht, um was es sich handelt und sie glaubten, zu einer Besprechung in gewerblichen Angelegenheiten eingeladen worden zu sein. Ich kann Ihnen, wenn Sie es wünschen, Namen nennen. Und nun kommen wir zur Hauptsache, der Nichteinladung der Zionisten und ihr Erscheinen. (Zionismus und jüdischer Nationalismus sind für mich identische Begriffe. Es möge mir daher nicht Jonglierkunst mit diesen Begriffen vorgeworfen wqcden.) Diesbezüglich befindet sich in Ihrem Artikel ein krasser Widerspruch. Zuerst sagen Sie, daß von der „Morgenzeitung" „verschwiegen wird, daß zur Versammlung nur auf Namen lautende Einladungen ergingen, die daher in den Saal gelangten Jüdischnationalen zu „unrecht" erschienen und für die Konsequenzen ihrer Handlungsweise verantwortlich waren". Und weiter unten heißt es, daß „von dem Zugeständnis der „Morgenzeitung" Akt genommen werden muß, daß die Zionisten eingedrungen sind, obwohl der Zutritt nur auf namentlich geladene Gäste beschränkt war". Jawohl, es war zugegeben und es wird auch heute zugegeben, daß die Zionisten zur Versammlung erschienen sind, obwohl sie wußten, daß sie nicht nur snicht geladen, sondern sogar höchst unerwünscht waren, und sie tragen auch gerne die Konsequenzen ihrer Handlungsweise. Wir Zionisten meinen es so ernst mit der Liebe zu unserem Volke, sein Wohl und Wehe liegt uns so sehr am Herzen, daß wir uns über formale Bedenken hinwegsetzen und das Odium auf uns nehmen, von unseren politischen Gegnern der Ungezogenheit geziehen zu werden, ja sogar, wenn es sein mutz, uns verhaften zu lassen.. Persönliche Momente treten bei uns eben gegenüber den Interessen des jüdischen Volkes in den Hintergrund. Wir wußten, daß in der Versammlung über jüdische Angelegenheiten gesprochen, daß bewußte und unbewußte Unrichtigkeiten über die zionistischen Bestrebungen ausgestreut werden würden, und da hatten wir das Bedürfnis, dabei zu sein, gleichgültig, ob wir eingeladen waren oder nicht. Zu unserem persönlichen Vergnügen sind wir nicht hingegangen. Warum haben uns die Herren nicht eingeladen? Warum hat man uns, als wir — nicht eingedrungen — sondern eingelassen worden waren, aus dem Saale entfernt und warum hat man das Anerbieten des Herrn Bezirksrates Dr. JmmerglÜck, daß alle Zionisten, bis auf ihn, den Saal verlassen werden, nicht angenommen? War das nicht Sicherung genug für einen ruhigen Verlauf der Versammlung? Ist es moralisch, einen irrtümlich eingeladenen Zionisten durch Abnahme des Ehrenwortes am Sprechen zu verhindern? Ich frage Sie, wie stellen Sie sich den Wahlkampf sachlich scharf, aber in der Form einwandfrei vor, wenn die Herren zu unseren Versammlungen nicht kommen, uns zu ihren geschloffenen Versammlungen nicht einladen und öffentliche Versammlungen nicht veranstalten? Wir sind zu einer formell einwandfreien, sachlichen Auseinandersetzung bereit. Der „ausführliche Bericht eines Versammlungsteilnehmers" lehrt noch lange nicht, daß der Bericht in der „Wiener Morgenzeitung" tendenziös gehalten und entstellt war, denn auch letzterer stammt von einem Versammlungsteilnehmer. Im Gegenteil, ersterer enthält sogar einige objektive Unrichtigkeiten, die hier richtig gestellt werden sollen. In der Ueber-

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