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Die Wahrheit · 1920-04-27 · Heft 5 (27.4.1920) · page 9

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Journal
Die Wahrheit
Volume
1920
Issue
Heft 5 (27.4.1920)
Date
1920-04-27
Page
– (sequence 9)
Language
German
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RE-:.* Nr. L Die Wahrheit Seite 9 gedachte hierauf der seit der letzten Delegierten-Versammlung Heimgegangenen Kuratoren und Mitglieder, Professor Dr. Wilhelm Roth, Carl Lemberger, Dr. Viktor Rosenfeld, Richard Lieben, Alois Weishut. Nach Vorlesung des Protokolles der letzten Delegierten-Versammlung durch Sekretär Dr. Löwy erstattete Schriftführer Dr. Rudolf Schorstein den Bericht über die Tätigkeit der Zentralstelle in dem abgelaufenen Jahre, dem wir folgelndeS entnehmen: „Die schwere wirtschaftliche Krise hat einen großen Teil der jüdischen Bevölkerung auf den Notstand herabgedrückt und dadurch eine erhöhte Tätigkeit der Zentralstelle bedingt. Die Veränderungen im Kataster der Zentralstelle, der im letzten Berichte mit 40.000 Blättern ausgewiesen wurde und einen Zuwachs von 5000 Blättern erfahren hat, sind ein trauriger Spiegel der gegenwärtigen Zeiten und Verhältnisse und so enthält dieser Zuwachs zahlreiche Familien, die einst bessere Tage gesehen haben und nur infolge der allgemein zunehmenden Verelendung des Mittelstandes der fremden Fürsorge nicht entraten können. Eine der vornehmsten Ausgabe der sozialen Fürsorge ist es, gerade diesen beizustehen und vor dem völligen Niedergleiten zu bewahren. Die im Rahmen der Zentralstelle bestehenden Verbände haben im abgelaufenen Jahre intensive Arbeit geleistet. Der Kinderbekleidungs-Verband hat unter Mitwirkung der angeschlofsenen Vereine Tausende von Kindern mit Kleidern und Schuhen bedacht, wobei durch eine treffliche Organisation Doppelbekleidungen vermieden werden konnten. Ueberaus ersprießlich war die Tätigkeit des Kurverbandes, der im Hinblicke auf die enorme Ausbreitung der Tuberkulose seine Fürsorge zunächst den Lungenleidenden zuwendete und weiters auch bei anderen Erkrankungen die Absolvierung von Kuren in spezifischen Heilbädern ermöglichte. 114 Personen haben auf Kosten des Kurverbandes eine Kur in Gleichenberg absolviert, 30 Personen wurden in Altenmarkt an der Triesting untergebracht und 130 Personen erhielten Beiträge für anderweitige Kuren und Erholungsaufenthalte. Die beträchtlichen Kosten dieser Fürsorgeaktion wurden durch Beiträge der dem Kurverbande angeschlossenen Vereine, sowie durch Spenden privater Wohltäter gedeckt. Der Altersfürsorge-Verband hat fich die schöne Aufgabe gestellt, Frauen und Männern, die infolge ihres hohen Alters ihren Lebensunterhalt nicht verdienen können und auch an ihren Familienmitgliedern nicht die nötige Stütze haben, Greisen und Greisinnen, die aus mannigfachen Gründen die Aufnahme in einem Versorgungshause nicht finden oder es vorziehen, das karg bemessene Brot im eigenen, noch so dürftigen Heim zu verzehren, durch Gewährung von monatlichen Aushilfen den Lebensabend erträglicher zu gestalten. Die Zahl der Schützlinge des Altersfürsorge-Verbandes beträgt trotz der kurzen Zeit seines Bestandes 82, doch wird durch Zuwendung größerer Spenden baldigst die Ausdehnung der Fürsorge auf einen weiteren Kreis ermöglicht werden." In der Debatte über den Bericht würdigte der Präsident der Bnai Brith-Logen, Profeffor Dr. S. E h r m a n n, das ersprießliche Wirken der Zentralstelle auf den verschiedenen Gebieten der sozialen Fürsorge, Frau Profeffor Roth dankte dem Kuratorium für die intensive Förderung des Altersfürsorge-Verbandes und Börserat Ignaz Glück machte Mitteilung über die mit dem Internationalen Roten Kreuz gepfiogenen Verhandlungen betreffs Zuwendung von Liebesgaben. Hierauf wurde über Antrag deS Herrn Direktor S. Khuner der Tätigkeitsbericht, sowie der von Herrn Direktor Leopold Herz erstattete Kasiabericht genehmigt und dem Kuratorium das Absolutorium erteilt. Ueber Antrag des Herrn Gustav Planer wurden in das Kuratorium wieder gewählt: Anton Beck, Karl Freund, Lifette Gelber, Ignaz Glück, Sofie Grünfald, Regine Kopstein, Felix Lederer, Dr. Rudolf Schorstein. Nach Erschöpfung der Tagesordnung hält Präsident I. Wachtel folgendes Schlußwort: „Als mir im Vorjahre nach dem Rücktritte des verdienstvollen, stellvertretenden Präsidenten, Herrn Hofrat Dr. Rappaport, welcher wegen Arbeitsüberbürdung sein Amt zurücklegte, die Ehre zutell wurde, an die Spitze des Kuratoriums berufen zu werden, sagte ich, die Aufgaben der Zentralstelle gliedern sich in zwei Richtungen. Die erste Aufgabe sei: sie soll nicht herschen, sondern dienen. Indem sie den angeschloffenen Vereinen, Korporationen und Mitgliedern dient, dient sie am besten den hüseheischenden Kleinen, den Kranken, den Siechen. Die zweite Aufgabe sei: produktive Arbeit. Produktive Arbeit im Rahmen der Zentralstelle leisten heißt, das Erbe zu erfüllen, welches uns der allzufrüh entrissene Präsident Heinrich Mendl hinterlaffen hat. Wir haben nicht nötig, neu anfzubauen, wir müssen nur weiter ausbauen. Der Ausbau des Katasters ist in Angriff genommen. Die Angliederung eines statistischen Büros, welches von mir vorgeschlagen wurde, muß früher oder später Tatsache werden, da rationelle Wohlfahrtspflege nur auf Grund verläßlicher Statistik gehandhabt werden kann. Der Ausbau unserer ZentralifierungSbestrebungen ist im Gange. Wenn gerade in letzterer

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