Die Wahrheit
- Journal
- Die Wahrheit
- Volume
- 1920
- Issue
- Heft 5 (27.4.1920)
- Date
- 1920-04-27
- Page
- – (sequence 5)
- Language
- German
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Die Wahrheit ^eite ö SLr. 6 gegen Anfeindung und Verleumdung bis in die fernsten Zeiten zu erfüllen. ttine, Io jonum welo jischon schomer Israel! Unser Beschützer wacht und wir dürfen nicht verzweifeln. Sursum cordal Empor die Herzen! j)esachpredigten. Herr Rabbiner M. L. Reich, Wien- Margarethen. (Fortsetzung.) Der Prophet sagt üns: Es heißt in Jeremias: Warum ging der jüdische Staat zu Grunde? Sprach Gott die Antwort: Weil sie verlassen haben meine Lehre, die ich ihnen gegeben habe. Die Frage, weshalb ging Israel zugrunde in seiner staatlichen Selbstständigkeit, heißt es im Midrasch, wurde gerichtet an die Weisen, an die Propheten, ja sogar an die Engel. Aber sie wußten keine Antwort, bis Gott selbst die Antwort gab, wie es der Prophet anführt. Gott sprach, weil sie meine Thora verlassen haben. Der sichtbare Ausdruck für diese beiden höchsten Güter der Gläubigen, des Vertrauens zu Gott und der Liebe zur Freiheit, — Freiheit ist nämlich Wissen, denn Wiffen macht frei — liegt in den beibeit Institutionen, in der Errichtung der Gotteshäuser, in denen sich die Gemeinde versammelt, um ihren Gott anzurufen in Leid und Freud, und in der Gründung der Lehrhäuser, wo die Jugend erzogen und belehrt werden soll darüber, daß das jüdische Volk das erste war, welches die Mission übernahm, hinauszuzieheu in die weite Arena der Welt, mit der Fackel der Erleuchtung, die Menschheit zu neuem Leben zu erwecken, die Altäre, die den Götzen errichtet wurden, zu zerstören und Wissen und Erkenntnis zu verbreiten. . Es gebührt daher jenen Männern Dank, welche in selbstloser Weise angestrengter Arbeit, mühevoller Tätigleit sich bestreben, solche zu schaffen — Bet- und Lehrhäuser nämlich. Denn die sind es, die am meisten dazu beitragen, die Regeneration des jüdischen Stammes zu fördern und das wirkliche nationale Judentum zu errichten. Unsere Alten .sagen: Die Thora hat zwei Wege. Der eine Weg führt durch Feuer der andere Weg durch Eis. Welchen Weg soll nun der Mensch wallen? Geht er den Weg des Feuers, so verbrennt er, geht er den des Eises, so stirbt er. Wo sollen wir gehen? — Da lautet die Antwort: Hübsch weg vom Feuer und ebenso weit weg vom Eise. Er gehe in der Mitte. Damit wollten sie uns sagen: Der Weg des Feuers das ist der Zelotismus, der das Judentum dem geistigen Tode nahe brachte, der Weg, auf dem man dahin gelangte, daß die falschen Meffiaffe entstanden, Sekten wie die Karäer, die Sabathianer und Frankisten, und andererseits der Weg des Eises, der des Jndifferentismus, welcher wieder in allen Zeiten die Täuflinge zeugte. Wenn nun der goldene Mittelweg, der uns zeigt, wie die wahre Religiosität verbunden werden kann mit wahrhafter Kultur, gewählt wird, so haben wir die Bürgschaft für eine gesunde Entwicklung und für eine Existenzberechtigung des Judentums. Dies der Jugend beizubringen, sowie die Ueberzeugung, daß sie stolz sein kann auf ihr Judentum, ist unsere Ausgabe. Und'so wiederhole ich, daß die eigentlichen Stützen dieses erhabenen Gedankens — den zuerst Sarja Gaon klar und deutlich seinem Volke aufgezeigt hat und der von jedem wahren, sein Volk liebenden Juden beschritten werden muß — der einzige Weg ist, der zum Heile führt. Unser nationaler Ruf heißt daher: Fördet die Pflege der Gotteshäuser und der Lehrhäuser. Darin liegt ausgedrückt die Liebe zum Glauben und die Liebe zur Freiheit. Und wenn das der Fall ist und wir dafür Dpfer bringen, so hören wir die Stimme des Propheten im Namen Gottes. Durch die Opfer in dem Kampfe um diese Güter lebt ein Volk neu auf, verjüngt es sich. Und daher werden Sie auch begreifen, daß ich heute den Anlaß benütze, um einen Mann, der heute sein siebzigstes Wiegenfest begeht, zu feiern, der seit vierzig Jahren in der Leitung dieser Gemeinde tätig ist, dem wir die Entstehung dieses schönen Gotteshauses verdanken, das heute vor zehn Jahren eingeweiht wurde, dem wir auch verdanken die Schaffung des Beth hamidrasch oder der Thoraschule, die infolge feiner tatkräftigen, selbstlosen Hingebung er ichtet werden konnte. Es ist dies der Präsident unseres Vereines, Herr Adolf Hoffmann, von dem ich noch überdies von meinem Standpunkte aus rühmm kann, daß er in religiösen Dingen, der Konservierung des traditionellen Geistes, verbunden mit der schönen Gestaltung unseres Gottesdienstes, mich nach jeder Richtung unentwegt unterstützt hat. Wenn wir nun noch eine Institution, an deren # Wiege auch er gestanden, besonders hervorheben wollenso ist es der rühmlichst bekannte jüdische Frauenvereinan deffen Spitze seine ebenbürtige Gemahlin steht. Nun wollen wir uns alle in der Bitte zum lieben Gott vereinigen, er möge uns diesen selbstlosenguten und frommen Führer zur Freude seiner Familiezum Wohle unserer Gemeinde, zur Ehre und Ruhme des Judentums noch lange, lange erhalteni