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Die Wahrheit · 1920-04-27 · Heft 5 (27.4.1920) · page 4

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Journal
Die Wahrheit
Volume
1920
Issue
Heft 5 (27.4.1920)
Date
1920-04-27
Page
– (sequence 4)
Language
German
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Seite 4 Die Wahrheit Nr. 5 allüberall rechnen, die sich nicht in den Trubel der bezahüen Aufwiegler hineinzerren lasten, und wenn Banden, wie in der Tschecho-Slowakei, in Polen, in Ungarn, eine Verfolgung unschuldiger Juden in Szene fetzen sollten, dann wird auch hier das gewichtige Machtwort der siegreichen Großmächte solch einem entmenschten Treiben Halt zu gebieten wissen. In bewußter dumm-dreister Schlechtigkeit sehen die Judenfeinde nur immer aus irgendein Vorkommnis vereinzelter Art und suchen dieses für ihre skrupellosen Zwecke in niedrigster Weise auszubeuten. Die jüdischen Gelehrten, die jüdischen Künstler, die jüdischen Musiker, die jüdischen Entdecker und Erfinder, das begnadete jüdische Genie wollen die bornierten Hetzapostel nicht sehen oder aber sie erblicken in der Durchsetzung eines jüdischen Talentes auf irgend einem Gebiete sofort eine Verjudung und schmettern leichtfertig in chre von Haß engherzig begrenzte Welt hinaus: Die Juden beherrschen die Presse, beherrschen die Finanzwelt, beherrschen den Markt, sie beherrschen den gesamten Handel, beherrschen die Ernährung, sie beherrschen die Industrie, den Verkehr, die ganze Volkswirtschaft, sie beherrschen die Regierung, kurz die Juden beherrschen die ganze Welt! Diese aus den Wählerfang berechnete Taktik ist zu durchsichtig, um noch bei vernünftig denkenden Leuten widerlegt werden zu müssen. Gerade bei der jetzigen Regierung, wo christliche und sozialistische Parteimänner einander eifersüchtig auf die Finger sehen, ist der Vorwurf der Verjudung sehr schlecht angebracht. Dort aber, wo Juden zur Regierung zugelaffen wurden, wie in E'gland und Italien, ist der Staat zur höchsten Blüte gelangt. Die christlichnationalen Regierungen in Polen und Ungarn haben bis jetzt nur Mord und Schrecken verbreitet; sie können Industrie und Gewerbe, Handel und Verkehr, Wissenschaft und Kunst doch nur mit Hilfe des jüdischen Geistes zu neuem, tätigen Leben erwecken. Denn der jüdischeGeist erfüllt das gesamte öffentliche Leben wie ein unsichtbarer Lebensodem, der von Gott der Menschheit eingegeben wurde; er ist die motorische Kraft, die Bewegung und Tätigkeit hervorbringt; er ist das Lebenselixir zur Erweckung der latenten Energie im Denken und Fühlen. Das spüren unsere Feinde instinktiv und deshalb faseln sie von einer Herrschaft dx§ Judentums und deshalb hassen sie uns. Aber sie können uns nichts anhaben, denn wie die Seele im Menschen unsterblich bleibt, so bleibt der jüdische Geist im Weltall ein Ewigkeitsfunken, an dem sich überall, wo er glüht, neues, pulsierendes Leben entfacht. Wir können nicht untergehen. Empor die Herzen! Gewiß .gibt es auch an unserem Stamme krankhafte Auswüchse; diese tragen aber zur Gesundung des ganzen Volkskörpers bei, der trotz seines Alters durch stets ihn verjüngende Säfte kräftig und sturmfest bleibt, um die reinliche Scheidung von unvermeidlichen Mißbildungen aus sich selbst heraus zu vollziehen. Diese unvermeidlichen Mißbildungen, die wie ein Elementarereignis unabwendbar sind, geben auch unseren haßerfüllten Gegnern neuen Stoff zur Vernaderung. Als ob wir allein die Mission hätten, vor aller Welt als untadelige Musterknaben zu wandeln und ein faux pas eines einzelnen allen zur Last fiele. Wenn ein Defraudant mit jüdischem Namen ertappt wird, dann zetern die Judenfeinde, als ewige Wächter unserer Moral, aber nicht der eigenen, daß alle Juden Defraudanten sind; ist an irgendeinem Verbrechen unter zehn Teilnehmern auch ein Jude dabei, dann sind natürlich alle Juden Verbrecher. Und die Revolution, und die Putschversuche, und gar der Kommunismus — alles, alles ein Werk der Juden! Mit Verlaub, was gerade den Kommunismus anlangt, so ist er zunächst ein philosophisches Problem, wie man etwa von Realismus, Pragmatismus oder Materialismus spricht. Die kommunistische Idee geht merkwürdiger Weise von den — ersten Christengemeinden aus. Die Gleichheit des materiellen Lebens unter dem Panier des Evangelinms, durch die Liebe und die Verwirklichung des Gedankens der Brüderlichkeit vereint, ist bereits der Anfang jenes Kommunismus, den später auch Geistliche, wie der Dominikanermönch Thomas C a m p a n e l l a, der Priester de Lamennais, der Ab bä Constant neben anderen großen Geistern zu verwirklichen suchten. Es hat sogar in der neuesten Zeit eine k o m m u n i st i s ch e Christengemeinde in Amerika gegeben. Das aber wollen unsere Feinde nicht wissen; das paßt ihnen nicht in den Kram. Auch einzelne Juden sind unter den Kommunisten, also sind alle Juden Kommunisten.-r— Man wird vergebens versuchen, eine starke Welle, die sich im Strome der Zeit emporschwingt, mit einem bloßen Handgriff beiseite zu schaffen. Die Natur hat ihre Gesetze und hat auch die Macht, sie durchzusetzen und wieder zu beseitigen. Deshalb sind die Wellen der Revolution und damit des neu auflebenden Judenhasses als Naturphänomene zu werten, die nach dem Gesetze der Serie kommen und wieder vergehen müssen. Wir Juden aber sind als tausendjährige Kulturträger ein Faktor im Weltall, der in sich die Kraft fühlt, die Mission des einzigen GotteS unerschütterlich

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