Die Wahrheit
- Journal
- Die Wahrheit
- Volume
- 1920
- Issue
- Heft 5 (27.4.1920)
- Date
- 1920-04-27
- Page
- – (sequence 3)
- Language
- German
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AnaWngMZeWM für MMeMeEn- Fernruf REDAKTION ^ADMINISTRATION 42-2-16 Wien, 2. Kaiser Jasesstratze 13 Wien, 27* April 1920 XXXVI. Jahrgang Nummer 5 Sursum coröa! Von Dr. Heinrich L a n d - A u, Wr.-Neustadt. Die Herzen hoch und nicht verzweifeln! Mögen unsere erbitterten Feinde auch der Meinung sein, daß jetzt wieder die Zeit für ihre Machtentfaltung gekommen fei und mögen sie der durch Jahre ausgehungerten Menge den Juden als Lockspeise hinwerfen wollen — die großen Volksmasien find wohl durch den Krieg und feine entsetzlichen Folgen erbittert und zügellos geworden, aber das alte, beliebte Hetzmittel gegen die Juden hat nicht mehr' die frühere Wirkung, hat nicht mehr den erhofften Erfolg, hat nicht mehr die alte werbende Kraft. Der großen Mehrheit ist es ja nur um die Befriedigung der jahrelang versagten Wünsche zu tun, sie will sich vor allem einmal sattessen und da fragt sie nicht so sehr darnach, wer etwas hat, sondern wo etwas zu finden ist. Diejenigen, die den Giftpfeil gegen die Juden abschießen, werden daher das Schauspiel erleben, daß sich der Pfeil vielleicht gegen die verblendeten Schützen selbst wendet. Unsere Feinde werden aber auch bald einsehen müssen, daß noch immer Recht und Gerechtigkeit in aller Welt herrschen und daß die Menschenfreunde allenthalben gegen sinnlose Judenhetzen ihr Veto einlegen werden. Wir werden nicht verzweifeln, wenn mit einem baldigen Umschwung gedroht wird, wir müffen unseren Feinden ruhig ins Auge sehen und unser gutes Recht verteidigen! Was wollen sie denn von uns? In schamlosester Weise hetzt die judenfeindliche Presse in Wien, in der Provinz und überall gegen die Juden. Die unglaublichsten Dinge werden aufgetischt und alle Schuld am Kriege, alle Schuld am schmachvollen Frieden, alle Schuld an der Not der Bevölkerung, an der horrenden Teuerung, ja selbst alle Schuld am herrschenden Regierungssystem wird den Juden zugeschrieben. Sehen, die antisemitischen Skribifaxe, daß ihre Leser denn doch nicht so dumm find, diesen täglich aufgetischten Unsinn zu glauben, so legen sie rasch eine neue Hetzwalze in ihren Leierkasten und im politischen Gaukelspiel heißt es nun: Die Juden haben alles in Hülle und Fülle, während die anderen hungern müssen; die Juden haben das Geld und leiden keinen Mangel, den Juden-ist nichts zu teuer, sie kaufen alles auf, sie treiben die Preise in die Höhe, sie sind Wucherer, Schieber, Kettenhändler und daS Volk darbt! Ja, das Volk darbt, aber darunter ist auch die große jüdische Masse. Nur daS feiste Bäuerlein steht vor seiner gefüllten Vorratskammer und lacht über den gelungenen Trick. Gr hat alles im Ueberfiuß, er verkauft seine Bodenprodukte um übermäßige Preise, er tauscht für Milch, Butter, Eier, Kartoffel, Mais, Mehl, Obst, Hülsenfrüchte ganze Unmassen von Kostbarkeiten ein; aber die Parteigenossen der reichgewordenen Bauern schreien der Menge zu: Der Jude ist an allem schuld; der Jude hat alles; der Jude ist ein Fremdling, hinaus mit ihm! Haut den Juden! Wehe, wenn die Masse aus diesen Hetzrus hin losbricht! Wehe, wenn sich die ausgehungerten Horden auf die Besitzenden stürmen werden! Es werden ja auch einige Juden vom Sturm erfaßt und niedergeriffen werden, aber die einmal losgelassene Meute wird chren Hunger dort zu füllen suchen, wo etwas zu holen ist; der einmal entfesselte Mob kennt keine Rücksicht und keine Schranken. Die Volkshetzer mögen sich ihrer verruchten Tat nur bei Zeiten bewußt werden. Das Lügengebäude von der Mischen Lebensmittelbewirtschastung wird auch solange in die Höhe gebauscht werden, bis es jählings einstürzen und seine leichtsinnigen Ausbauscher mit sich begraben wird. Wir dürfen den Ernst dieser Hetze allerdings nicht verkennen und unsererseits nicht untätig zufehen. Wir dürfen auf die einsichtsvollen Männer und Frauen