Die Wahrheit
- Journal
- Die Wahrheit
- Volume
- 1920
- Issue
- Heft 2 (18.3.1920)
- Date
- 1920-03-18
- Page
- – (sequence 11)
- Language
- German
- Belongs to
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Nr. 2 Die Wahrheit Seite 11 des im Kriege gefallenen Dichters Leutnant Dr. Hugo Zuckermann. Aus diesem Anlasse erschien der Vorstand des Frauenvereines wie der der „Chewra Kadischa" und mehrere Honoratioren, der Greisin Glückwünsche zu überbringen. Als Sprecher der Deputation des Frauenvereines dankte Herr Rabbiner Dr. Grünfeld der Ehrenpräsidentin für - ihre langjährige verdienstvolle Wirksamkeit auf Humanitären Gebiete und brachte in beredter Sprache die Geburtstagswünsche. Hierauf trug Fräulein Trude L ö w y, die Tochter des Kultusvorstehers, ein Widmungsgedicht, verfaßt vom Herrn Oberkantor Wilkowitsch, vor. Im Namen des neugewählten Vorstandes des Frauenvereines sprach Frau Vizepräsidentin Gottlieb und würdigte das segensreiche Wirken der aus dem Vorstande "»scheidenden Präsidentin. Antisemitisches aus München. Selbstverständlich von denselben Alldeutschen ausgehend, die durch ihren Kriegswillen und Kriegsverlängerungshang so unendliches Elend über das eigene Vaterland und über alle Welt gebracht. In Ermangelung ihres früheren Betätigungskreises haben sich die Alldeutschen auf ihren früheren Sport der Judenhetze besonnen und fordern, zunächst in einer Versammlung in München, für dort das Einreiseverbot für Ostjuden. Man kennt die alte Melodie. Ostjuden heißt es und Alljuden ist gemeint. Logisch damit zusammenhängend ist die Forderung, Juden, die vor dem Juli 1918 ansässig waren, auszuweisen. Es war stets der Gipfel der Ratlosigkeit für alles Ungemach der Zeit, für alle auS der Zeiten Not entstandenen Uebel den Juden vorzunehmen. Das Grab des Wilnaer Gaon geschändet. Die „Wilnaer Jüdische Zeitung" meldet, daß der alte jüdische Friedhof in Wilna, welcher schon einmal von polnischen Soldaten beschädigt worden war, nunmehr wieder daS Ziel ihrer nationalkulturellen Betätigung gewesen ist. Nach dem Einzug der Polen in Wilna haben polnische Soldaten auf dem Friedhof, welcher für die Stadt große historische Bedeutung hat, eine Pferde st ation errichtet, die Umfriedung beschädigt, Gräber zerwühlt, Grabmäler umgeworfen uud ruiniert und der Wilnaer Rabbi Rubinstein hatte viel Mühe, die Entfernung der das Pietätsgefühl der Juden schändenden Einquartierung durchsetzen. Nachdem durch Rabbi Rubinsteins Bemühungen die Wiederherstellung des Friedhöfeunter vielen Opfern durchgeführt, worden war, hat sich vor kurzem ein neuer schändlicher Vorfall ereignet: Polnische Soldaten drangen in den Friedhof ein indem sie das Gitter zerbrachen, vernichteten den Denkstein auf dem Grabe des Gaons von Wilna und schändeten auch viele andere Leuchten des Judentums, welche auf dem Friedhofe zu Wilna ruhen, so das Grab des Rabbi Samuel Landau. Professer Sulzer als Jnbilar. Anläßlich seines siebzigsten Geburtstages und fünfzigjährigen künstlerischen Wirkens war der beliebte Professer Josef Sulz er, ein gefeierter Meister auf dem Cello und seinerzeit hervorragender Chordirigent Gegenstand erhebender Ovationen und wurde ihm im Tempel eine erhebende Feier gewidmet. Aber auch an weltlicher Huldigung ließen es seine vielen Freunde und Verehrer nicht fehlen. Das Carltheater veranstaltete eine Festvorstellung, wobei Georg Reimers einen von Moriz Gutmann verfaßten Prolog wirkungsvoll zum Vortrag brachte. Eine Konzertakademie gab dem jugendfrischen Jubelgreise Gelegenheit, die Festteilnehmer mit meisterhaften Vorträgen eigener und fremder Kompositionen auf dem Cello zu erfreuen, und wie um zu beweisen, daß die künstlerische Ueberlieferung im Hause Sulzer lebendig fortwirke, ließ sich sein Sohn Rudolf als geschmackvoller Liedersänger hören. Professer Josef Sulzer hat besonders zur Pflege und Erhaltung des synagogalen Gesanges Hervorragendes gelüstet und im Geiste seines verewigten Vaters des unvergeßlichen Salamon Sulzer zur Verherrlichung des jüdischen Gottesdienstes beigetragen. Namentlich die Kompositionen und Responsorien des unvergänglichen „Schir Zion" 1. und 2. Teil fanden an Josef Sulzer einen pietätvollen Schützer und Interpreten, der sich besonders als Chormeister in diesem Sinne große Verdienste und Anerkennung erwarb. Das Komitee zur Sanierung der notleidenden israelitischen Wohlfahrtsanftalteu Wiens hatte anläßlich des Purimfestes eine Beteilung im Versorgüngshaus, Taubstummeninstitut und in der Blindenanstalt vorgenommen. Zu diesem Zwecke bildete sich ein Damenkomitee bestehend aus den Damen: Frau Bezirksrat Rübner, Frau Doktor G r u n w a l d. Fr. Sch n i tz e r, Frau Minna Berger, Frau Dohany, Frau Kornmehl, Frau Denes, Frau H e r z l, Frau Haas, Frau Doktor T i ch o und Frau Direktor Haber. Die Damen haben nicht nur in aufopfernder Weise sich selbst bei der Verteilung betätigt, sondern jede einzelne hat in ausgiebigem Maße durch Spenden von Backwerk ihr Scherstein beigetragen, ebenso wurden viele Bekannte des Komitees zu Spenden veranlaßt. Die Damen haben sachgemäß in folgender Weise ihre Tätigkeit ausgeübt: Für das Versorgungshaus wirkten unter der Führung der Frau Bezirkrat Frau Rübner die Damen Frau Berger, Frau Weiner, Frau Dohany, Frau Korn mehl, Frau Haas, Frau Doktor Ticho, und Frau H e r z l, für das Taubstummeninstitut unter Führung der Frau Doktor Grunwald, Frau Denes, Frau und Herr Direktor Haber. Das Blindeninstitut bewirtete Frau Sch n i tz e r ganz allein. Am Vorabend wurde ein feierlicher Gottesdienst im eigenen Temlel des Versorgungshauses abgehalten, dem das Damenkomitee, sowie die Herren Berger, Weiner, Verwalter Popper und alle Beteilten beiwohnten. Es läßt sich die Freude aller Kranken und Siechen kaum vorstellen, denn ein gutes Fleischnachtmahl zählt zu den Seltenheiten in diesem Hause. Am Purimtag bekamen die Leute ein reichliches Mittagmahl und eine Jause. Auch wurden in reichem Maße Geschenke verteilt. Anwesend waren die Herren Hofrat R a p p a- Port, Berger, Weiner, Haas und Korn me hl, und das Damenkomitee, an das Herr Hofrat Rappaport nach der Verteilung im Namen des Vorstandes der Kultusgemeinde einige Worte der Anerkennung richtete. Ebenso sprach er dem Sanierungskomiree seinen Dank aus; Herr Berger und Herr Weiner