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Die Wahrheit · 1920-03-18 · Heft 2 (18.3.1920) · page 10

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Journal
Die Wahrheit
Volume
1920
Issue
Heft 2 (18.3.1920)
Date
1920-03-18
Page
– (sequence 10)
Language
German
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Seite 10 .u»«so*u.sKiBiuw^auEro»ecsA.' Die Wahrheit Nr. 2 Schieber, Schwindler, Wucherer oder Schnorrer gehören. Auf der Photographie, mit der Hilsner hausiert, erscheint er als ein stattlicher und rüstiger Mann, weder märtyrerhast noch gebrochen, in moderner Gewandung, auch in der Bartlosigkeit der Mode huldigend. Er wäre unseres Erachtens wohl noch in der Lage, sein ehrsames Schuhmacherhandwerk, das jetzt einen dreifach goldenen Boden hat, als Meister oder Gehilfe auszuüben und nicht bemüßigt, das Judentum durch die entwürdigendere Art des Bettlergewerbes zu schädigen. Das möge an jene Adresse gesagt sein, die berufen ist, den Hilsnerskandal auf die eine oder andere Art zu beseitigen. Die Juterkoufessionellität der Menschenliebe. Der bekannte amerikanische Multimillionär John Rockefeller hat sich an Oberst Ginsburg, den Leiter der Hilfsaktion für die Ostjuden, mit folgendem Brief gewandt: Obwohl wir annehmen, daß nur Geldsammlungen von Juden beabsichtigt sind, würden mein Vater und ich es uns zur Ehre anrechnen, wenn man. uns gestatten würde, zugleich mit unseren jüdischen Mitbürgern zum Gelingen dieser Aktion beizutragen. Wenn also das geehrte Komitee nichts dagegen hat, als Spende 75.000 Dollar (mein Vater 50.000 und ich 26.000) anzubieten". Diese an unsere Valuta gemeffene Millionenspende der Rockefellers für arme, vom Schicksal schwer heim gesuchte Juden zeigt,' daß selbst die Ozeanscheide kein Hindernis für die Betätigung wahrer Humanität bei Andersgläubigen ist. Amerika, du hast es auch in diesem Punkte besser als unser alte Kontinent; besonders als unser wegen seiner Gemütlichkeit einst gepriesenes Men. Rockefeller, Vater und Sohn, sind gewiß so gute Christen als der Abgeordnete Dr. Schöpfer, der anläßlich des christlichsozialen Parteitages seiner Ueberraschung darüber Ausdruck gab,, daß die „Judenfrage" gar nicht oder nur fachte berührt worden ist. .Ich, sagte Dr. Schöpfer, bin kein solcher Antisemit wie einst unser Kollege Ernest Schneider. Aber beachten Sie doch, daß der eigentliche Sieger des Krieges das internationale Judentum ist, das uns geistig und materiell ausbeutet. (Zustimmung) Der Parteitag kann an einer Stellungnahme zur Judenfrage nicht vorübergehen. Das ist nicht gegen die Nächstenliebe, das ist christlich gebotene Selbsthilfe, das ist die Sorge für unsere heiligsten Güter." Abgesehen davon, daß man sich eine geistige Ausbeutung durch Juden ebensowenig denken kann, wie Dr. Schöpfer selbst sich dabei etwas gedacht hat, ist die Wahrheit, daß die materielle Ausbeutung der österreichischen Gesamtbevölkernng nach übereinstimmender Meinung aller beteiligten Kreise durch die Klein- und Großbauern geschieht, die gewiß nur arisch und so judenrein sind, daß sie zur treuesten Gefolgschaft des Dr. Schöpfer und Genossen zählen. Bei ihnen ist die rücksichtsloseste Profitgier, die niemandem schont, Lebenszweck, während die amerikanische Christenheit, wie zahllose ihrer Hilfsaktionen beweisen, auch noch für das riesengroß emporgewachsene Sonderelend der Juden offene Herzen und offene Arme hat. Von Nah und Fern Au die geehrten Leser! Nach,Erscheinen der ersten Nummer der „Wahrheit" unter Leitung des neuen Herausgebers erhielt dieser aus allen Kreisen des Judentums so viele Beweise der Anerkennung und Aufmunterung, daß er, freudig bewegt, hiefür an dieser Stelle seinem Dank Ausdruck geben muß. Mcht minder dankbar ist er für die mannigfachen Anregungen und beachtenswerten Ratschläge betreffs der weiteren Führung des Blattes. Es wurde ja bereits in voriger Nummer an leitender Stelle erklärt, daß der Herausgeber sein Unternehmen als in einem Uebergangsstadium begriffen, des Aufschwungs harrend betrachte, daß es die Kinderkrankheiten überwinden müsse und werde. Dies kann aber nur dann der Fall sein, wenn dem Blatte die werktätige Hilfe aller, die mit seinen Zielen und Tendenzen übereinstimmen, in weitestem Maße zuteil wird. Für diesen Zweck genügt nicht das unmittelbare Entgegenkommen allein, es ist eine umfassende Werbearbeit aller Freunde und Anhänger der „Wahrheit" Voraussetzung. Jedermanns Aufgabe soll es daher sein, unter seinen Bekannten und Gesinnungsgenossen neue Bezieher der „Wahrheit" zu gewinnen und anzuregen, daß jene in gleicher Weise tätig werden. Nur dann, wenn die Tatsache gegeben ist, daß eine bedeutende Anzahl unterstützender Gesinnungsgenossen zu diesem Blatte stehen, kann es gegen der Zeiten Ungunst erfolgreich ankämpfendie Opfer bringen, die Kosten bestreiten, die jetzt, bei einer ungeheuren Belastung jedes Zeitüngsbetriebes erforderlich' sind und der bereits manches Blatt ohne von Haus aus bestehende kapitalistische Fundierung erliegen mußte. Daß die „Wahrheit" nicht von ähnlichem Schicksal ereilt werde, sei Ehren- und Gewissenssache jener, die sich zu ihr bekennen und an ihre Zukunft glauben. An alle Treugesinnten ergeht daher der eindringliche Ruf zur persönlichen Kleinarbeit im Werben, aus der unfehlbar der große Erfolg resultieren wird zum Wohle der großen guten Sache, der sich die „Wahrheit" und ihre Mitarbeiter uneigennützig widmen. Ans Werk denn, mit Eifer und Beharrlichkeit! Lebensfragen und Entwicklnngswöglichkeiten des Judentums. Ueber dieses Thema sprach Oberrabbiner Dr. Z. P. Chajes gelegentlich einer Versammlung in den Rosenfälen. Redner schilderte in einer gedankenreichen formvollendeten Rede die Grüße der Bibel und die hohe Bedeutung jüdischer Erziehung. Hierauf sprach der Direktor des Wiener hebräischen Realgymnasiums Dr. Kellner über die jüdische Schule. Referent der Versammlung war Herr Heinrich Weiß, Obmann des israelischen Tempelvereines für den 10. Bezirk, doch ging die Einberufung der Versammlung glicht von letzterem aus, sondern vom Präsidium der Zionistischen Bezirkssektion X/XI. Eine Jubilarin der Nächstenliebe. Am 8. d. M. beging Frau Charlotte Kohn, Alterspräsidentin des israelitischen Frauenvereines in Eger, das Fest des 80. Geburtstages. Sie ist die Großmutter

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