Die Wahrheit
- Journal
- Die Wahrheit
- Volume
- 1920
- Issue
- Heft 2 (18.3.1920)
- Date
- 1920-03-18
- Page
- – (sequence 12)
- Language
- German
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Seite 12 Die Wahrheit Nr. 2 erwiderten, dankten dem Damenkomitee für seine aufopfernde Tätigkeit für das Versorgungshaus, Taubstummen- und Blindeninstitut. S. Weiner. Juda Makkabäus. Die erste Bühnenanfführung von Ludwig Sandows Oper „Juda Makkabäus" unter dem Protekorat des High Comissioners der Vereinigten Staaten von Amerika Mr. Albert Halstead findet am 10. April im Bürgertheater statt. Der Kartenverkauf begann am Mittwoch, den 17. d. an der Kaffe der Konzertdirektion Guttmann, Maximilianstraße 4. Ueberzahlungen und Spenden für die Fortsetzung der amerikanischen Kinderhilfsaktion nimmt das Bankhaus S. M. v. Rothschild, 1. Renngaffe 3, entgegen. Nus denTempelvereinen* Tempelverei» für den 4. und S. Bezirk. Die Generalversammlung fand kürzlich unter Beteiligung zahlreicher Mitglieder und Gäste statt. Nach Begrüßung der Delegierten, der Damen Karoline Hofman, Alice Fischer und Alper für den Magaretener Frauenverein, der Herren Dr. Elias Prinz (für die Kultusgemeinde), Philipp Weiß (für den Tempelverein Jofefstadt), Ignaz Glüa (9. Bezirk), Heinrich Weiß und Jakob Straßberg (10. Bezirk), Dr. Bruno Werner (19. Bezirk), Nußbaum und Phil. Adler (Machfike Thora) durch den Obmann des Vereines. Herrn Adolf Hofmann, wird der Jahresbericht vom Schriftführer Dr. F r i e d j u n g verlesen. Dieser gedenkt pietätvoll vorerst der im letzten Jahre verblichenen Mitglieder und des verstorbenen Vizepräfidenten der Kultusgemeinde, Herrn Simon, beschäftigt sich sodann vornehmlich mit der durch die derzeitigen Verhältnisse bedingten ungünstigen wirtschaftlichen Situation der Funktionäre, zählt alle Mittel auf, die die Lage der Angestellten halbwegS bessern sollten und weist auf die in der Bilanz vermerkten bedeutend erhöhten Posten für Gehalte, Teuerungszulagen und Anschaffungsbeiträge hin. Trotz gller dieser Palliativmittel sei die Lage der Funktionäre eine höchst bedauernswerte und eS bedürfe der kräftigen Unterstützung seitens der Mitglieder und der Kultusgemeinde, um der Angestellten HalbwegS über die schlechte Zeit hinwegzuhelfen. Der Bericht berührt dann die Chorfrage, beklagt den durch die Beheizungs- und Beleuchtungsvorschriften bedingten Entfall des Jugendgottesdienstes und des Unterrichtes in der Bibelschule, zählt alle wichtigen Daten des internen TempelbetriebeS auf, erwähnt die Bestätigung der neuen Statuten seitens der Landesregierung und wünscht endlich dem Vereine weiteres Blühen und Gedeihen. Dr. Münz überbringt die Grüße der Kultusgemeinde, hebt den großen Wert der Tempel¬ * Die geehrten Vorstände der p. t. Tempelvereine werden höfiichst ersucht im Sinne unseres heutigen Programmes Mitteilungen über alle Vorkommnisse, deren Veröffentlichung ge wünschen, an unsere Zeitschrift gelangen zu lassen. vereine hervor, die der Kultusgemeinde große Arbeit und Lasten abgenommen hätten. Aus eigener Initiative, ohne Zwang hätten sich Männer zusammengetan, um selbst für die Erfüllung ihrer religiösen Bedürfnisse zu sorgen, sie wünschen daher auch zur Zeit der Not der werktätigen Hilfeleistung der Kultusgemeinde teilhaftig zu werden. Redner verspricht wohlwollendste Prüfung und Unterstützung der Subventionsgesuche der Tempelvereine. Herr Ignaz Glück begrüßte 'in dreifacher Eigenschaft, als Vorstandsmitglied des Tempelvereines für den 9. Bezirk, des Aktionskomitees der vereinigten Tempelvereine in Vertretung des Obmannes desselben, Direktors Dr. Krenberger und als Mitglied des Margaretner Tempelvereines die Versammlung, freut sich mitteilen zu können, daß in der Kultusstube eine den Tempelvereinen viel entgegenkommendere Haltung eingenommen werde, daß die Wertung der Tätigkeit der Tempelvereine bedeutend gestiegen sei und daß bei den Wahlen in den Kultusvorstand den Tempelvereinen durch Zuweisung einer Anzahl von Mandaten weitgehende Berücksichtigung gewährt werde. Es sei sehr zu bedauern, daß durch die Ungunst der Verhältnisse und die prekäre finanzielle Situation der Kultusgemeinde diese allen ihren Pflichten derzeit nicht Nachkommen könne. Dr. Sprecher als Vertreter der jüdischnationalen Partei begrüßt in deren Namen das geschlossene Kompromiß bezüglich der Wahl in den Vereinsvorstand, verspricht tatkräftiges Mitarbeiten bei allen Vereinsangelegenheiten und wird über Anregung Dr. Friedjungs an maßgebender Stelle seiner Partei dafür eintreten, daß den^Tempelvereinen bei Aufstellung der Kandidatenliste in den Kultusvorstand einige Mandate eingeräumt werden. Nachdem Dr. Werner namens des Döblinger Tempelvereines Grüße übermittelt und Ehrwürden Rabbiner H. Reich zu einigem Vorgehen aller Parteien aufgefordert und die jüdischnationalen Vertreter zu regem Besuche des Gottesdienstes aufgefordert hatte, wird nach einem Berichte des Revisors Herrn Max Spitzer über die korrekte Führung der Bücher und klaglose Gebarung dem Vorstande einstimmig das Absolutorium erteilt. Beim nächsten Punkte der Tagesordnung „Neuwahl des Vorstandes" gedenkt der Vorsitzende zunächst der Verdienste der eine Wiederwahl ablehnenden Herren Dr. Bernhard Singer und I. Gutmann und macht Mitteilung von dem mit der jüdischnationalen Partei geschlossenen Kompromiß, laut dessen dieser Partei 4 Mandate zugewiesen wurden; es habe sich daher, da keine Gegenliste aufgestellt wurde, eine Kompromißliste ergeben, um deren einstimmige Annahme er im Interesse des Friedens bitte. Nachdem mehrere Redner ihrem Unwillen über den Abschluß deS Kompromisses Ausdruck verliehen, Obmann Hofmann, dessen konzilianter Leitung der trotz aller Erregung würdige Verlauf der Versammlung zu danken war, und Dr. Friedjung Aufklärung über die Gründe, die zum Kompromiß geführt hatten und über das Wesen deS Proporzwahlsystems» gegeben hatten, wird zur Wahl geschritten, als deren Resultat die fast einhellige Wahl der Herren Adolf Hoffmann, Ignaz Taussik, Dr. Ernst Friedjung, Dr. Max Sprecher, Samuel Stein, Desider Wollner, Wilhelm Alper, Josef Berger, Jg.