Die Wahrheit
- Journal
- Die Wahrheit
- Volume
- 1920
- Issue
- Heft 2 (18.3.1920)
- Date
- 1920-03-18
- Page
- – (sequence 6)
- Language
- German
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Nr. 2 Die Wahrheit <§>ette 6 Die Aufgaben der slowakischen Orthodoxie. Oberrabbiner Kolo man Weber, Pystiän, Präsident deS Zentralbüros der orthodoxen israelitischen Gemeinden in der Slowakei, äußerte sich gegenüber des Herausgebers der jüdischen Preßzentrale, Zürich über die Aufgaben der slowakischen Orthodoxie wie folgt: „Ein gut Dritteil der orthodoxen Gemeinden des früheren Ungarn befindet sich auf dem Gebiete der'Slowakei. — Gewiß, wir sind zusammengeschrumpft und arg reduziert, aber wir sind homogener geworden. Während im alten Ungarn große Gemeinden, wie MSkolez und Balasiagyarmat, durch ihr ständiges Liebäugeln mit den Neologen eine Gefahr für die Orchdoxie bildeten, gibt es unter den Gemeinden, die sich uns angeschloffen haben, vielleicht keine einzige, die nicht von der Notwendigkeit der Orthodoxie innerlich überzeugt wäre. Diese Gesinnungsgleichheit der orthodoxen Gemeinden bestärkt mich in der Hoffnung, daß die großen Fragen, die dringend der Lösung harren, auch eine glückliche, nach allen Seiten hin befriedigende Lösung finden werden. Unter diesen Aufgaben möchteich die Jeschiboth-Frage, die Schaffung eines Pensionsfonds für die Kultusbeamten, wie auch die Befferung der materiellen Lage der Rabbiner an erster Stelle erwähnen. Insbesondere die Versorgung der Jeschiboth liegt mir sehr am Herzen. — Sind doch die Jeschiboth der Lebensnerv unserer Orthodoxie, und diese haben nicht etwa blos für das Inland eine ganz ungewöhnliche Bedeutung, sondern auch das Ausland, das unsere Jeschiboth beschickt, hat schon viele Talmudgelehrte aus dem hiesigen Jeschiboth gewonnen. — Ich verweise auf Preßburg, Galanta und Hunsdorf, die von zahlreichen ausländischen Bachurim besucht sind". In weiterer ^Ausführung seiner Ideen sagte Oberrabbiner Weber: „Wir sind geneigt, uns mit jedem zu alliieren, wenn die Thora-Interessen gewahrt bleiben, lehnen aber jedes Zusammengehenab, wenn auch nur das geringfügigste religiöseJntereffe durch dieses Zusammengehen gefährdet erscheint. Ein großer Lehrer und Meister, der berühmte Hunsdorfer Gaon, hat sechs Wochen vor seinem Ableben in einer kleinen Rabbiner- und Laien-Versammlung, die vom Preßburger Oberrabbiner eigens nach Poprad — einem Städtchen in der Nähe von HunSdorf — einberufen wurde, damit auch der alte Mann teilnehmen könnte, Worte zu uns gesprochen, die verewigt zu werden verdienen; sie lauten : „Die Orthodoxie, die religiösen Interessen, müffen wir in erster Reihe sichern, dann erst kommen die wirtschaftlichen Jntereffen in Betracht; werdet Ihr für die rein religiösen Ansichten eintreten, dann wird der Allmächtige — dessen seid versichert — auch Euere irdischen Interessen beschützen." Die Worte des verewigten großen ManneS sollten in allen Lagern unseres Volkes beherzigt werden. Wahrung „der religiösen Jntereffen in erster Reihe" sollten wir auf die Fahne schreiben, die wohl alle Parteien um sich scharen könnte. Wer eS mit dem Judentum ehrlich meint, wird gerne mittun, um die Lösung der großen Fragen im Sinne der obigen Ausführungen zu lösen. Die große Bedeutung der Jeschiboth für das gesetzestreue Judentum muß von allen Glaubensgenoffen anerkannt werden. Auch von solchen, die nicht auf streng orthodoxem Boden stehen. Sind doch auch die größten Forscher und Gelehrten des vorigen Jahrhunderts^ Redner, wie Sax und Jellinek, Forscher, wie Rappaport, Frankel, Zwatz,. Krochmal, Weiß und Grätz mehr oder weniger aus Jeschiboth heroorgegangen. Der Präsident des Zentralbüros der orthodoxisch-israelischen Gemeinden kann darum auf die tatkräftige Unterstützung aller Gutgesinnten rechnen und es wäre nur zu wünschen, daß auch in anderen Ländern die Wahrung., der religiösen Jntereffen im Vordergrund der Parteikämpfe ständen. Es würde sich dann — dies ist die Meinung vieler — eine Verständigung zwischen den Parteien leicht erzielen lassen. Die Einführung in den Talmud. Von Professor Dr. Samuel Krauß. Der Talmud, dieses Riesenwerk und nächst der Bibel die wichtigste Schöpfung des jüdischen Geistes, wird zwar noch immer von Tausenden und Abertausenden studiert und zum Berater in allen religiösen Fragen gemacht, aber sein Wesen und seine Entstehung, kurz was von ihm als literarischem Werke zu wissen nötig ist, wird selbst von diesen Kreisen schwer erfaßt, wenn in diesen Kreisen außer dem „Lernen" überhaupt noch das Bestreben besteht, ihn als Ganzes zu erfassen und nach seiner Bedeutung zu würdigen. In den ungezählten Tausenden der modernen Westjuden weiß man überhaupt nichts vom Talmud, es sei denn, daß man seinen Namen gehört hat, den aber nicht immer Verehrer im Munde führen, sondern Leute, die auf den Talmud nur in gehässiger Form Hinweisen können und das sind zumeist Leute, die auch dem ganzen Judentum feindlich gegenüberstehen. Die Ankläger des Talmud wiffen freilich noch weniger zu sagen, was eigentlich der Talmud ist, und das Arge