Die Wahrheit
- Journal
- Die Wahrheit
- Volume
- 1920
- Issue
- Heft 1 (4.3.1920)
- Date
- 1920-03-04
- Page
- – (sequence 11)
- Language
- German
- Belongs to
- journal issue
- OCR quality
- 94% known words query
- IRI
…/3062972-3063928-3063929--10786-3078153- Visual Library
- page viewer of the UB Frankfurt
OCR text
Die Wahrheit Seite 11 Nr. 1 fremden Leuten oder bei eigenen Stammesgenoffen, wenn sie das Glück haben, solche irgendwo anzutreffen, den Unterhalt des nackten Lebens, bis sie sich nach fürchterlichen Reisestrapatzen nach Jaffa durchschlagen können. Sie erzählen dann den Brüdern hier ihre Not, die blutige Nat eines für vogelfrei erklärten Volkes in einem Lande, wo sich über die Hälfte desselben beisammen findet. Sie zählen die Namen der Getöteten, Gemarterten, Erhängten, Erschaffenen, Lebendigbegrabe,»en, zu ewigen Krüppeln Geschlagenen auf und Ströme heißer Tränen fließen aus ihren und der Zuhörer Augen ob der himmelschreienden Gewalttaten, die ihresgleichen in der Geschichte suchen. Die Bolschewiki hatten es aus die Reichen unter ihnen abgesehen, sie gewaltsam ihrer Habe beraubt und beim leisesten Widerstand wie Hunde niedergeknallt. Den Zionisten in Rußland rückten die Bolschewiki ganz besonders auf den Leib, weil sie im Gerüche standen, entenk freundliche Gesinnung zu haben. Hunderte von Proskriptionslisten wurden mit jüdischen Namen ausgefüllt und zahlreiche Opfer ihrem grausamen Schicksal zugeführt. Was aber vor der Wut der proletarischen Diktatur sich verbergen konnte, kam unter Vas Schmort der Denikinschen Kosaken, die wahre Blutbäder anrichteten. Mit dem Schlagworte „Die Juden sind eine Gefahr für das rechtgläubige Rußland" als Parole durchzogen Trupps berittener Kosaken und Freischärler die jüdischen Städtchen, drangen in die Häuser ein und mordeten die Jnsaffen bis auf den letzten Säugling, schändeten die Frauen und steckten die Häuser in Brand. Die Zahl der Getöteten beläuft sich nach vorsichtigen Angaben in die Zehntausende und die Art des Verfahrens bei diesen Massenschlächtereien ist in Worten unmöglich zu schildern. In manchen Gegenden wurde die Brutalität bis zum Wahnsinn getriebenn. In einem ukrainischen Städtchen wurde der Rabbiner gezwungen, am User desStadtfluffes unter gezückten Bajonetten die religiöse Weise „Kol Nidre" zu singen, um dann mit einem Stein am Halse ins Wasser geworfen zu werden. An anderen Orten kleideten sich die Mörder in die jüdisch-rituellen Gebettücher und in diesem Aufzuge drangen sie in die jüdischen Häuser ein und schlachteten die Jnsaffen ab. K«lt«Sgemei»dewahlen in Koltha. . Bei der abgehaltenen Generalversammlung wurden folgende Herren in den Vorsitz gewählt: Julius Feige n b a u m, Präses, Bernhard Glück und Heinrich Gartenzaun, Vizepräsidenten, Armin Kalmar und Ludwig A n t s ch e l, Tempelrorsteher, Karl S chrank, Kontrollor. Gleich in der ersten Sitzung des neuen Vorstandes wurde beschlossen, die Gehälter des Rabbiners und sämtlicher Gemeindeangestellten um 300 Prozent zu erhöhen. Bei der hiedurch notwendig gewordenen neuen Steuerveranlagung soll der kleine Mittelstand nach Möglichkeit geschont werden. Pogromsehusucht in Deutschland? Von einem geradezu wahnwitzigen Aufruf, der wahrscheinlich dem Hirn eines Alldeutschen entsprungen ist, gibt das Berliner Arbeiterblatt „Vorwärts" der Oeffentlichkeit Kenntnis. Es handelt sich um nichts geringeres, als die Vertilgung aller Juden an dem festgesetzten Tage des 1. März. Dem Tollhäusler schwebt offenbar das Bild des verruchten Haman vor, deffen Regierungs- Programm gleichfalls die Vertilgung aller Juden im ganze Reiche des Königs Ahaschverosch an -einem festgesetzten Tage beinhaltete. Aus der Megillah Ester weiß man, daß der Erzbösewicht Haman den verdienten Lohn am Galgen fand. Sollte dieses abschreckende Beispiel den neuen Haman nicht beklemmen? Als Dokument der Kulturschande aus dem Reiche der Dichter und Denker sei der deutsche Pogromruf hier nach dem „Vorwärts" mitgeteilt: „Wenn die Schriften aus E. Behrs Verlag, Leipzig, und die „Deutsche Vereinigung" für eine sofortige restlose Judenaustreibung eintreten, so sollen Blutvergießen vermieden werden und der Freistaat erhalten bleiben. Die Juden müßten diese Forderung auch von ihrem Standpunkt aus als die vorteilhafteste ansehen, denn ihre restlose Ausmerzung durch Tötung steht ihnen andernfalls sicher bevor, und zwar spätestens am 1. März 1920 aus deutschen Arbeiterkreisen. — Das freche unverantwortliche Treiben der Juden hat die Volkswut berausaesordert; die Arbeiterschaft Mblt sick — Recht betrogen uno peyr auch ein, daß ihre jüdischen Führer sie aus dem Hexenkessel nicht wieder hinausführen können. In aller Stille hat sich ein „Verein der Aermsten der Armen" gebildet, der nur schlechtbezahlte und arbeitslose Arbeiter und Arbeiterinnen als Mitglieder ausnimmt. Dieser Verein hat eine straffe Leitung und zählt bereits Hunderttausende von Mitgliedern über ganz Deutschland hinweg. Diese haben sich verschworen, am 1. März 1920 spätestens alle Juden und Judenstämmlinge zu töten, falls diese nicht bis dahin freiwillig Deutschland verlassen haben. Dem vertraulichen Rund- und Werbeschreiben sind folgende Sätze entnommen: „Mit einem letzten Appell, uns in unserem Kampfe gegen das Judentum zu unterstützen, wenden wir uns Sie. Der Tag der Abrechnung mit den Juden naht; die Vorarbeiten sind im vollen Gange. Ein heißes Ringen im offenen Kampfe wird es geben; viel Blut wird fließen, um das Judenpack auszurotten. Sollen wir etwa noch länger warten, bis unser liebes deutsches Vaterland, bis die letzten Deutschen dem Judenjoche unterworfen sind? Weit genug ist es bereits gekommen, es wird höchste Zeit, daß wir es abschütteln. Mit Papierprotesten kommen wir nicht weiter. Auf zur Tötung, auf zum offenen Kampfe gegen die Blutsauger, gegen die Raubtiere, gegen das Pack, daunser liebes deutsches Vaterland ins Unglück stürzte. Es gibt nur eine Auflösung des deutschen Volkes oder ein Totschlägen des Judenvolkes. Wir find keine Phrasenhelden, sondern wir schaffen durch Taten. Zeigen wir, daß wir Deutsche sind und stark genüg, uns zu befreien. Das in Strömen geflossene Blut von Millionen Deutschen und die deutsche Blutsgemeinschaft verpflichtet jetzt alle Deutschen zum gemeinsamen Totschlag der Juden. Um dieses von Juden herauSgesorderte Blutbad zu vermeiden, müssen die Juden ausgefordert werden, Deutschland sofort bis spätestens 30. Dezember 1919 zu verlassen."