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Die Wahrheit · 1920-03-04 · Heft 1 (4.3.1920) · page 12

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Journal
Die Wahrheit
Volume
1920
Issue
Heft 1 (4.3.1920)
Date
1920-03-04
Page
– (sequence 12)
Language
German
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Seite 13 Die Wahrheit Nr. 1 Gegerrwartslebeu Lu Jerusalem. Daß von dem großen Weltgeschehen, wodurch die Zustände und Verhältnisse auf der ganzen bewohnten Erde litten, auch Erez Israel betroffen und nicht mehr das biblische Land, wo Milch und Honig stießt, ist, dürfte allgemein bekannt sein, weniger aber, daß sich die wirtschaftliche Lage dort ziemlich schwierig gestalte. Dazu kommt noch der lebhafte Zwist unter den Parteien als uraltes Erbübel des jüdischen Volkes. Ein anschauliches Bild der Lage finden wir im „Israelit", dem wir folgende'Stelle" entnehmen: Agudas Jsroel, die zur Zeit in der Stadt Jerusalem etwa tausend Mitglieder hat und an deren Spitze die Rabbinen Sonnenfeld und Diskin stehen, -ist mit-Wahlvorbereitungen für ihren Waad beschäftigt. — Die Organisation „Jeruscholajim" steht fast vor der Auflösung, wohl infolge Meinungsverschiedenheiten seit der Rückkehr Rabbiner K u k s. Die Misrachi erhält als Budget aus Amerika 20.000 Dollars; sein Lehrerseminar ist am 1. Schewat eröffnet worden. Indessen ist die Zahl der Misrachfften stark gesunken, weil von den mehreren hundert Mitgliedern sehr viele die Wendung nach links, die seit dem Eintreffen eines neuen Vertreters aus Amerika eintrat, nicht mitmachen wollten und dah.r die Beitragsleistung verweigert haben. Die Gebäude des Hülfsvereines haben die Zionisteu in Benutzung; auch die Synagoge der Lämelschule wurde aufgehoben und in einen Versammlungssaal umgewandelt. Das Rothschild-Spital dient der amerikanisch-medizinischen Hülssgesellschaft „Hadassa" mit deren Wirksamkeit die Bevölkerung sehr zufcieden sein würde, wäre die Führung nur jüdischer. Die Lebensmittel find ungeheuer teuer. Ein Kilo Brot kostet 1 Schilling, V4 Kilo Fleisch 2 Schilling, *'4 Kilo Sesamöl 1 Schilling. Die Regierung hat jüngst eineu Transport australischen Mehles eingeführt, von dem s/4 Kilo pro Kopf und Woche zu billigerem Preise verkauft wird. Während die zionistischen Lehrer, Verwalter rc. große Gehälter beziehen, haben die gesetzestreuen Lehrer kaum trockenes Brot zu essen. Ja, manche Talmide chachomim gedaulim, w' zadikim leiden buchstäblich Hunger. Die arabische Presse führt einen lebhaften Kampf gegen den Zionismus und gegen die jüdische Einwanderung; nur in kleiner Zahl langen bisher Einwanderer an". Aus dem wiedererwachende« Ungarn bringt die Münchener „Post" einen Bericht, der dem christlrchsozialen Blatte „Uj Nemzedök" entnommen ist. lieber die vornehmsten Budapester Kreise, die absolut judenrein find, schreibt das Parteiblatt in einem bezeichneten Bericht: „Die Gesellschaft war erstklasiig, Frauen und Töchter der besten Gesellschaft waren da anwesend. Sie suchte ich, sagte ich zu mir, sie bilden die Grundlage zur christlichen Erneuerung. Wessen ich aber hier ansichtig wurde — das zu beschreiben, fällt mir wirklich schwer. Die Herren benahmen sich den Damen gegenüber so unverschämt, daß dem abgehärtesten Ochsenziemer die Schamröte ins Gesicht steigen mußte. Ich wollte meinen Augen nicht glauben, als ich die einander küssenden und beißenden Pärchen sah. Zu den Errungenschnften der christlichen Erneuerung muß wohl auch die Gewohnheit gerechnet werden, daß die Damen mit den Herren um die Wette saufen." Die „Post" fährt fort: „Diese Bande hält sich eine weiße Garde; dis Gelder zu deren Unterhaltung werden vorwiegend von Juden abgepreßt". Die „Oedenburger Zeitung vom 14. Jänner enthält folgende Liste der Spender: Mattersdorfer israelitische Kultusgemeinde 12.000 K., Römisch-katholisches Pfarramt Bück 1644 K., Lakenbacher israelitische Kultusgemeinde 981 K., Römisch-katholisches Pfarramt Rußt 460 K., Römischkatholisches Pfarramt Warrasdorf 400 K., Csepreger israelitische Kultusgsmeinde 297 K,' Römisch-katholisches Pfarramt Lutzmannsburg 120 K., Römischkatholisches Pfarramt Hagendorf 70 K., Römischkatholisches Pfarramt Oszlip 60 K., Sammlung der israelitischen Kultusgemeinde (offenbar Oedenburg) 99.000 K. Woher kommt diese Geberlaune der ungarischen Juden, deren Leistungen, wie man sieht, die der katholischen Pfarrämter weit übertreffen? Die Beantwortung dieser Frage liegt in der bedauerlichen Gewohnheit jener Juden mit den Wölfen zu heulen, wenn sie auch später trotz aller Auspressungsversuche von diesen Wölfen schonungslos zerrissen werden. Nus denTempelvereinen* Leopoldstädter Tempelverein Aeschel Awrohom. Dieser Verein hat in der letzten Zeit wiederholt bewiesen, daß er die wirtschaftliche Not seiner Funktionäre und Angestellten vollauf würdigt, und praktisch betätigt. Das Präsidium, bestehend aus den Herren Adolf Weng er als Obmann, Oskar Schramek und Samuel Adler als Obmann-Stellvertreter, dem Kassier I. Schönherz und dem Schriftführer des Tempelvereines, haben durch steten Kontakt mit den Funktionären und Angestellten ohne erst deren bittliches Ansuchen abzuwarten, stets spontan eingegriffen und dabei die Mitwirkung uud Sympathie des Gesamtvorstandes in einer warmherzigen und hilfsbereiten Weise gefunden. Die jüngste Aktion stellt sich die Aufgabe, in den trostlosen Zeiten, angesichts der furchtbaren Teuerung, auch anläßlich der Peffach-Feiertage hilfreich beizustehen. Und so wurde nun in der letzten Vorstandssitzung unter Vorsitz des Herrn Direktors Karl Ehrenzweig und im Beisein der Komiteemilglieder Obmannstellvertreter Schramek, Ob-' mann der Tempelsektion Julius Rieß, Kassier I. Schönherz, Kontrollor Josef Fischer, Tempelvorsteher S. .Seemann und Schriftführer L. Hirschfeld angeregt, dem Gesamtvorstand zu empfehlen, ca. 7000 Kronen für diese Zwecke zn bewilligen. Gleichzeitig wurde beantragt eine An- * Die geehrten Vorstande der p t. Tempelvereine werden höflichst ersucht im Sinne unseres heutigen Programmes Mitteilungen über alle Vorkommnisse, deren Veröffentlichung Sie wünschen, an unsere Zeitschrift gelangen zu lassen.

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