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Die Wahrheit · 1920-03-04 · Heft 1 (4.3.1920) · page 7

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Journal
Die Wahrheit
Volume
1920
Issue
Heft 1 (4.3.1920)
Date
1920-03-04
Page
– (sequence 7)
Language
German
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Nr. 1 Die Wahrheit ^eite - Lust erholen und dann erst wieder kommen. Ein Aufenthalt in kalter freier Winternacht ist nämlich das beste Mittel gegen Betrunkenheit. Die neuen Deutschen trinken eben immer einS ums andere bevor sie zu der Weisheit höchsten Schluß gelangen, daß der Jude ditz Welt regiert oder die Quelle alles Nebels ist. Schon Pharao hat die Juden als das große und mächtige Volk bezeichnet und dem Volke zugerufen: „Das Volk der Kinder Israel könnte sich den Feinden anschließen." Ein Vorwand, sich von den Juden unentgeltlich die Städte Pisom und Ramses bauen zu lassen und sonst auch die „Fremden" schwer zu bedrücken. Im Mittelalter, als die Juden zu Kammerknechten Sr. Majestät des römisch-deuschen Kaiser und zu Schutzjuden der weltlichen und kirchlichen Fürsten herabgesunken waren, konnte man ihnen vernünftigerweise nicht die Weltherrschaft, aber immerhin anderes verdächtigen. Kapitalverbrechen, als deren größtes galt jederzeit dem beutegierigen Pöbel die Vermögenserwerbungen der Juden und an dieser Rechts- und Weltanschauung will auch das 80. Jahrhundert in manchen Kreisen nichts ändern. Es gehört tatsächlich ein betrunkener Traumzustand zu der Auffassung, die Juden, die bei jeder politisch und sozialen Umwälzung das Körnchen zwischen zwei Mühlsteinen ftttb; die ebenso an die Pogroms entmentschter Huligans wie an die Vernichtungspläne der großen deutschen Kulturnation, wie an die gräßlichen Verfolgungen in Ungarn glauben müssen, diese bei jeden großen oder kleinen Zeitgeschehen hart betroffenen Juden als die Herren der Welt hinzustellen. Wahrheiten vom Tage Die Waffe nuferer am erikanischeu Glan- LeuSbrüder im Kampfe gegen Amalek. In seiner am letzten Freitag Abend im Jubiläumstempel, Pazmanitengaffe, abgehaltenen Predigt sprach Herr Rabbiner Dr. S. Funk über „den Kampf Gottes gegen Amalek". Amalek, führte der Redner aus, sei uns Juden nichts anderes — der Volksstamm Amalek ist ja längst von der Schaubühne der Welt verschwunden — als die Verkörperung des grundlosen Hasses, der tierisch-instinktiven Abneigung des Starken gegen Schwache. Eine Abneigung, die nur durch Erziehung und Veredlung des Menschen aus der Welt geschafft werden kann. Amalek griff unsere Ahnen „auf dem Wege an" — es hatte noch kein Land, das die Ländergier der Völker hätte reizen können — ..al§ es aus Egypten zog", als es noch schwach, schutz- und wehrlos war und Amalek es nicht zu fürchten hatte. Amalek-Haman „achtet auch nicht auf den Schaden des König-", nicht aus den Schaden deeigenen Landes, wenn es seine kkerischen Neigungen befriedigen will. In Persien genau so wie in Spanien und gegenwärtig in Polen. Wie in alter Zeit erhebt Amalek sein Haupt, spricht wi der von den „absonderlichen Gesetzen" von den Sitten und Bräuchen der Juden. Vorwände! — In den letzten Jahrzehnten haben ja weite Kreise mit dem Gesetze gebrochen, hÄben die altehrwürdigen Sitten und Bräuche abgestreist. Haben sie damit Amalek entwaffnet?! Amalek wird immer Vorwände finden für seinen Haß, der seinem innersten Kern nach nichts anderes ist — es ist auch nicht Neid, wie manche meinen, Amaleks Haß richtet sich zunächst „gegen die Schwachen" in altersgrauer, wie in der Neuzeit; den reichen Glaubensgenoffen verzecht selbst Amalek mitunter, daß sie Juden find — als tierische Abneigung gegen Andersartige. Wir müssen den Kampf aufnehmen. Die einzige Waffe in diesem „Kampf Gottes gegen Amalek" aber ist Wohlwollen, Herzensgüte, Hilfsbereitschaft auch den Feinden gegenüber, jene Waffe, die unsere Glaubensbrüder in der neuen Welt zum Ruhme unseres Volkes gebrauchen: die Friedenswaffe. Und ihnen sollten wird nacheifern. Wie Mordechaj sollten wir uns nicht beugen und nicht bücken vor den Götzen des Tages; sollten sesthalten an unseren Sitten und Bräuchen in der Trauer wie in der Freude. Sollten nicht lärmende und betäubende Freuden suchen; nicht „jauchzen" wie die Perser, sollten uns vielmehr freuen wie unsere Ahnen in der Hauptstadt Susa, „denen Licht und Freude, Wonne und Würde war". Vor allem aber sollten wir jene Freude suchen, die der große jüdische Theologe Maimuni als die größte Freude bezeichnte: „Es gibt keine größere und herrlichere Freude", sagt derselbe, „als zu erfreuen die Herzen der Armen, der Witwen und Waisen". Das ist die Art des jüdischen Kampfes, das ist die Wahrheit des „absonderlichen Gesetzes". Mehr als je gilt dieses Wort Maimunis für unsere Zeit. Nicht würdiger könnten wir unser Purimsest feiern, als indem wir Licht bringen in die Hütten der Armen; die Bedürftigen aufsuchen, die Greise und Greisinnen, die weltverlaffen hinsiechen, die hungernden Kinder, die in ihrer Blüte welken. Der Redner richtete sodann einen warmen Apell an die Zuhörer, besonders der Rettungsgesellschaft zu gedenken, die so vielen als Retterin in der Not erschien. Die Rede übte eine tiefe Wirkung aus. Der stets hilfsbereite Obmann des Tempelvereines Rat A. Weng er erklärte, sich mit einer namhaften Summe an die Spitze einer Aktion für die Rettungsgesellschaft stellen zu wollen. Mehrere Zuhörer übermittelten derselben direkt größere Beträge. Auch unsere Redaktion ist bereit, Spenden für dieses so segensreich wirkende Institut entgegenzunehmen. Der Böhm und der Jud. Diese beiden Typen bildeten seit jeher das Um und Auf der Unterhaltung des Dummen Kerls von Wien. Aber während die Tschechen stets gegen die Verhöhnung ihrer Nation energischen Einspruch erheben — schon vor Jahrzehnten anläßlich der Erstaufführung der Posse „Ein Böhm in Amerika" wäre ebald zu

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