Die Wahrheit
- Journal
- Die Wahrheit
- Volume
- 1918
- Issue
- Heft 25 (13.12.1918)
- Date
- 1918-12-13
- Page
- – (sequence 5)
- Language
- German
- Belongs to
- journal issue
- OCR quality
- 94% known words query
- IRI
…/3062972-3063774-3063799--10761-3078127- Visual Library
- page viewer of the UB Frankfurt
Mentioned entities
OCR text
Nr. 25 gesetze gegenüber den Juden au den.maßgebenden Stellen in aufrechter, energischer Weise Stellung zu nehmen, wie er nls Vize-Präsident und später Präsident der Israelitischen Allianz zu Wien bei den in den letzten Jahren leider allzu häufig gewordeneu traurigen Anlässen für.unsere GlaubenSbrüder in den Ländern der Unterdrückung in politischer und wirtschaftlicher fürsorglicher Richtung tätig war, wie er nach Ausbrnch des Krieges als Vize-Präsident des Komitees zum Schutze der Juden im Osten an den eifrigen Bemühungen ckeilnahm, die Rechte jener Juden zu sichern und ihre Kriegs- Heiden zu mildern. ~ .. . Es'würde hier zu weit führen, alle jene Gebiete und alle jene Zweige des jüdischen Lebens m Wien, deren Entwicklung Dr. Alfred Stern durch seine hervorragende Persönlichkeit beeinflußte, einzeln zu beleuchten. Wir können zusammenfassend sagen: - alles, -was jüdisch war, ging ihm nahe, und nichts war ihm zu geringfügig, um .ihn nicht seine Bedeutung für das Ganze erkennen zu lassen. Die 'Waisenfürsorge, die Kinderfürsorge im Allgemeinen, der Religionsunterricht, der Kultus und der Ritus, das Wohltätigkeitswesen, unsere Wohlfahrtseinrichtungen, alles beschäftigte ihn und allem drückte er durch seine geistige Kapazität den persönlichen Stempel auf. Wer sollte sagen, daß Dr. Alfred Stern während seiner jahrelangen Tätigkeit nie geirrt hätte. Solches von einem Menschen zu behaupten, hieße ihm die menschliche Natur absprechen. Aber das glänzende Licht seiner Verdienste ift so stark, daß die vorgekommenen Irrungen von ihm völlig überstrahlt werden. Es sei mir gestattet die Worte zu wiederholen, die ich -an seiner Bahre gesprochen habe. Wenn die Geschichte der Wiener Kultusgemeinde einst geschrieben werden wird und die hervorragenden Männer der Gemeinde genannt werden, dann wird Dr. Alfred Stern unter den Hervorragenden, / -als einer der Hervorragendsten bezeichnet werden. Wir, die wir während vieler Jahre Zeugen seiner hingebungsvollen, überzeugungstreuen, aufrechten, segensreichen Tätigkeit fürunsere Gemeinde und das Judentum waren, wir wissen, daß. das Judentum Dr. Alfred Stern unendlichen Dank schuldet, wir wissen, daß diese Kultus- -gemeinde und -möge sie welche Entwicklung immer nehmen, /solange aus uns Juden nicht der letzte Funke von Dankbarkeitsgefühl für im Dienste der Gesamtheit. geleistete -selbstlose, aufopfernde Tätigkeit geschlvunden sein wird, solange in dem Juden die traditionelle Pietät für die bedeutenden Männer in Israel .fortlebt, das Andenken an 'Dr. Alfred Stern ein gesegnetes sein wird. Aufruf u« die Inden Deutfchösterreichs. Ter große Widerspruch, der in. weiten Kreisen der deutschüsterreichischen Juden betreffs der Fragr der jüdischen Rationalität gegenüber den Anschauungen der Jüdischnlattionalen besteht, hjat nachfolgenden Aufruf veranlaßt:. - In Wien hat sich ein jüdischer Nationalrat gebildet/ welcher durch sein Auftreten in der Oeffentlschkeit den: unwichtigen Eindruck Hervorrufen könnte, als' ob er zur 'Vertretung der gesamten Judenschaft Dewschösterreichs legitimiert wäre. Wir Unterzeichneten deiUchosterreichisch'en Juden, die uberzeugt find> irN Rameln der überwiegenden Mehrheit unserer Glaub enZgenofsen in der deutschösterreichischen Republik das Wort führen Au dürfen, erklären hiemit, daß wir den jüdischchr Nationalrat . nicht als Vertreter 'der Judenschftft Deutschösterreichs anerkennen. Wir stehen auf dem von jeher 'festgehaltenen .Standpunkt, daß das Band^ welches die Judenheit verbindet un!d Zusammenhalt, ausschließlich das konfessionelle ist. Wir fühlen uns durch Heimat, Sprache und Erziehung» Seite 5 als Deutsche und als vollberechtigte Bürger der deutschösterreichischen Republik. Wir fordern ^hiemit sämtliche Glaubensgenossetzr (Männer und Frauen), die sich zu unserer Anschauung bekennen, auf, ihre Zustimmung ungesäumt mittels einfacher, ihre Unterschrift und Adresse enthaltender Korrespondenzkarte an die Oesterreichisch-Jsraelitische Union in Wien, ft. Bezirk, Un-iversitätsstraße Rr. 8, bekanntzugeben. Wien, 2. Dezember 1918. Dr. Arnold Ascher, Genneralsekretär; Dr. Adolf o. Bachrach, Regierungsrat; Dr. Julius Bermann, Notar; Richard Bettelheim; Dr. Josef Breuer, praktischer Arzt; Dr. .S. Ehr mann, Primararzt, Universitätsprofesfar; Siegfried Fleischmann, Sekretär der Oesterreichisch-Jsraelitischen Union: Dr^ Philipp Ritter v. Gomperz, Großindustrieller; Dr. Karl .S. Grünhut, Hofrat, UniverH? tätsprosessor; Dr. Paul Hamm erschlag, Direktor dex Kreditanstalt; Dr. Oskar Hein, Advokat, Stadtrat; Dr! Wilhelm Jerusalem, Regierungsrat, Professor; Dr. Wilhelm Knöpfelmacher, Primararzt, Universitäts- Professor; Dr. Wilhelm Knöpfmacher, Advokat; Doktor Leopold Königstein, Unrversitätsprofessor; Dr. Edmund Kohn, praktischer Arzt; Dr. Albert Kuh, Advokat; Camill Kuranda, Ministerialrat a. D., Nationalrat; Dr. Artur Kuranda, Advokat; Wilhelm Kux, Direktor der Niederösterreichischen Eskomptegesellschaft; Dr. Moritz 'Laub, praktischer Arzt; Gottlieb Lederer, Fabrikant; Emil Lederer, Großindustrieller; Dr. Heinrich Löwenstern, Mezinftlrat, Gemcrnderat; Dr. Josef Lchvner, Hofrat; Doktor Otto Marburg, Universitätsprofessor; Edmund Melcher, .Stadtbaumeister, Stadtrat; Siegmund Mayer, Ehrenpräsident der Oesterreichifch-Jsraelitischen Union; Doktor Ernst Moser, Advokat, Präsident der Kultusgemeinde Mödlinlg!; Dr. Julius Ofner, Advokat, Staatsrat; Doktor Jakob Ornstein, Advokat, Vizepräsident der Oesterreichisch-Jsraelitischen Union; Dr. Wilhelm Pappenheim, Advokat; Wilhelm Pappenheim, Kaufmann; Dr. Alois Pick, M^eral-Oberstabsarzt, Universitäts-Professor; Doktor JsM Francis Przibram, Universitätsprofessor; S- Rendi, Präsident der Kultusgemeinde Graz; Dr. Josef Freiherr v. Schey, Hofrat, Universitätsprofessor; Ernst Simon, Fabrikant; Dr. Julius Schnitzler, Primararzt, Universitätsprofeffor; Benedikt Schwager, Präsident der Kultusgemeinde Linz; Julius Stern, Fabrikant; Richard Teweles, Kaufmann; Julius Wolf, Fabrikant; Doktor Wilhelm Wolf; praktischer Arzt, Präsident der Kultusgemeinde- Wiener-Reustadt; Dr. Julius Zappert, Universitätsprofessor; Dr. Otto Zuckerkandl, Unioersilätsprofessor. * * In Ergänzung dieses Aufrufes hat der Vorstand der Oesterreichifch-Jsraelitischen Union an den Staatsrat folgende Zuschrift gerichtet: Die Oesterreichifchj-Jsraelitische Union tritt den auf Erlangung von Solider- und nationalen MiEerheitsrechten für die Judenschaft Deutschösterreichs' gerichteten Bestrebungen entgegen. Sie bestreitet die Berechtigung des Jüdischen Nationalrjates, für die Gesamtheit dieser Judenschaft das Wort zu führen, denn 'die überwiegende, Mehrheit der deutschösterrchchischen Juden erblickt mit uns in der neuerlichen gesetzlichen Anerkennung und in der kraftvollen, rückhaltlosen Währung der vollsten Gleichberechtigung auf allen Gebieten des staatlicher- Lebens das einzige erstrebenswerte politische Ziel. Die O esterreichisch-JsraMische Union fordert die Juden Deutschösterreichs auf, sich freudig, als Bürger des deutschösterreichischen Staates zu bekennen,- hingebungsvoll! an dem Ausbau der politischen und sctzialen Einrichtungen des neuen Staates mitzuwirken und mit alle« Kräften feine gedeihliche Entwicklung zu fördern. Die Wahrheit