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Die Wahrheit · 1918-11-01 · Heft 22 (1.11.1918) · page 5

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Image: UB Frankfurt, Visual Library (IIIF)
Journal
Die Wahrheit
Volume
1918
Issue
Heft 22 (1.11.1918)
Date
1918-11-01
Page
– (sequence 5)
Language
German
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Die Wahrheit »r. r». Sette 5 -Juden in Polen üdd Littauen vöm Jahre 1905. Aus rotem Tuch verfertigte loschen hakaudesch Buchstaben sind in die Fahne eingenäht. „Meder mit der zarischen Konstitution l oES lebe die Revolution!" .Im Bilderzimmer fesselt ein Oelgemälde, Mandl, xrs.slvotus jaäasorn.ra unter König Mathias gemalt vom jüdischen Maler Gedo. Baron Eötvös Karoly, der Verteidiger : von Tißa Eßlar, gemalt vom jüdischen Maler Bihari. Ein -schönes Bild ist das Geschenk von Hollos Oskar, gemalt vom jüdischen Maler Weißenberg. Kaiser Ferdinand V. besuchte am 2. November 1880 die erste hebräisch-deutsche Primarschule in Preßburg. Der Probst empfängt den Kaiser. Im Hintergründe die Schüler mit dem Lehrer. Ein Knabe aus der zweiten Klaffe faltet die Hände und spricht ein Gebet. .Die einzelnen Sätze werden von den Kindern im Chore nachgesprochen. Anwesend sind die Bankiers Bettelheim und 'Pappenheim. Oelporträts von Horn Ede, dem ersten jüdischen -Staatssekretär im Finanzministerium des Jahres 1874, Hofrat Politzer, der erst vor Kurzem das Museum mit seinem ' Besuch beehrte, von Karl Heinrich Spitzer, dem ersten Opfer Äer Wiener Revolution vom Jahre 1848. Ein zarter frauenhafter Kopf. ' Herr Dr. Fabö macht mich auf da? Modell einer Bronzetafel aufmerksam, die im Geburtshause des Horn Ede ln Vag-Ujhely von seinen Mitbürgern angebracht wurde. Diese Gedenktafel wurde von dem genialen jüdischen Bildchauer Samuel Kornel verfertigt. Gefallen im Jahre 1915 -bei Ußok. Interessant das beinahe eine ganze Wand füllende -große Oelgemälde vom polnischen Mater Stiofsky. Es stellt -eine polnisch-jüdische Hochzeit dar. Die weinende Braut, mit Her Goldhaube bedeckt, wird von ihren Eltern und Verwandten dem in Kittel und Tallis gekleideten Bräutigam ^ntgegengeführt. Die Brautmutter wirft Süßigkeiten unter das Bold. Kinder balgen sich darum? Im Hintergründe Fackelträger. Alles in reicher farbenprächtiger polnischer Nationaltracht. Kostbar ist eine Radierung auf Seide von Hermann - Struck, darstellend das Porträt Theodor Herzls. Zum Schluß .zeigte mir Herr Dr. Fabö noch acht Dokumente von Jokai und Görgey über das tapfere Verhalten der jüdischen Honoeds vom Jahre 1848—1849. Geschenk des Oberrabbiners Dr. Bernstein Bela. Dem umsichtigen und liebenswürdigen Organisator und Leiter des Ungarisch-jüdischen Museums gebührt Dank und Anerkennung. Wilhelm Geiger. Ostjüdisches. Von Lhairn Bloch (Delatyn) nach den in dem hebräischen Sammelwerke der „Einfachen Gelehrtengesprache" von Schles und Ettinger enthaltenen Sprüchen bearbeitet. Rabbi Menachem Mendel von Witebsk, der Verfasser HeS, Buches „Früchte des Landes", gehörte seit seiner zartesten Jugend zu den Jüngern des Rabbi Dowber von Meferitz; wegen seines großen Fleißes und sittlichen Benehmens war er der Liebling des Meisters. Einmal an einem Sabbat nach dem Mittagessen bemerkte der Magid, daß der Junge etwas übermütig war; er ging in der Lehrstube die Mütze auf die Seite geschoben, auf und ab, was dem .chassidischen Prinzip der Demut widersprach. Der Magid stellte sich auf die Schwelle seines Gemaches und .sprach: „Mendel, wieviel Folien Talmud hast du gelernt?" Da antwortete dieser: „Sechs." Als ob er zu sich selbst spräche, sagte der Magid: „Wenn von sechs Folien Talmud die Mütze auf der Seite steht, wieviel Folien muß man lernen, damit sie ganz hinuntcrfalle." Hierauf zog er sich, die Türe schließend, in sein Gemach zurück. Mendel begriff, daß er einen Fehler begangen habe, und begann zu weinen. -Er pochte an die Türe und rief: „Meister, öffnet mir die Türe und ratet mir, wie ich den Fehler des Uebermutes wieder gutmachen kann." Da öffnete der Magid und sagte: ^Fürchte dich nicht, wir werden miteinander nach Miedziborz zu Baalschem fahren, um dort den Weg zu lernen, den wir gehen müssen." Am folgenden Dienstag reisten sie nach Miedziborg und trafen dort am Freitag um die Mittag^ett ein. Der Magid begab sich unverweilt zu Baalschem, Mendel blieb jedoch im Gasthause, um sich zu Ehren des heiligen Sabbat herzurichten. Der Magid kam zu Baalschem, als dieser sich gerade anschickte, mit der Heillgung des Sabbats zu beginnen, was er gewöhnlich ungemein früh tat. Als jedoch Baalschem vernahm, daß mit Rabbi Dowber auch sein Schüler Mendel erschienen war, wartete er diesen ab und stimmte erst nach deffen Eintreffen den Psalm an: „Danket dem Ewigen, denn er ist gütig." Mer den ganzen Sabbat sprach Baalschem kein Wort mit Mendel. Bei Sabbatausgang, nachdem der Werktagssegen gesprochen war, rief er aber Mendel zu sich und erzählte ihm in Gegenwart des Magid von Meseritz und des Strafpredigers von Polnea eine Geschichte von einem Ochsenpaare, das einen Pflug zog. Sodann verabschiedete er Mendel und wendete sich an deffen Meister, den Meseritzer, mit den Worten: „Ich habe niemals einen so demutsvollen Menschen gesehen." Rabbi Mendel, der später einer der größten Chasfidimführer wurde, sagte, daß die Geschichte, die ihm Baalschem in seiner Jugend erzählte, ihm wie eine Feuersäule durch das ganze Leben leuchtete und sein Zukunstsspiegel war. Als er einmal bedenklich erkrankte und seine Leute um sein Leben besorgt waren, tröstete er sie: „Seid ruhig, ich sterbe noch nicht. Die Geschichte des Baalschem ist noch nicht zu Ende; ich habe noch vieles zu vollbringen." * * * Einst weilte R. Abraham Samuel Benjamin Schreiber, der berühmte Preßburger Oberrabbiner und Verfaffer der Responsen „Ksaw Sofer," in Frankfurt a. M., bei welcher Gelegenheit er dem frommen und rabbinisch gelehrten Baron Karl Wilhelm Rothschild einen Besuch abstattete. Die beiden jüdischen Größen erörterten viele jüdische Fragen und diskutierten auch über manche Themen der rabbinischen Wiffenschaft. Der Preßburger Oberrabbiner war über die rigorose Beachtung der kleinsten Vorschrift seitens des Barons sehr erfreut. Bei der zu Ehren des Oberrabbiners veranstalteten Mahlzeit sagte dieser: „Reb Simon Wolf!*) Es muß mich nur freuen, daß mit derselben Genauigkeit, da Ihr ein Wort des Talmuds beachtet, Ihr gegen ein Wort der heiligen Thora handelt." Der Baron sah seinem Gaste befremdend ins Antlitz und bat den Gast ihm die Bedeutung seiner Worte zu erklären. Dieser sagte: „Von dem großen Lehrer Rabbi Jehuda dem Fürsten — kurzweg Rabbi genannt — heißt es im Talmud: ,Lehre und Herrlichkeit haben sich in ihn vereinigt/ denn er war ein Förderer der Thora und mtt großem Reichtum begütert. Es freut mich nun zu sehen, daß Ihr nach dem Worte Rabbis handelt, andererseits freue ich mich zu sehen, daß Ihr gegen das Wort der Thora handelt, wo es heißt: Und da Jeschurun fett geworden, schlug er aus — du wurdest fett und dick und feist —• verließest Gott" (5 B. M. 32. 5.). Jüdische Volkslieder. Aus der Feder des rühmlichst bekannten Komponisten R o s k i n sind abermals eine ganze Reihe von wertvollen jüdischen Volksliedern erschienen. Auch diese neuen Arbetten tragen neben gut musikalischer Fassung, jene bestechende jüdische Eigenart, die wir in früheren Werken dieses Autors bereits an dieser Stelle hervorhoben. Auch beim Studium dieser neuen Weisen merkt man bald, daß Roskin ein gediegener Kenner des jüdischen Volkstumes ist; er versteht es Melodie und Rhythmus zu veredeln, die Umrisse zu vergrößern, er zaubert an vielen Stellen jenes harmonische Halbdunkel hinein, das alle Empfindungen wiedergibt, die unser Herz beim Hören solch jüdischer Weisen bewegen. Der *) Reb Simon Wolf, der hebräische Namedes BaronS.

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