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Die Wahrheit · 1918-10-18 · Heft 21 (18.10.1918) · page 6

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Journal
Die Wahrheit
Volume
1918
Issue
Heft 21 (18.10.1918)
Date
1918-10-18
Page
– (sequence 6)
Language
German
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Süte^.__. _> Die Wahrheit _. _Nr. 21. Das hindert nicht, daß sich ein hochelr-rmteS internationales Publckmn in ihnen ansammät, »m ihre Grnußmtttel, die übrvaü in der Monarchie verweigert werden (muffen), wie Milchkaffee, Butter, Obst, Marmelade, weißes Brot zu erhalten. Keine verhetzenden Zeitungen machen aufmerksam, daß der oder jener ein Jude ist. Danach wird nicht geft-agt. Die Hauptsache ist die zufriedenstellende Leitung, das vorzügliche Angebot und der moderne Betrieb. Das verstehen die Besitzer dieser Etablissements vorzüglich. Und das Publikum zollt ihnen Dank und Anerkennung. Am Freitag Abend besuchte ich den Tempel in der Tabcckgaffe. Offen gestanden, um wieder einmal den mir von Wi«r aus bekannten Sänger Quartin zu hören. Es füngierte jedoch Oberkantor Professor Lazarus. Derselbe zeleböbrierde einen höchst schönen, weihevollen Gottesdienst und das Gotteshaus war voll, wie an den hohen Feiertag«!. Rabbiner Dr. Fischer — es fungieren in dem TempA drei Rabbiner — weihte in einem kurzem Gebete den Sabbach ein. Patriotisch bis in die Knochen! Kein Wort von Sabbach, jedoch in wunderbar fließender, elegffch, lyrisch durchhauchttr Sprache ein so inniges Gebet für das Glück imd die Größe des ungarischen Vaterlandes, daß einem die Tränen aus den Augen traten. Bei dieser Gelegenheit möchte ich mir gestatten, auf eine Neuerung aufmerksam zu machen. Für mich wenigstens war es etwas Neues. Ein Täfelchen kündigte an: Olenu Solo! Mt Orgel- und Chorbegleitung trug ProfefforjLazarus sein eigenes Kompositionsstück vor. Daß es bei der hervorragenden musikalischen Bildung des Vortragenden sehr gediegen und künstlerisch vollendet war, ist selbstredend. Das Schöne dabei war, daß die Unsitte, beim Beginnen dieses Schlußgebetes in sehr geräuschvoller Weise das Gotteshaus zu verlassen, hier nicht vorhanden war. Was ich vermißte, mit gemischten Gefühlen vermißte, war, daß kein Kadffch für die gefallenen Glaubensbrüder gesagt wurde. Diese Pietät in Wien ergreift mich immer gewaltig. (Schluß folgt.) Audi««; dr» Mieurr Ober rabbrners beim Kaiser- Mittwoch, den 1. Oktober, erschien Oberrabbiner Dr. Ch ajes als Kenner der Verhältnisse im Judentum besonders im Osten über Berufung beim Kaiser in Audienz. Der Kaffer ließ sich vom Oberrabbiner über die großen jüdischen Fragen informieren. Nach einer Einleitung, die die Tätigkeit des Oberrabbiners an seinem früheren Amtsorte Trieft zum Gegenstand hatte, erkundigte sich der Kaiser über die gegenwärtige Lage der jüdischen Flüchtlinge in Wien. Dr. Chajes erwiderte, daß der größte Teil bereits in seine Heimat zurückgekehrt ist und daß die Lage derer, die wegen Zerstörung ihrer Heimat bisher zurückkehren konnten, insofern schlecht ist, als sie nunmehr viele Jahre, vom Heimatboden losgerissen, in einer ihnen fremden Umgebung vielfach der Not ausgesetzt sind. Der Kaffer bemerkte darauf: „In Ihrem Volke hilft ja immer einer dem anderen." Die nächste Frage des Kaisers galt der Lage der Ostjuden. Dr. Chajes antwortete, daß die Lage der Ostjuden eine schlechte fft, besonders mit Rücksicht auf das schlechte Verhältnis der Polen zu den Juden. Auf die Frage des Kaisers, was nun zu geschehen hätte, erwiderte der Oberrabbiner, daß die einzige Möglichkeit einer Abhilfe in der Sicherung der Rechte der Juden als nationale Minderheit liege. Die jüdischen Massen im Osten hätten sich immer als Nation gefirhlt. Die Auffassung des Judentums als konfessionellen Verbandes sei vor mehr als hundert Jahren in Westeuropa entstanden, wo übrigens gleichfalls die nationale Strömung Fortschritte macht. Nun ftagte Kaiser Karl: „WaS halten Sie vom Judenstaat, den die Entente errichten will?" „Die zionistische Bewegung fft die -einzige internationale Bewegung, die als solche den Krieg überdauert und als solche'ihre strenge Neutralität bewahrt Hat. Ihr rft eS zu darcken, daß die englische Regierung in ihrer Erklärung Äste PaläsUna nicht den Ausdruck „Judenstaat", sondern nasivnale „Heimstätte" gebraucht hat. Eine Formel, die bereüs 1897 auf dem ersten zionistischen Kongreß in Basel geprägt wurde, also zu einer Zeit, als die Führer des Zionismus mit der Türkei Verhandlungen pflogen, welche die türkischen Souveränitätsrechte zur Voraussetzung hatten." „Was bedeutet eigentlich Palästina für die Juden?"' „Das jüdische Volk ist in Tausende und Tausende Gruppen zerschlagen, von denen jede einzelne um ihre Existenz kämpfen muß und nur durch ein Wunder sich bis heute erhalten konnte. Auch die Juden in Abessinien, die seit 2006 Jahren von uns getrennt sind, haben ihr Judentum bewährt. Doch kann ein Volk seine Existenz nicht auf Wunder aufbauen. Wir müssen einen nationalen und religiösen Mittelpunkt haben." „Und das kann nur Palästina sein?", ,.Jn Palästina hatten wir unseren Ursprung und an Palästina hängen wir seit Jahrtausenden mit Liebe und Sehnsucht." „Kann denn Palästina alle Juden aufnehmen?" „Daran wird nicht gedacht; auch zur Zeit des zweiten jüdischen Staatswesens hat der größere Teil der Juden in der Diaspora gelebt und jeder von chnen hat dem Lande, dem er angehörte, als guter Bürger seine Dienste geweiht.". Hierauf informierte sich drr Kaffer noch über die Verbreitung der zionistffcheu Bewegung. Dr. Chajes nahm auch Gelegenheit, über seine zehnjährige Wirksamkeit im jetzt feindlichen Ausland zu sprechen. Er hat als österreichischer Staatsbürger am Seminar und an der philosophischen Fakultät in Florenz als Professor gewirkt. Als Dr. Chajes auf die auch im Auslande vorhandenen Sympathien für Oesterreich und seinen Kaiser hinwies, bemerkte Kaiser Karl: „Sie wissen —^ ich muß es ja nicht immer wiederholen —, daß ich den Frieden will, und zwar vom ersten Tage meiner Regierung, an." Dr. Chajes dankte dem Monarchen, daß er ihn alseinen Vertreter des jüdischen Volkes empfangen hat. Verschiedene Nachrichten. Wien. Am 9. d. M. fand in Wien die Hochzeit des Hoflieferanten Herrn Oskar Rosner mit Fräulein Klara Felicia Chajes statt. Aus diesem Anlasse spendete Herr Oskar Rosner für wohltätige Zwecke den Betrag von K 7000.— und zwar für den Verein „Einheit" & 2000.—; für den jüdischen Nationalfond L 1000.—; für den Verein zur Förderung schulentwachsener verladener jüdischer Kinder K 1000.—; für das Jüdische Pädagogium L 1000.—; für verlassene jüdische Kinder K 1000.—; für den Verein „Machsike Hadath" K 500.—; für Arme K 500.—. Wien« Schwer und hart hat das Schicksal den Rabbinatssekretär der Wiener Kultusgemeinde und Sekretär der theologischen Lehranstalt, Herrn Ortsschulrat Josef Fuchs und dessen Gattin heimgesucht. Ihr einziges Kind, Frau Nelly Orenstei n, der Stotz und die Freude der Eltern, ist in der Blüte ihres Lebens im Älter von 32 Jahren durch die spanische Grippe nach dreitägiger Krankheit hingerafft worden. Die allgemeine Teilnahme wendet sich den tiefgebeugten Eltern und dem schwergeprüften Gatten zu, oie noch dadurch gesteigert wird, daß die Dahingeschiedene eine durch ganz besondere Tugenden ausgezeichnete Frau war, die stets sich der vollsten Gesundheit erstellte und'ein gutes, edles Herz besaß, das sie stets opferbereit mit jugendlichem Enthusiasmus in den Dienst der öffentlichen Wohltättgkeit stellte. Ganz besonders widmete sie sich mit hingebungsvollem Eifer als Vorstandsdame des unter der Leitung^der Frau Sofie Grünfeld so Hervorragendes leistenden „Ferienheim", den edlen Aufgaben dieser Organisatton. Wer jemals diese Frau sah, mit ihr sprach, blieb gebannt oon diesem herrlichen Geschöpf, von diesem guten Gernüt dieser edlen Seele. Zahllos sind die Beileidskundgebungen, die der von so schwerem Schicksälsschlage bettoffenen Familie zukamen. Ehre dem Andenken der Heimgegangenen. Wie«. (Trauung.) Sonntag, den 6. d. M., fand um halb 5 Uhr nachmittags im Brigittenauer Tempel, XX., Kluckygasse 11, die Trauung des geschätzten Kantors dieses Tempels, Herrn Jcikob Roth mit Fräulein Regine Last, Tochter des Kaufmannes Herrn Z. Last, statt. In dem dichtbesetzten Tempel bemertte -man den

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