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Die Wahrheit · 1918-08-23 · Heft 17 (23.8.1918) · page 4

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Journal
Die Wahrheit
Volume
1918
Issue
Heft 17 (23.8.1918)
Date
1918-08-23
Page
– (sequence 4)
Language
German
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Gerte 4. >;_- . '_^ H Die Alle Volher der GdetzwmMn durch dea>Weltkrieg bereit GrGstLich, MaterjA uM gHsig geschMigt ^tznd dieser Schaden steigt mit der ktriegsdcruer im geometrischen Verhällniffe. Nur wenige gewissenWe Nutznießer desMrieges, Dwhen der menschlichen Gesellschaft, gibt es noch heute, wÄche 5knegsverlängerung wünschen, weil sie im Blute und in der Not der breiten Volksmassen ihr Gedeihen suchen und finden. Doch sind diese Kriegshhänen hepte nicht.zu beneiden. Auf die Dauer werden sich diese Schuldigen nicht verbergen können. Die Getäuschten und Schwerleidenden werden sie finden, wenn sie auch noch so schlau die Methode jenes Diebes anwende», welcher mit dem Rufe: „Haltet den Dieb" die Aufmerksamkeit von seiner Person abzulenken sucht. Die Schuldigen sind nicht nur unter den habsüchtigen Händlem, sondern auch zahlreich unter den gewinnsüchtgen Produzenten aller Lebensbedürfnisse zu suchen. Ja, die Veranstalter des Weltkrieges haben sich gräulich verrechnet. Selbst die gewaltigsten Kriegserfolge können heute nicht einmal bescheidene Bruchteile der Werte mehr erreichen, wellhe der Weltkrieg bis heute bereits vernichtet hat, aber die unerwarteten, schädlichen Kriegsfrüchte werden sich noch mehren und steigern, wenn der Krieg nicht bald beendet wird. ' Wenn auch die gewiffenlosen Kriegstreiber über die Schien ihrer Kriegsgegner frohlocken, werden darum die erllttenen eigenen SchÄen doch nicht geringer. Heute beteuern die Staecksmänner in beiden Kriegslagern, nur die Gegner hindern den Friedensschluß, den alle Völler lange schon heiß ersehnen. Der ehrliche Wille zum Frieden hat aber bisher überall gefehlt. Lloyd George und Clemencau erklärten bei jeder solchen Gelegenheit erst noch siegen zu muffen und die Art des Ostfriedensschluffes war auch, nicht geeignet, den Weltfrieden zn fördern. Die Berufsdiplomaten benützen heute noch die Sprache dazu, ihre wahren Gedanken zu verbergen. Sebald ein Staatsmann sich zu deutlich für den Demokratis- , mus oder für dm Verständigungssrieden einsetzte, wie das im Merbunde Bechmäntt-HoDveg, Graf Czernin oder von Kühlmann taten, mußte er bisher den Schauplatz seiner Tätigkeit bald wieder verlassen. Uebersieht man es, daß die Kriegstreiber der Entente dadurch unterstützt werden, die anderen Falles lange schon von dm friedmsbedürftigm Völkern hinweggefegt wärm? Nun macht die Weltdemokratie wieder Anstrengungen, dm Wellsri^en herbetzuführen, Wenn Man auch nicht in dm Fchler verfällt, die amerikanische Äriegshilfe zu unterschätzen, so ist eS doch Aar, daß sie die Bedeutung der zerschmetterten ruffischm Millionenheere nicht erlangen kann. Die letzte Kaiserzüsammerckunst im deutschen Hauptquarttere HÄ die Ausfichrung des Ostfriedens noch verschoben. Darf mcm diese Taffache dähmdeuten, daß man den Spielraum zum Weltfriedensschluffe nicht voreilig und leichtsinnig verengen wW. Niemand will wohl die furchtbare Verantwortung einer halsstarrigen Kriegsverlangermrg mchr allein auf siih nehmen, well sonst nicht auSzudenAn ist, wie lange der Krieg noch mchauern. Ainnte. Die KriegskrWe sind so ziemlich gleich und bw ein Siegfriärm zustande Lame, kötürte mittlerweile Europa entvölkert und verwüstet sein und die Listigen Asiaten uttd rücksichtslosen Lünerllaner waren schließlich die lachenden Erben. HMte fft. ein andauerndes v«. bangns^Spiel mit dem Lehm und dem Gute der ÄZett nicht bloß verbrecherisch, sondern auch — irrsinnig. ' _ Die maßgebenden Leiter der Weltgeschicke haben hoffenffdes schreckliche«, überlangen Weltkrieges bereits genug und werden demsewen nicht, noch längere Dauer gönnen, damit noch mchr solche Gifffrüchje ausreffen können. .. R. L. ..W* Ä 17. libet hÄ)euteNde Er zelgungen sind in Angster Zeit für dR Judenschast der Monarchie in den Vordergrund getteten. In Wien haben die Juden Oesterreichs die denkwürdige Resolution gegen die Judenhetze gefaßt. Wenige Tage nachher ist die Jutzenfrage auch im ungarischen Parlamente zup Sprache, gekommen. In beiden Fällen ist die Ursache die gleiche : die Verfolgung, die ungerechte Behandlung der Juden. Es ist eine bettübende Tatsache, daß in gewissen Kreisen eine systematische Hetze gegen die Juden ausnahmslos betrieben wird. Sei es eine Frage der Politik, sei es eine Eruährungsschwierigkeit oder auch nur eine patriotische Kundgebung, — bei jedem Anlasse müssen die Juden das Bad ausgießen; beständig müssen sie den Ableiter für allerlei Stauungen in den bewegten Gemütern der Volksmassen abgeben. Und' gerade die Führer des Volles sind es, die bei ihren politischen Parteien die Flammen des Haffes gegen ihre Mitbürger enffache». Jeder nichtssagende Fehler eines Angehörigen der mosaischen Konfession wird durch allerlei Entstellung aufgebauscht, um gegen das jüdische Voll zu ^hetzen. "Daß menschliche Schwächen, Eigennutz, Gewinnsucht in dieser schweren Zeit nicht nur bei Juden, vielmehr auch bei anderen Böllern zu Hause sind, daran denkt niemand. Daß auch Nichtjuden die Preise bei Lebensmitteln überschrMn, das wollen solche Hetzer nicht wissen. Und es wird niemandem einfalleN, für schwere Verbrechen wie Raub, Mord, Verrät und deWeichett, die von einzelnen Nichffuden begangen, eiür ganze Nation verantwortlich zu machen. Zum Glücke kommen bei Juden nur in vereinzelten Fällen und dies auch nur in Bezug auf Gewinnsucht Fehler vor, was jedoch in Anhettacht ihres schweren Existenzkampfes leicht erklärlicher scheint. Und solche unwesentliche Umstände bilden die Ursache von Verleumdungen Md Hetzen gegen alle Inden. Was würden nun ihre Widersacher dazu gesagt haben, wenn die Herren vom Wiener Magistrate im Preistteiberprozesse hätten gegen Juden vor Gericht erscheinen müssen, oder wenn ein Jude der Urheber der Pulverexploston in der Gumpendorferstraße, oder wenn das grausame Verbrechen an der Julie Earl auf einen Juden zuvückzuführen gewesen märe? — Bemerkenswert ist es aber, daß der Antisemitismus in Oesterreich vornehmlich von jener Nation gefördert wird, die den Juden die meisten Vorspanndienste zu verdanken hat. Me Förderer des Deutschtums, der deuffchen Sprache, der deutschen Kultur, der deutschen Bildung, die Juden, die sich infolge ihres Bekenntnisses zum Deutschtum die Gunst der anderen Nationen verscherzen, — sie verdienen fürwahr mehr und besseres Entgegenkommen von Seiten ihrer deuffchen Mitbürger! Diese ehernen Tatsachen sind in der Resolution der österreichischen Juden für alle Zeiten festgenagelt. In klarer Weise führt sie alle poslliven Umstände für das patriotische Bechüllen der Juden zu Kaiser und Vaterland an. Alle Beschwerden, Opfer und Leistungen der Juden für den Staat im Kriege sind da zum Ausdrucke gebracht. Aber auch die gefährliche Hetze, die seitliche Haltung und die. zersetzenden Wühlereien gewisser Kreffe finden Erwähnung. Diese Kundgebung der österreichischen Juden gemahnt die Regierungen an ihre Pflicht, indem sie auf die abschreckenden Beispiele, auf die ttaurigen Erfahrungen der Weltgeschichte in der-Vergangercheit himveist und die Well gleichzeitig zum Zeugen für die Zrllunft anrust! . Urch der Wwerhall dieses Rufes wurde nun aus dem ungarischen Parlament vernommen. Den Anlaß hiezu bildete« ebensolche Vorfälle, wie sie gewisse Hetzer in Oesterreich gegen Juden predigen. Doch d«K war Ben in Ungarn! Da verurteilten frermüffg die Mhrer der ungarischm Nation den Antisemitismus. Im Gegensätze zu den gewiffenlosen Agitationen deS Judenhasses, welche stets die Schuld für Handlungen Einzelner dem ganzen jüdischen Volke zufchreiben, erklärte Graf Tisza:

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