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Die Wahrheit · 1918-08-23 · Heft 17 (23.8.1918) · page 3

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Journal
Die Wahrheit
Volume
1918
Issue
Heft 17 (23.8.1918)
Date
1918-08-23
Page
– (sequence 3)
Language
German
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Der Dreibund und die Trippelallianz bildeten sich schon Jahrzehnte vorher und das Wettrüsten der zwei großen gegnerischen Staatengruppen Europas hielt die Welt lange schon in Angst und schädigte ihren kulturellen Aufstieg wesentlich. Die Einigung Deutschlands und die Erweckung des deutschen Reiches aus langem Schlafe-im Jahre 1870, -vielleicht mehr noch das neu geeinte Italien mit Rom als Hauptstadt als Teilnehmer-am-Dreibunde erzeugten im französischen Volke eine derart heillose Angst, daß es den unaufrichtigen Staatslenkern der französischen Republik möglich wurde, dieselbe enge auf Gedeih und Verderb mit dem autokratischen, volksfeindlichen russischen Zaren zu verbinden. Das gewaltige britische Reich, welches lange schon die Hegtmonie auf allen Weltmeeren besaß, schwankte noch längere Zeit in der Frage, welchem Staatenbunde es sich entschieden anschließen solle, denn der gefräßige russische Bär schien ihm in Asien gefährlicher werden zu können, als andere europäische Staaten. Doch zeigte der russisch-japanische Krieg im Jahre 1905 und die darauf folgende russische Revolution, daß auch der Zarismus seine Grenzen habe, der aufstrebende Marinismus und überseeische Welthandel Deutschlands bestimmten aber die Entscheidung England bereits unter der Regierung König Eduards gegen den Dreibund. Nach Untergang der serbischen Fürstendynastie Milans kam bekanntlich in Serbien der Vasall des russischen Zaren König Peter Karageorgowitsch auf den serbischen Königstron, Unter dessen Regierung der Guerillakrieg gegen Oesterreich-Ungarn in der Form politischer Morde bereits seinen Anfang nahm. Die Trippelallianz-hatteden Untergang der türkischen Herrschaft in Europa beschlossen und unter ihrem Schutze-brächen in den Jahren 1912 und 1913 die Balkankriege aus und die verbündeten Kriegsgenoffen lagen sich bekanntlich am Schluffe derselben wegen der Verteilung des den Türken abgenörnmenen Raubes in den Haaren. Nach 30jähriger Okkupation Bosniens und Herzegowina'annektierte endlich Oesterreich-Ungarn diese Provinzen im Jahre 1908, in die es gewaltigen Summen investiert hatte, um einem etwaigen falschen Schachzuge Rußlands und seiner balkänischen.Vasallenstaaten zuvorzukommen. Nicht lange darnach unternahm ItalienHen räuberischen Kriegszug gegen Tripolis, dem alle anderen Staaten mit verschränkten Armen zusahen. Gegen Ende Juni 1014 erfolgte in Sarajevo der von der serbischen Regierung unterstützte Prinzenmord, welcher von österreichffch-ungarischer Seite das bekannte Ultimatum und die Kriegserklärung an Serbien zur Folge hatte. Als die österreichisch-ungarischen Diplomaten den Krieg gegen Serbien erklärten, hofften sie, derselbe werde lokalisiert bleiben, die Kriegserklärung wirtte aber bekanntlich wie ein Funke in einem Pulverfaffe. Schon eine Woche nachher stand Europa in Flammen und die größten Staaten mobilisierten tatsächlich alle Männer, die einen Schießprügel tragen konnten. Die Landsturmmänner überwogen weit das ständige Heer in allen diesen Staaten und es standen bald in Wahrheit die Völker in Waffen. Damals dachten die unglücklichen Reichsratgeber wohl noch in keinem kriegführenden Staate an die überlange Dauer und die allverderbliche Wirkung, die der Krieg nehmen und verursachen könnte. Heute zählen wir bereits das , fünfte KriegDjahr, sämtliche Großmächte der Welt nehmen nun an diesem gigantischen Weltkriege teil und noch ist sein Ende nicht' abzusehen. Die Menschenopfer, die dieser Krieg bis heute schon verschlang, betragen viele MMonen der arbeits- und leistungsfähigsteN .Männer und sie übersteigen die gesamten Verluste aller früheren Kriege. Viele Städte und Dörfer liegen in Ruinen und weite r Landstrecken verwüstet. Viele Jahre wird es brauchen, um diese schrecklichen Schäden einigermaßen wieder zu heilen. Me Kriegsteilnehmer haben einarwer unsagbar geschädigt und geschwächt, ganze Staaten erscheinen aufgelöst und unterjocht, das gigantische Rußland zersprengt in Teile und die staatliche Umwälzung daselbst ist die denkbar gewaltigste und gründlichste. Der mächtigste Gewaltherrscher, der russische Zar wurde ermordet, nachdem er viele Monate verkosten mußte, wie die Gefangenschaft unter der Macht wütender Feinde schmeckt. Man kann darauf wetten, daß auch die Feinde des Zaren, welche diesen Weltkrieg mit angezettelt haben, über seinen schrecklichen Untergang nicht frohlocken. Auch sie buchen dieses Ereignis zu den unerwarteten und unerfreulichen Früchten des Weltkrieges. Dergleichen gibt es aber bereits mehr. Auch die märchenhaften Verschuldungen, in die heute nicht nur alle kriegführenden, sondern auch neutral gebliebenen Staaten geraten sind, bereiten sicherlich keine Freuden und Frankreich weint heute außerdem den in Rußland verlorenen Miüiardenwerten blutige Tränen nach.

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