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Die Wahrheit · 1918-06-14 · Heft 12 (14.6.1918) · page 8

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Journal
Die Wahrheit
Volume
1918
Issue
Heft 12 (14.6.1918)
Date
1918-06-14
Page
– (sequence 8)
Language
German
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Seite 8. Die Wahrheit Nr. 12. _ Krrfchirdrnr Nachrichten. Wie«. Am 2. Juni l. I. ist nach kurzer Krankheit der Kulttrsvorsteher Emanuel Grün w a l d gestorben. Der Verblichene, Her seit Bereinigung der Floridsdorfer Gemeinde mit der. Wiener Kultusgemeinde als Vertreter der ersteren dem Kultusvorstande «»gehörte, zählte zu den meistbeschästigten und arbeitSfreudigsten Mitgliedern der Körperschaft. Mit unermüdlichem Eifer betätigte ex sich im Friedhofamte, i» der Arruenanstalt und in anderen Zweigen der Gemeindeverwaltung und überall wurde sein kluges, auf reiche Lebenserfahrungen gestütztes Urtell geschätzt und gewürdigt. Große Verdienste hat er sich auch um die Mazzothversorgung erworben, die in den beiden letzten Kriegsjahren auf fast unüberwindlich scheinende Schwierigkeiten gestoßen war und nur durch jeine seltene Tatkraft und Fachkenntnis bewältigt werden konnte. Der Heimgang dieses tüchtigen, herzensguten, von echt jüdischem Geiste beseelten Mannes bedeutet einen schweren Verlust für die jüdische Gemeinde, insbesondere für den Floridsdorfer Bezirk, wo er jn Schule uttb Gotteshaus Unvergängliches geschaffen und an der Seite seiner ihm gleichgesinnten Gattin Henriette, der gegenwärtigen Präsidentin des Floridsdorfer Frauenvereines, eine reiche Fürsorgetütigkeit für die Armen und Notleidenden entfaltete. Die ungewöhnlich große Beteiligung am Leichenbegängniffe zengte für oie große Beliebtheit oes Heimgegangenen in den weitesten Kreisen und ein endloser Zug von Trauergästen bewegte sich vom Trauerhaufe zum Floridsdorfer Friedhofe. Dort angelangt, exekutierte Kantor M a r g u l i e s, affistiert vom Chore, die Trauergesänge, woraus Rabbiner Dr. R o s e n m a n n die Grabrede hielt und in großen Zügen das reiche Wirken und Schaffen des Verblichenen schilderte. Tiefbewegt waren die Abschiedsworte des Präsidenten der Kultusgemeinde, Dr. Alfted Stern, und nach ihm sprach Medizinalrat Dr. S a m u e l y namens der „Eintracht" und der „Heimstätte für verlaffene Kinder", deren Zöglinge ein ergreifendes Abschiedslied sangen. Also-Kubin. Für die hiesige Kultusgemeinde wurde Herr I. Rowinsky als Oberkantor einstimmig gewählt. Pöchlarn. Für Sonntag, den 26. Mai, hatten die Herren Kultusvorsteher Gottlieb Mahler-Kemelbach, Rabbiner Ch. Berttsch Amstetten und E. Schuh-Purgstall, die Juden der kleinen niederösterreichischen Orte zu einer Versammlung einberufen. Bor einem zahlreichen Auditorium, worunter verstreute Zionisten gefunden wurden, erörterte Gg. Paul Stein-Linz die Lage im Judentum und die versuchten Lösungsformen der jüdischen Frage. Gg. Max Sohn-Linz referierte sodann über Zionismus vor Herzl und die weitere EMwicklung unter und nach Herzl. Es ergriffen zur Diskuflion, welche vom Vorsitzenden, Herrn Robb. Berttsch, geleitet wurde, das Wort die Herren Weidenseld und Dr. Erber von der „Kadimah". Es bot sich Gelegenheit das Publikum, das großes Interesse für die Ausführungen der Redner zeigte, in großen Zügen zu informieren und mit sämtlichen Anwesenden einen bleibenden Kontakt zu schaffen. Die Linzer zion. Organifatton wird nunmehr die Kleinarbett in diesen Orten übernehmen. Markant war, daß einige Juden aus Pöchlarn, welche der anttsemittschen Bevölkerung ihre „ Nicht"- Zugehörigkeit beweisen wollten, nicht unterlaffen konnten, die Behörde auf diese „geheime Gesellschaft" auftnerksam zu machen. Die Behörde, welche die „jüdische Sekte" — wie sie sie nannte — sofort auflösen wollte, konnte nur mühsam überzeugt werden, daß es sich um eine durchaus einwandfteie, auch in Mer Form angemeldete'Zusammenkunft handle. (Kapitel: Protestjudentum) Mährrsch-Oftrau. Die Jüdische Kultus gemeinde in M ä h r - O st r a u hat sich bereit erklärt, dem INF für Siedlungszwecke in Palästina den Bettag von X 50.000 in der Weife zur Verfügung zu stellen, daß sie 10 Jahre hindurch alljährlich K 5000 an den Jüdischen Nattonalfonds absühren wird. Diese Summe soll, so weit sie nicht durch Spenden beim Äusruf zur Thora und eventuell Sammlungen seitens der Kultusgemeinde aufgebracht wird, aus den Kultussteuereingängeu unter dem Titel von Subventtonen gedeckt werden. Der Beschluß der jüdischen Kultusgemeinde in Mährisch- Ostrau ist die Folge eines Ansuchens, das die österreichische Smumelstelle des INF an sämttiche Kultusgemeinden, Rabbiner und Kultuspräsidenten zwecks Unterstützung der „Nachlaß" -Aktton gerichtet hat, wobei jede Gemeinde cmfgefordert wurde, in kurzer Zeit wenigstens einen Baustein, d. i. L 5000, welche dem durchschnittlichen Bodenbedars einer jüdischen Familie in Palästina entsprechen, zusammenzubringen. Auch andere Kultusgemeinden, insbesondere in Mähren, haben bereits die Gesuche des INF mit kleineren Subventionen beantwortet. Das Beispiel von Mähr.-Ostrau ist deshalb bezeichnend, weil der gefaßte Beschluß die palästinafreundliche Stimmung ausdruckt, welche heute weite jüdische Kreise auch außerhalb der zionistischen Bewegung durchdrungen hat. Es ist wohl die Erwartung berechtigt, daß dem Beispiel dieser Gemeinde bald andere Städte folgen werden und dadurch der Jüdische Rattonalfonds in der Lage sein wird, sein Siedlungsprogramm möglichst bald zu verwirklichen. Der auf dem Felde gefallene Assessor Erich Rothenberg, Bleicherode, hat als letzten Willen dem Jüdischen Nationalfonds ein Legat von 2000 Mark hinterlassen. Kriegsfürssrgeaml des k. «.k.Kriegsminifteriums. Vom Preßbureäü des Kriegsministeriüms genehmigt. Aufruf! Unsere aus der Gefangenschaft heimkehrenden Krieger befinden sich zum größten Teile in einem Zustande ärger Verwahrlosung. ' . . Besonders hinsichtlich der Wäsche herrscht die allerärgste Not. Die Heimkehrenden haben entweder gar keine, oder nur ganz zerlumpte Leibwäsche, welche., als Trägerin von Ungeziefer und. Jnfektionskeimen gelten kann. Es besteht somit die Gefahr, daß durch die Heimkehrer Epidemien, insbesonders Fleckfieber, eingeschleppt werden. Es ist daher ein Gebot der . allgemeinen Volkswohlfahrt, daß jeder zurückgekehrte Krieger so rasch als möglich mit gebrauchsfähiger, hygienisch einwandfreier Wäsche versehen werde. Abgesehen davon, verdienen es wohl die zurückgekehrten Krieger in erster Linie, daß sie baldigst wieder einem menschenwürdigen Dasein zugeführt werden. Bei dem drückenden Mangel an Textilprodukten und dem ins Vielfache gesteigerten Bedarf für unsere Armee ist aber die Heeresverwaltung außerstande, nunmehr auch für die Heimkehrer Wäsche in ausreichender Weise aufzubringen. Das Kriegsfürsorgeamt wendet sich daher an jene Teile der Bevölkerung, die in ihren: Haushalte noch über derarttge Bestände cm Wäsche verfügen und in der Lage sind, irgend ein entbehrliches Wätchestück der nachstehend bezeichneten Art abzugeben. Die Sammlung wird ausschließlich auf Männerhemden und Männerunterhosen, und zwar in noch gebrauchsfähigem und gereinigtem Zustande beschränkt. Da möglicherweise der Fall eintreten könnte, daß die. steigende Not an Wäsche für Zwecke der Volksbekleidung und des Heeresbedarfes es späterhin erforderlich macht, eine teilweise Inanspruchnahme der Wäschebestände in den besser versorgten Privathaushaltungen in Erwägung zu. ziehen, wird Vorsorge getroffen, daß diejenigen, die sich an der Wäschesammlung für Heimkehrer durch geschenkweise oder entgeltliche Ueberlassung von Wäschestücken beteiligen, späterhin von einer Heranziehung ihrer Vorräte an den betreffenden Wäschesorten befreit bleiben. Dies erfolgt in der Weise, daß jeder, der von je einem Dutzend Männerhemden oder Männerunterhosen je ein Stück kostenlos oder je zwei Stück gegen Bezahlung abgibt, eine besondere Bestättgung hierüber ausgestellt erhält. Im Falle der entgeltlichen Ueberlassung wird für jedes brauchbare Männerhemd ein Betrag von K 8.— bar vergütet. Ein Teil des Ergebnisses dieser Wäschesammlung wird Volksbekleidungszwecken zugeführt werden. Gaben von Wäsche werden jederzeit in Wien von der Sammelstelle, IX., Währingerstraße 32 (Telephon 12367), außerhalb Wiens von den Militärstationskommanden und Gendarmeriepostenkommanden entgegengenommen; weiters von den Lokalkomitees, welche gewiß wieder mit patriotischem Eifer ihre Tättgkeit entfalten werden. Jn Wien werden die Wäschestücke auch nach vorherigem Aufruf vom Kriegsfürsorgeamt des k. u. k. Kriegsministeriums, IX., Berrggasse 20 (Telephon 14171, 12516, 14322) direkt bei den Besitzern abgeholt. Dorthin sind auch alle Anfragen und Mitteilungen zu richten. Zur Erlassung dieses Aufrufes uyd zur Veranstaltung der Sammlung hat das Handelsministerium im Sinne des § 28 der Minister!alverordnung vom 21. September 1917, R.-G.-Bl. Nr. 383, die Bewilligung erteilt. Wien, im Mai 1918. Seibt, G. d. I., m. p.

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