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Die Wahrheit · 1918-06-14 · Heft 12 (14.6.1918) · page 5

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Journal
Die Wahrheit
Volume
1918
Issue
Heft 12 (14.6.1918)
Date
1918-06-14
Page
– (sequence 5)
Language
German
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Seite 5 Nr. 12 Die Wahrheit wendet hat. Nachdem auf Hilfe aus der Ferne nicht mehr zu rechnen ist, müsse umso mehr die österreichische Judenheit ihr« Ehrenpflicht entsprechen. Um während der restlichen Kriegszeit und nach Beendigung derselben durch Selbsthilfe die entstandene Lücke auSznfüllen und durch großzügige Widmungen den Weiterbestand der Pohlfahrtseinrichtungen und die Weitergewührung der Unterstützungen zu sichern. In besonderen Abschnitten behandelt der Bericht die Entwicklung der Flüchtlingsfürsorge, sowie die Hilfsaktion in Galizien und in Ruffisch-Polen während des verfloffenen Jahre-. Bon historischem Interesse sind die statistischen Daten über die Verteilung der Flüchtlinge, deren Zahl in den verschiedenen Krönländern noch am 1. Juli 1917 177.115 ausgemacht hat. Von den nahezu 200 Flüchtling-Hilfskomitees im Westen, welche mit den einzelnen Beiträgen im verfloffenen Jahre und seit Beginn der Aktion ausgewiesen sind, haben die größten Subventionen erhalten die Bezirkskomiteein Budweis (seit Beginn der Aktion X 144.250»), Graz (K 84.600), Karlsbad (K 114.800), Linz (K 170.000), Mistel (K 62.800), Pilsen (K 220.150), Prag (K 148.000), Troppau (K 168.000). In Wien haben mit Rücksicht auf die Ausspeisung der armen Flüchtlinge die Israel. Volksküche, die Vereine „Einheit* und „Machsike Hadath“, der „Verband galizisch-südischer Humanitätsvereine", ferner zur außerordentlichen Beihilfe in Notfällen die unter Leitung des Herrn Gemeinderates Dr. Rudolf; Ritter von Schwarz-Hiller stehende Zentralstelle und die Wohlfahrtsinstitutionen der Frau Anitta Müller Beiträge erhalten. Für die Opfer des Krieges in Ungarn wurden aus den amerikanischen Mitteln während der verflossenen drei Jahre K 525.622 überwiesen. Das österr.-ung. Hilfskomitee in Kopenhagen hat der Allianz in hochheiliger Weise zwei Waggons bester dänischer, gezuckerter Kondensmilch zur Verteilung an arme Flüchtlingskinder gesandt. Die Korrespondenz über diese Spende, um deren Zustandekommen sich besonders Herr Oberrabbiner Dr. Schornstein sehr bemüht hat, mußte mit dem k. u. k. Mnisterium des Aeußern und den diplomatischen Vertretungen in Deutschland und in Dänemark, ferner mit dem Kriegsministerium, welches infolge einer persönlichen Empfehlung des Ministerpräsidenten die vom Komitee in Kopenhagen zur Bedingung gemachte Sendung von 7500 Weißblechplatten zur Anfertigung der Dosen nach Dänemark ermöglichte, mit dem Mnisterium des Innern, mit dem k. k. Amte für Volksernährung, mit dem Finanzministerium, mit dem Eisenbahnministerium, beinahe durch das ganze Jahr geführt werden, bis endlich die Milchdosen an die Flüchtlingskomitees von Wien aus versandt werden konnten. In Galizien hat das Gebiet der Fürsorgeaktion sich durch die Befreiung der östlichen Bezirke insbesondere der Gebiete von Stanislau, Kolomea, Czortkow, Buczacz, Tarnopol, Czernowitz und Brody stark erweitert. Das Jüd. Rettungskomitee in Lemberg allein, welches für die oftgalizischen Gemeinden seines Fürsorgesprengels, für 80 bis 100 Gemeinden, von der Allianz im Jahre 1915 L 150.200, im Jahre 1916 K 814.769 erhalten hat, empfing im Kalenderjahre 1917 Subventtonen in der Höhe von K 981.280 und von Januar bis Mai 1918 weitere K 517.680, insgesamt bis jetzt K 2,371.879 zur Verteilung. Weitere bedeutende Beträge erhielten für allmonatliche Unterstützungen in je einer großen Anzahl von Gemeinden die Zentralkomitees in Przemysl, Stanislau, Jaslo, Rzeszow und Tarnow, sowie die separaten Hilfskomitees in Brody und Kolomea. Für eine große Anzahl der unterstützten Gemeinden find stattstifche Daten über die Zahl der notleidenden Familien, die erhaltenen Volksküchen und andere Wohlfahrtseinrichtungen enthalten. Mit Bezug auf Russ.-Polen verzeichnet der Bericht mit Bedauern, daß eine Verschlechterung der Situation der Juden geradezu eine Folge des Erstarkens der autonomen Faktoren im Königreiche und des wachsenden Einflusses der national-polnischen Verwaltung war, welche sich zum Schaden des Landes, unter Gefährdung seines Rufes in der zivilisierten Welt, von den in den letzten Jahren vor dem Kriege unter russischer Herrschaft angefachten anttsemittschen Jnftintten leiten ließ. Durch gewerbe-politische Maßnahmen, namentlich bei der Einrichtung verschiedener Handelst und Approvisionierungszentralen, wurde auf eine Ausschaltung der Juden und rücksichtslose Einschränkung ihrer Lebens- und Erwerbsmöglichkeiten hingearbeitet. Die Allianz hat in dieser Angelegenheit beim Generalgoverneur Grafen Szeptycki interveniert und darauf hingewiesen, daß die wirtschaftliche Not der Juden, zu deren Linderung die private Wohltätigkeit bei weitem nicht ausreicht, nicht zum geringen Teile eine Folge dieser gewerbe-politischen Maßnahmen ist. Die Unterstützungen mußten trotz der steigenden Not wegen der Unzulänglichkeit der Mittel reduziert werden. Als sich jedoch im Herbste 1917 in Haag das Mederländische Komitee konstituierte, welches auf diplomatischem Wege für eine Fortführung der amerikanischen Hilfsaktion in den okkupierten Gebieten einttat, setzte sich der Vorstand der Allianz mit diesem Komitee durch freundliche Vermittlung des k. u. k. Mnisterium des Aeußern sowie des^ königlich Niederländischen Gesandten in Wien Herrn Dr. Wilhelm Marc Jonkheer Werde de Berencamp, in Verbindung. Durch eine Reise des Sekretärs der Allianz Herrn Dr. Armand Kaminka nach Haag konnten dort im Januar 1918 persönliche Verhandlungen über den Umfang und Modalitäten der weiteren Geldsendungen nach den okkupierten Gebieten (für Galizien, als ein für Amerika feindliches Gebiet, war nach den Weisungen des Staatsdepartements in Washington jede weitere Hilfe vollkommen ansgeschlossen) stattfinden. Infolge derselben wurden von Februar ab weitere K 100.000 bis K 150.000 monatlich durch die holländische Gesandtschaft in Wien nach Russ.-Polen gesandt, zu welchen Summen die Allianz vereinbarnngsgemäß auch ihrerseits Zuschüße insbesondere für notleidende Schulen gewährte. Die Geldsendungen aus Holland sind jedoch im Mai wieder ins Stocken geraten. Seine Exzellenz der Königlich Niederländische Mnifter des Aeußern Dr. London hat der Hilfsaktion persönlich ein warmes Interesse entgegengebracht, wofür ihm der Deligierte der Allianz anläßlich der Konferenz in Haag in einer Audienz im Namen des Vereines, sowie der von demselben unterstützten notleidenden jüdischen Bevölkerung der okkupierten Gebiete den Dank ausgedrückt hat. Außer den zahlreichen durch die vier Hauptkomitees in Lublin, Radum, Kieler und Piotrkow subventtonierten Gemeinden in Polen, erhielten in Wolhynien die Gemeinden Wladimir- Wolynsk, Kowel, Ustilug, Maciojow u. a. monatliche Unterstützungen, Nach Rumänien wurden durch das Zentralkomitee in Bukarest insgesamt K 178.000, nach Serbien K 22.000 gesandt. Die Hilfsaktton in Palästina, wurde nachdem die Mianz anfangs 1917 aus eigenen Mitteln K 23.000.— für Jaffa, Jerusalem und Saffed bewilligt hatte, im Verein mit dem Verbände der Jsr. Humanitätsvereine „B'nai B'rith", dem Vorstande der Jsr. Kultusgemeinde in Wien und dem Exekutivkomitee der Zionisten weitergeleitet. Die Gelder der gemeinsamen Aktton wurden beim Bankhause S. M. von Rothschild verwalt^. Es waren bis April d. I. K 85.771.— eingegangen. 88.290 Frcs. wurden nach Damaskus zur Unterstützung der Evakuierten in Nordpalästtna gesandt. Nach Konftanttnopel wurden zur Unterstützung an notleidende Juden in türttschen Gemeinden K 10.000 überwiesen. Aus einer eingehenden Darstellung der Bemühungen für die bürgerliche und polittsche Gleichstellung in Rumänien, geht hervor, daß der Vorstand der Allianz selbständig und im Verein mit dem „Oesterreichischen Zentralkomitee" wiederholt, anläßlich der Friedensverhandlungen sich mit Denkschriften an den Mnister des Aeußeren wegen Sicherung der uneingeschränkten Emanizipatton der Juden gewandt hat. Es wird feierlich Verwahrung eingelegt, gegen die Türfttgkeit der Konzessionen, welche den besiegten rumänischen Machthabern durch die siegreichen Zentralmächte im Friedensvertrag mit Bezug auf die Juden abgerungen wurden, insbesondere dagegen, daß statt einer endgülttgen Abschaffung der rumänischen Fiktton, sonach die Juden „Fremde" im Lande seien, der Vertrag nur einzelnen Kategorien aus Grund

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