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Die Wahrheit · 1918-06-14 · Heft 12 (14.6.1918) · page 4

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Journal
Die Wahrheit
Volume
1918
Issue
Heft 12 (14.6.1918)
Date
1918-06-14
Page
– (sequence 4)
Language
German
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Seite 4. __:;_Die Wahlcheft , __ „ Nr. 12. Die Herzen, wieset Leute schlugen Lei Ausbruch des Krieges sicherlich mchr fpx Oesterreich Äs für ihr Lärbarisches Vater» land und Nese ^ermäßige Vorsicht war ercheuchelt? Meist waren diese armen ausgedrängten Schulkinder bereits in Oesterreich geboren. ' Im Unterrichtsausschuß des Abgeordnetenhauses deckte Abgeordneter Glöckl die Schulkriegsschäden eingehend auf und zwang das Unterrichtsministerium, sich mit dieser Materie -zu beschäftigen. Vor einigen Tagen langte nun ein Bericht -es Unterrichtsministeriums über die ergriffenen Schulmaßnahmen ein. Das österreichische Unterrichtsministerium unterstützte diejenigen Gesuche um Freigabe der vom Mlitär in Beschlag gelegten Schulgebäude für den Unterrichtsbetrieb, die die Landesschulbehörden an das Kriegsministerium oder das Armenoberkommando gerichtet hatten. Noch seien aber in Men 117 Schulgebäude, die zur Unterbringung von 162 Schulen bestimmt waren, von der Militärverwaltung belegt. Konnten während vier Kriegsjahren wirklich keine anderen Gebäude oder Nolbaracken herangezogen werden, um dringend nötige Schulgebäude ihrem Zwecke zurückzugeben? Die Landesschulbehörden traten zwar nach dem Müristerialberichte für eine weitgehende Einschränkung der Sammeltätigkeit der Schulender ein, aber zu einem generellen Verbot derselben konnten sie sich nicht entschließen. Das Unterrichtsministerium werde daher darüber einzeln entscheiden. Das Unterrichtsministerium bestritt es nicht, daß zu viel schulfreie Tage aus patriotischen Gründen eingeschoben wurden und es habe in dieser Richtung den Landesschulbchörden entsprechende Weisungen erteilt, die es verhüten sollen, „daß die Kuder die Schule nicht mit Wissenslücken und Erziehungsmängeln verlassen, die ihrer künftigen Heranbildung zu tüchtigen Menschen entgegentreten könnten." Die in der Schulnovelle in Niederösterreich bestimmten Ferialtage sind mindestens für Kriegsdauer einer Revision zu unterziehen. Die Weglassung aller nicht unbedingt notwendigen Ferialtage soll verfügt werden und unter dem Vorwände häuslicher Verrichtungen oder landschaftlicher Arbeit dürfen Schulkinder nicht unberechtigt von der Schule ferngehalten werden. Unter allen Umständen hecken aber künftig Ferialtage zwecks Beteiligung der Schuljugend an Sammelaktionen zu unterbleiben. Bezüglich der Errichtung von Schulküchen seien einschlägige Vechandlungen der Landesschulbehörden mit den entsprechenden Faktoren noch im Gange und dem Wunsche, Kinder ftemder Staatsangehörigen nunmehr zum Besuche der öffentlichen Schulen wieder zuzulassen, könne aus außerpolitischen Gründen (!) nur teilweise entsprochen werden. Das Unterrichtsministerium behauptet, daß in dieser Richtung gegenwärtig weit weniger streng vorgegangen werde, daß die Belastung solcher Schüler jetzt nahezu die Regel bilde und ausländlffche Volksschüler nur dann noch von der Schule ferngehalten werden, „wenn nach dem Ergebnis gepflogener Erhebungen den Eltern der Kinder das erforderliche Vertrauen nicht entgegengebracht werden kann." Wer erhebt das? Sind da keine tendenziösen Prioatverfolgungen möglich? Und entsprechen schließlich derartige Aktionen der Würde eines Großstaates und der christlichen Liebe? Der Fordermrg des Referenten, Abgeordneten Glöckl, zwecks Befestigung der Schulordnung alle notwendigen Lernmittel unentgeltlich zu verabfolgen, trat das Unterrichtsministerium mit der Bemerkung entgegen, die Mehrzahl der einvernommenen Schulbehörden habe gegen diese Forderung gewichüge pädagogische Bedenken. Viele Eltern wünschen dies nicht (wohl nur die eingebildeten Protzen), außerdem sei dadurch eine schwere Schädigung der Kleingewerbetreibenden, die den Lernmittelverschleiß betreiben, zu befürchten (!!) Hat der Weltkrieg nicht ungleich mehr Existenzen geschädigt? Woher diese auffallende, inviduelle Fürsorge? Sind alle Wiener Lernmittelharckler Anhänger der mächtigen christlichsozialen oder deutschnaüonalen Vereinigung? 5 Äeber Ortzanisattoüßfraaen, welchem den Schulen die Wswahl der Tüchtigen erleichtert , sollen, gibt es nach der ~ Minifteriälerklärung derzeit/erst Studienreisen beauftragter Fachmänner/. " * Wohl kann man aus diesem Ministerialberichte die Hoffnung schöpfen, daß der Höhepunkt der Schülverschlechterung in Oesterreich bereits wieder überschritten sei. Derart mißachtet, wie zu Beginn des Weltkrieges, kann und chird die Schulerzjehung und der Schulunterricht nicht weiter werden, aber eine begeisterte, zielgerechte und opferwillige Schulerneuerung darf man von den Männern^ die derzeit an der Spitze der österreichischen Schulverwaltung stehen, nicht erhoffen. Man will an den derzeit mächtigen Faktoren nicht anstoßen,' selbst wenn man dieselbeu längst als Feinde eines Volksaufschwunges kennt. Je tiefer der Staatsbürger steht, desto schmäler soll ihm das geistige Brot oorgeschnitten werden! Jüdische Staatsbürger haben aber außerdem noch die demagogische Judenfeindschaft als Einteilungsgrund zu befürchten, sie müssen daher voll Mißtrauen bei der kommenden Schulerneuerung in Oesterreich auf der Wacht stehen! Greifet rechtzeitig und energisch ein, dann werdet Ihr später weniger zu beklagen haben! R. L. Aus dem Jahresberichte der Israelitische« Allian; fu Wien. Der in der Generalversammlung der Israelischen Allianz am 10. Juni 1918 vom Präsidium des Vereines erstattete und an die Mitglieder versandte Jahresbericht, weist mit Bezug auf die K r i e g s h i l f e a k t i o n des Vereines zunächst aiff die traurige Tatsache hin, daß das vor einem Jahre erfolgte Eintreten der Vereinigten Staaten in den Krieg ein vollständiges Versiegen der amerikanischen Hilfsquellen zur Folge gehabt hat, wenn auch speziell für Russisch-Polen, durch eine mit dem Niederländischen Hilfskomitee in Haag getroffenen Vereinbarung durch einige Monate Unterstützungen erlangt werden konnten. Glücklicherweise hat die Allianz noch kurz vor Torschluß bevor die diplomatischen Beziehungen mit Amerika abgebrochen wurden, vom Joint Distribution Komitee in Nerv-Bork für die Flüchtlinge in Oesterreich, für die Aktton in Galizien und für' die okkupierten Gebiete eine letzte Sendung von über zwei Millionen Kronen erhalten. Durch diese gleichsam zum Abschied dargebotene Beihilfe konnte das Hilfswerk' noch immer auf einer stattlichen Höhe erhalten werden. Von Mai 1917 bis Mai 1918 wurden über eine halbe Million Kronen für die Flüchtlinge im Westen, ungefähr K 1,700.000 an Unterstützungen in 246 notleidenden jüdischen Gemeinden Galiziens und der Bukowina und ungefähr eine Million Kronen in zirka 150 notleidenden Gemeinden der okkupierten Gebiete verwendet. Seit Beginn der Aktton wurden an Flüchtlinge K 4,100.000 in Galizien und in der Bukowina K 4,400.000, in d?n okkupierten Gebieten K 2,800.000, zusammen K 11,300.000 verteilt. Gegenüber dem großen Umfange des Elends, welches wirksam zu bekämpfen die private Wohltätigkeit überhaupt außer Stande ist, ist dieser Bettag sehr gering; der Verein war aber doch in der Lage durch diese Subventionen viele tausende der allerärmsten Juden, die infolge der grenzenlosen Not dem Untergange preisgegeben wären, mit Nahrung und Obdach zu versehen und viele hunderte verlassener und verwahrloster Kinder vor dem Verkommen zu retten. Die Verteilung der amerikanischen Gelder geschah auf Grund eingebender Beratungen in einem hiefür gebildeten besonderen Komitee, in welchem alle sich für das Hilfswerk interessierenden jüdischen Körperschaften vertteten sind. Die Hilfstätigkeit der Allianz blieb von den kompetenten Staatsstellen nicht unbeachtet. Das k. k. Ministerium des Innern richtete an den Verein ein Dankschreiben, in welchem das Hilfswerk als eine wertvolle Ergänzung der staatlichen Fürsorgeaktton bezeichnet wird. Der Bericht hübt jedoch mit Recht hervor, daß die Aufmerksamkeit unserer vermögenden Glaubeusgenoffen sich der HUfsaktton zu wenigHzuge-

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