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Die Wahrheit · 1918-05-31 · Heft 11 (31.5.1918) · page 7

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Journal
Die Wahrheit
Volume
1918
Issue
Heft 11 (31.5.1918)
Date
1918-05-31
Page
– (sequence 7)
Language
German
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Nr. 11 Äe WäHrheit Seite 7. Bvn Chaim Bio ch (Ddlächn) nach^denindem hWäischen^Sasitttte^ Werke der „Einfachen GelehrtengLfprache" von SMes und Ettrnger enthaltenen Sprüchen bearbeitete Salomonische Weisheit. Der Rabbiner von Janow, ein Jugendfreund des Rädln Schmelkevon Nikolsburg, war ein hochgelehrter and frömmer Mann. Doch hatte er einen Fehler : Er war sehr starrsinnig.' Bildete er sich einmal etwas ein, so konnte ihn kein Mensch vom Gegenteil überzengen. Einmal, nach der Hochzeit seines Sohnes, verirrte er sich in einem Walde und verbrachte in diesem einige Wochen. In seiner großen Aufregung vergaß er, wann es Sabbat sei. Er irrte sich in seiner Berechnung um einen Tag, so daß er einen Freitag für den Sabbat hielt und ihn auch entsprechend heiligte. Erst nach einigen Wochen gelang es ihm, aus dem Walde herauszukommen und in seine Stadt zn gelangen. Nun begann er sich am Donnerstag zum Empfang des Sabbats zu rüsten und wunderte sich sehr, daß ' seine Angehörigen keine Vorbereitungen für den Sabbat machten. Man konnte ihn nicht überzeugen, daß er sich im Walde verrechnet hätte und daß heute Donnerstag und nicht Freitag sei. Er hielt hartnäckig an seiner Meinung fest. Seine Leute mußten sich fügen und alles für den Sabbat vorbereiten. Am Donnerstagabend ging er ins Bethaus und verrichtete die Gebete des Sabbatempfanges. Den nächsten Tag, Freitag, feierte er als. Sabbat. Als aber am Abend dieses Tages die anderen Leute den richtigen Sabbat empfingen,, beschimpfte er sie Er sprach die Wochentagsgebete und verrichtete werktätige Arbeit. Die Nachricht verbreitete sich in der ganzen Umgebung von Janow und es kamen die Rabbinen der Nachbargemeinden und versuchten, ihren Amtskollegen von seinem schweren Irrtum zu überzeugen. Doch alles war vergebens. Die Sache kam schließlich Rabbi Schmelke, damals Rabbiner von Ritschewel, zu Ohren. Dieser zögerte nicht, nach Janow zu reisen, um seinen Jugendfreund auf den richtigen Weg zu bringen. Er kam an einem Donnerstag nach Janow. Der Rabbiner von Janow, erfreut über den Besuch, bat seinen Gast, bei ihm den Sabbat zu verbringen, was Rabbi Schmelke versprach. Der Janower beauftragte seine Frau, alles für den.Sabbat vorzübeeeiten, damit sich der liebe Gast geehrt fühle. Rabbi Schmelke ließ insgeheim guten alten Wein vorbereiten. Am Donnerstagnachmittag gingen die beiden Freunde ins Bad, zogen dann ihre Sabbatkleider an und gingen ins Bethaus. Die Leute von Janow staunten, daß auch Rabbi Schmelke sich von ihrem störrischen Rabbi überreden ließ, daß heute Freitag sei. Der Rabbi von Janow betete die Gebete vor, mit denen man den Sabbat begrüßt, während Rabbi Schmelke und die anderen Leute wie an einem Wochentage beteten. Nach dem Beten gingen sie nach Hause und viele Leute kamen zum Rabbi, um den teuren Gast zu begrüßen. Dann sprach der Hausherr den Säbbatfegensspruch und man setzte sich zu Tisch. Bei Tisch sprachen sie über verschiedene hohe Dinge. Rabbi Schmelke forderte seinen Gastfreund auf, als Dankopfer für seine wunderbare Rettung aus dem Wälde recht viel Wein auftragen zu lassen, und der Rabbiner gab seinen Leuten die entsprechenden Befehle. Rabbi Schmelke aber sorgte dafür, daß dem Wirte vom ältesten und schwersten Weine eingeschenkt wurde und daß dieser dem Getränk eifrig zusprach, bis er einschlief. Rabbi Schmelke ließ dem Schlafenden ein Kissen unter den Kopf schieben, entzündete eine Pfeife und sagte zu den übrigen Gästen: „Jeder gehe nach Hause und mit Gottes Hilfe wird alles gut werden. Doch morgen abends, also am richtigen Freitagabend, kommt um die gleiche Zeit wieder her." Er aber blieb bei dem Schlafenden, um zu verhüten, daß er geweckt werde. Der Rabbiner schlief bis zum nächsten Abend und als die Leute wieder zu Tisch kamen und den Rabbi noch immer im Schlafe fanden, aßen sie mit Freude die Sabbatmahlzeit und führten bis Mittemacht gelehrte Gespräche. Dann, weckte Rabbi Schmelke den Schläfenden und sagte zu ihm: „Janower Rabbiner, nun wollen wir dar Äschgebet sprechen.* Dieser sprang auf und sägte: „Mir scheint, ich habe lange geschlafen." Gr wusch sich die Hände und unterhielt seinen Gast mit Thoraerklärungert. Schließlich sprach, man das Tischgebet. Der Rabbiner von Janow erfuhr bis-an sein Lebensende nicht, daß er eine Nacht und einen Tag durchgeschlafen habe. Er rühmte sich sogar, daß er seine Ansicht durchgesetzt habe und daß nun alle Welt den Sabbat nach seiner Berechnung feiere. Rabbi Schmelke aber wurde von jenem Tage an im ganzen-Lande berühmt. Verschiedene Nachrichten. Wie». Am 8. d. M. fand unter -dem Borsitze des Herrn Mor. Altmann die ordentliche Generalversammlung des Prater Bechaus-Bereines „Tefiiath Jeschuron" statt. Der vom Schriftführer Leopold A l t h o l z erstattete Bericht über die bisherige Tätigkeit für die abgelausenen Bereinsjahr gedenkt zunächst der Verluste, welche der Verein durch das Ableben dreier Vorstandsmitglieder erlitten hat. Aus dem Berichte ist zu entnehmen, daß der Verein eine ersteuliche Entwicklung, genommen, welcher die Hoffnung rechtfertigt, daß selber in absehbarer Zeit zu einem ersprießlichen Erfolge kommen werde. In seinem Rückblick auf die Entstehung und Entwicklung des Vereines erwähnt derselbe insbesondere die Verdienste des Bethausvorstehers David Waldmann, sowie Dankesworte über die opferwillige Tätigkeit des Herrn Bernhard Mayer, bringt allen wohlwollenden Spendern den gebührenden Danck zum Ausdrucke und schließt mit der Aufforderung an alle Mitglieder, Gönner und Freunde unermüdlich für die Sammlung von Spenden wirksam zu sein. Pach Erstattungdes Kaffaberichtes durch den Kassier Herrn Goldberger und Konstatierung über die vollständige Ordnung sämtlicher Bücher und Belege durch den Revisor Herrn Sal. Drucker wird von der Versammlung dem ahtretenden Ausschüße das Absolutorium erteilt. Obmann-Stellvertreter Herr Sigmund Stark plaidiert in warmen, zu Herzen ^gehenden Worten für die Notwendigkeit zur Erbauung eines Tempels im Prater hin. Der als Gast anwesende Oberkantor Jakob Bauer zollt in beredten Worten dem Vorstände und. allen jenen, die bereits zur Errichtung des Tempelbaues so opferfreudig zum Anfangserfolge beitrugen, vollste Anerkennung und schließt mit der Zusicherung im Wochenblatte „Die Wahrheit" diesen für die Prater Judenschast so notwendigen Tempel möglichst zufördern. Bei der darauffolgenden Debatte, an der sich die Herren Beruh. Mayers und Dr. Frei noch beteiligten, wurde die Resolution, einen Tempelbau auszusühren, einstimmig angenommen und das in Vorschlag gebrachte Gründungskomitee genehmigt. Die hierauf vorgenommene Wahl ergab folgendes Resultat: Die Herren Bernhard Mayer, I. Obmann; Sigmund Stark, Obmann-Stellvertreter: Josef Goldberger, Kassier; Josef Teller, Kassier-Stellvertreter; Leopold Altholz, Schriftführer; Moritz Kraus, Schriftführer-Stellvertteter; Dr. Adolf Frei, I. Revisor; Solomon Drucker, II. Revisor; David Waldmann, Bethausvorsteher; Moritz Altmann, Dr. Josef Deutsch, Jakob Wechsler, Jsr. Meller, Karl Jellinek, Isidor Löblowitz, Sam. L. Bergmann Fried. Stark, PH. Emil Silberstein, ' Dr. Julius Steiner, Mark. Schlesinger, Adolf Wohlstein und Sam. Stern in den Vorstand. Wien« Sonntag den 12. d. M. ist plötzlich Herr Philipp Blau im Alter von 70 Jahren gestorben. Der Verblichene war Obmann des Vereines „Kinderstütze" und Vorstandsmitglied der „Chewra Kadischa" für den 16. und 17. Bezirk. Derselbe erfreute sich allgemeiner Achtung und Wertschätzung. Das Leichenbegängnis fand am 14-. ds. vom Zeniralfriedhos aus unter großer Beteiligung statt. An der Bahre sprach Herr Rabbiner Dr. Bach und namens der Kultusgemeinde sowie der Bezirkskommiffion Herr Goldblatt. Die Bezirkskommiffion XVI und XVII war unter Führung des Obmannes Herrn S. Weitznlann korporativ erschienen. Die kantoralen Funktionen versahen Oberkantor Kaufmann und Kantor Smottitzky. Wie». Bor Kurzem fand in Wien eine Konferenz der Westösterreichisch?» Kultusgemeinden statt, welche sich mit der Gemeindebundfrage befaßte. Die Gemeindeverbände für Niederösterreich und den Alpenländern haben sich konstituiert. — Die Konferenz befaßte sich auch mit den bekannten zionistischen Forderungen zur Verfassungsreform und sprach sich nach einer lebhaften Debatte entschieden gegen die Errichtung einer jüdisch-nationalen Kurie in Oesterreich aus. Das Präsidium wird den diesbezüglichen Beschluß der Regierung zur Kenntnis bringen. Wie». Am 9. Mai d. I. hielt der israelittscher Frauenverein im IX. Bezirk, Ahawath C Hesse d, im Zeremomensaale der isr. Kultusgemeinde, 1. Bez., Seitenstettengaffe 4, unter zahlreicher Beteiligung von Abordnungen vieler Vereine seine konstituierende Generalversammlung ab. Se. Ehrw. Herr Rabbiner Dr. David Feuchtwang hielt bei derselben eine kurze Ansprache, wies auf die Bedeutung der Ziele des neuen Vereines des näheren hin und schloß mit dem Wunsche für ein Gedeihen des Vereines und das Gelingen seiner hohen Ausgaben. Gewählt wurden: Karoline Goldschmiedt, Präsidentin, Frau Elling, I. Bizepräsidentin,

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