Die Wahrheit
- Journal
- Die Wahrheit
- Volume
- 1918
- Issue
- Heft 11 (31.5.1918)
- Date
- 1918-05-31
- Page
- – (sequence 6)
- Language
- German
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Seite S. Die Wahrheit Sülchen MLmittn begegnen wir zu allen Zeiten und ächtm sie hach. Auch jkE hüben wiv solche evke Mätüitt iK i,%das Jisroel* veremt. Ach will reinen TätigkeikSbericht M' jistöd*' sihreKen, fiuderu sHfür sshaSenS» Zweck yervorhebNn, den jener BtterU auch treu erfüllt. Der „Agidas Jisroei“ bringt — um -ei der Allegorie zu bleiben — dteFünken, welche -S« „2ur jl srSel^ aNSgehen^ in die Köpfe de- Gulkäs, Verbreiet da- Licht -er Dora, indem er überall TülmüdschuleU gründet u. dgl. Alle eifrigen Anhänger und Berehrer her jüdischen Wissenschaft sind zugleich Berehrer derer, hie diese ver- -reAin. Die mosalsch-pröMotheischen Funken fliege», in der Lüst herum, und wohl denen, welche sie empfangen öder/wie Ne Blütenträger die Samen, die Funken aus die richtige Stelle briugeu. Sie sind die „scheliche schel makom“ (die Boten der Allmacht). In der Tora sivden wir ein Wort, das wie eine zarte liebevolle Erwähnung klingt: „Welimadtem Iebonecha welebne bonecha“. „Du sollst die Tora lehren deine Müder Und Kiadeskinder" und da wir die Tora von erster Hand empfangen haben, da sie uns sozusagen auf die Seele gebunden und wie ein zartes holdseliges Kind anvertrant wurde; da wir sie seit Jahrtausenden gehegt und gepflegt haben, weil sie uns im langen Oolus eine treue Begleiterin und Trösterin, ein köstlicher Balsam und ein Lebenselixier war uud ist, so ist sie unser, so sind wir mit ihr urwüchsig verwachsen, so ist er wahr der sinnreiche Spruch: „Gott, die Tora und Israel sind eins", so haben wir die Mission die Tora zu lehren und ihr Licht zu verbreiten. Und wir haben noch immer — wenn keine Propheten — so doch talmide chachomim, die ihre höchste Beseligung im Verkünden des Wortes Gottes finden. Es geht ein heller Schein, eine wohltuende Wärme von ihnen aus, ihrem Einflüsse könneu sich die härtesten Gemüter, die verstocktesten Herzen nicht entziehen. Sie seien gesegnet diese Sonnenmenschen mit ihren sanften Auge» und ihren goldenen Herzen, die Guttäter der Menschheit!! Ein sehr scharfsinniger Philosoph hat eine äußerst kühne, aber sehr einleuchtende Hypothese ausfgestellt, u. zw. daß die Tora mit der Natur in Korrealität oder Wechselwirkung siehe. Die Tora ist nicht nur angepaßt der Natur, sondern die Natur paßt sich auch der Tora an. Ein einziges Beispiel für viele. Der Diebstahl war naturgemäß; ein Bedürfnis des menschlichen Wesens, dem selbst Gesetzgeber wie Lhturg nicht beikommen konnten. Die Bibel verbot den Diebstahl und die natürliche Lust dazu nahm ab, sie hört langsam auf, Leidenschaft, Natur zu sein. So sind unzählige natürliche Fehler, just wie manche Krankheiten, verschwunden ... Welche ein Erfolg der Bibel! Man bedenke nun, welch" meuschlichschöue Tugend man übt, wenn man deren Licht vermehrt. Mali bedenke das hohe Verdienst der «Agidas Jisroel“! Ein großes Verdienst um das Verbreiten des Lichtes der Tora hat sich der Präsident des galizischen „Agidas Jisroel“, Herr Isaak Jakob Thumim, erworben, dem Gott, um die Worte des Derwisch über Nathan zu gebranchen, von allen Gütern dieser Welt das Kleinste nnd Größte in vollem Maße erteilt hat: Reichtum und Weisheit, welcher den überaus hehren Zweck deS „Agidas Jisroel" mit heiligem Ernst und besonders großem Eifer erfüllt. Kuder — als Krduer. Von B. b. I. „Beginne zu sein!" Das ist der glockentönige Stundenschlag vom Podium des Konzerthaussaales. Buber spricht in feiner ganzen atemlosen, dreistündigen Daseinlichkeit zur Masse der Zuhörer. Der »geistige Blutsbruder" des zentralen Juden Jesu hat gesprochen. Er reichte seinen Lauschern das süße Gisiß düs die Zweiheit, itt der Welt stabilisieren sollte, jedoch durch düS Material bet. Wortmaffe der Verrücktheit das Uebergewicht verlieh^ „Wahrheit und Wirklichkeit" wären her scheinbar rüts Faden feiner Worte, aber sprach er wirklich ^Wahrheit" in unserem Sinne? Sprach er in dem BortraKe über ^Die Mrwirkuchnüg des Jüdmtums" von Wirklichkeit?! Der ganze Vortrag war ein Paradoxsm, wenn auch gerade kein allzu schlechtes. Ein Chasiidist wollte Mr Wirklichkeit sprechen! Ein Mann, dessen Denken sich stets in übersinnlichen Sphären bewegt und dessen Sprache,von gewöhnlichen Sterblichen knum verstanden wird! Daher aber sein Prophetentum — oder den heutigen Begriffen viel verständlicher '■fr sein Prophetol!? Der Mann an sich ist interessant, er ist nicht als Durchschnittsmensch zu werten, er besitzt tiefes Wissen und eure eigene Rednergabe, die Sinne der Menschen verwirrt zu machen — wie sein »geistiger Blutsbruder"! Und darum ist er zu bekämpfen, weil er für unsere Jugend eine ungeahnte Gefahr darstellt, weil sie Gefahr läuft, von ihm in die verrückten Ideen eines.unlogischen Mystizismus verstrickt zu werden. Die Jugend ist Schönrednern solcher Art, die oft, um der schönen Worte willen, selbst nicht wissen, was sie sprechen, leicht zugänglich. Daher darf uns der Zulauf, dessen sich Buber erfreut, an seiner wahren Bedeutung nicht irre machen! Die beiden „Blutsbrüder" haben ungleiche Geschicke. Mit dem einen machte man kurzen Prozeß, den zweiten feiert man bloß ob seiner „Daseinlichkeit"! Cs g'bt zu denken! Nrrerniflnttg Wiener Tempelvereine. Am 2. Mai d. I. traten je 3 Delegierte von 14 Wiener Tempelvereinen, worunter die größten der Stadt, zu einer Beratung über ihre gemeinsamen Interessen und eine gemeinsame Organisation zusammen. Einmütig wurde erkannt, daß die Tempelvereine Wiens im jüdischen Gemeindeleben nicht die Stelle einnehmen, die ihnen gebührt und für das Wiener Judentum selbst notwendig ist. Die Tempelveceine sollen in die Mitte der jüdischen Kultus in Wien gestellt werden. Sie nehmen dem Wiener Kultusvorstand jährlich eine große materielle Last ab, sie erhalten das religiöse Gewissen in den Bezirken, sie sind durch ihren Zweck vor allem berufen, den Kultus und Gottesdienst in ethisch wirksamster Weise auszugestalten. Der Kultusvörstand soll diese Tätigkeit der Tempelvereine würdigen. Diese aber werden durch ein bei dieser Tagung gewähltes Aktionskomitee dem Kultusvörstand Anträge zur Revision des bisherigen Gemeindestatuts unterbreiten, die im Gesetze vom s i.Mätz 1890 Und in den tatsächlichen Verhältnissen und Notwendigkeiten begründet sind. Alle Forderungen und Wünsche müssen gleichsam wissenschaftlich fundiert sein, sollen aber mit Energie zur Verwirklichung gebracht werden. Die Tempelv'reine hoffen, daß der Kultusvorstand ihre Bestrebungen unterstützen wird, die ein Erstarken des Wiener religiösen Lebens bezwecken. Das Aktionskomitee, welches zur Durchführung dieses Programms gewählt wurde, besteht ans folgenden Vertretern der Tempelvereine: Kais. Rat Dr. Sal. Krenberger, 1. amtsführendes Mitglied; Dr. Leo Landau, Hof- und Gerichtsadvokat, 2. amtsführendes Mitglied; Franz Frankl, l. Schriftführer; Dr. Josef Auerbach, Hof- und GerichtSadvokat, 2. Schriftführer; Ignaz Glück, Kassier; Moritz f elsenburg, Viktor Heim, Ludwig Medak, Moritz Mülle-, akob S. Straßberg und Leopold Weiß als Mitglieder; Apotheker Dr. Ernst Friedjung, Hof- und Gerichtsadvokat Dr. Jakvb Kohn, S. Simon, Leopold Spirä Und Adolf Unger als Ersatzmänner.