Die Wahrheit
- Journal
- Die Wahrheit
- Volume
- 1918
- Issue
- Heft 11 (31.5.1918)
- Date
- 1918-05-31
- Page
- – (sequence 4)
- Language
- German
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Seite 4 Die Wahrheit gemachten HAeuteHen Zugriffe. zu. vezämuen, SHpHwir^^ em Schutz- Drd MutzbUchms Mt Thrna gHireldD mH Grauen blM dH bluterM GuroM' auf dO asiatische gelbe Sphinx. - Der blutige Massenmord kann vielleicht noch Monate lang im Westen andauern, wohl auch in den italienischen Gebiete» können noch Blutströme fließen, aber die Zeit naht, in der beide Kampfgruppen endlich die Ueberzeugung gewinnen muffen, dich weiteres Blutvergießen ergebnislos bleibt und nur die führenden Staaten, Deutschland und England, llllastrophal schwächt. So kann man denn doch einem halbwegs annehmbaren Friedensschlüsse noch im Herbste laufenden Jahres entgegensehen. Der gigantische Weltkrieg erschöpfte sich bereits eben durch seine Wut. Es mangelt bereits an weiterem Brennstoff zu seiner Erhaltung. Die beiden Mächtegruppen können einander weder vernichten noch verhungern, ftrrchtbar geschwächt aber haben sie sich einander schon, sie sind nahezu ausgeblutet. Es ist furchtbar traurig, daß es so weit kommen komrte. Weder die Diplomatie noch der religiöse, rvirtschastüche oder geistige Völkerverkehr haben rechtzeitig chre verfluchte Schuldigkeit getan. Sie haben sich alle unfähig und rückständig gezeigt. Der Weltkrieg hat neben bewundernswerten technischen Fortschritten furchtbare moralische und organisatorische Rückständigkeiten offenbart. Mt Staunen bemerkt die Mitwelt die Rechtlosigkeit der Irländer in dem angeblich so freien England, die Unfteiheit in der ftanzösischen Republik, die jeden Friedensfteund mit Verfolgung bedroht. Die Macht des Kap.italismus in dem vermeintlich so demokratischen .nordamerikanischen Staate. Dritten im Kriege rächen sich nun in unserem geliebten Vaterlande die furchtbaren Versäumnisse früherer Regierungen, die lieber „fortwurstelten" als eine Ordnung im Innern herzustellen. Der Dualismus in Oesterreich-Ungarn hat sich lange schon überlebt. Für die Dauer ist die ausgesprochene Hegemonie der Deutschen und Magyaren in den beiden Staaten nicht auftecht zu halten, weil die anderen Nationalitäten zusammen weit zahlreicher sind und sich die Vergewaltigung nicht ruhig gefallen lassen. Noch unmöglicher ist die dauernde Übervorteilung von 27 Millionen wohlhabender und Hoch kultivierter Staatsbürger durch 17 Millionen entschieden rückständigerer, die auch nur ein Drittel der Staatslasten tragen. Die schädlichen Folgen einer solchen Organisation zeigen . sich während der Kriegsnot besonders auffallend und der Maffenhunger wurde dadurch eben so verstärkt wie durch die Tatsache, daß 800.000 Seelen der Landbevölkerung in N.-Oe. zweieinhalb Millionen der städtischen Bevölkerung, die obendrein 80 Prozent aller Steuern trägt, ihren Willen. aufzwingeu können. Schwer wird nach dem Kriege die. gesamte Bevölkerung unter Kriegslasten seufzen,, aber die reichen Kriegsverdiener irren, wenn sie glauben, bei den Lasten dauernd Begünstigungen verlangen zu können. Der österreichische Finanzminister gab bereits zu verstehen, daß außer der Kriegsgewinnsteuer auch Vermögensabgaben nicht zu den Unmöglichkeiten gehören. Ja wohl, je größer der Besitz, desto mehr Schutz genoß er in der Kriegszeit und desto weniger mußte er die Kriegsleiden mitfühlen. Er schuldet dem Staate deshalb um so größere Opferwilligkeit. . Der nationale Streit in Oesterreich und Ungarn wird aber, nicht stüher enden, bis auch die kleinste Nation in ihren berechtigten kulturellen und wirtschaftlichen Bestrebungen vom Staatsganzen voll unterstützt wird. Nur wer in seinem engsten Heim sich sicher fühlt, kann auch für die Staatsorganisation, unter welcher er lebt, opgferwillig werden. Eine VerfaffungSänderuug in Oesterreich-Ungarn,. die auf nationaler Grundlage ruht, wird nicht zu umgehen sein. Wohl ist eine solche Verfaffungsänderung schwierig und nur etappenweise möglich. Sie ist aber nur durch demokratische Methoden zu erzielen und kann den inneren Frieden ebenso vorbereiten wie die Verständigung den äußeren. Die jüdffchen Staatsbürger der ganzen Welt haben alle Ursache, den neuesten Friedensschluß mit Rumämen Nr. 11. deshalb fMÄig zü. bemMen, Mil üMr den FriedenS- - bedsirgungey dje. Gleichfste-ll u.rig aler Mel igi onk bekenn Inisse und insbMndM ihrer politischen und r btzgerlWn WhjMigurierK ÄlleHisher heimattosen Juden, die imM a n d e g ed .o r e n oder von solchen Mtern-stammen, müffen nun ebenso als vollberechtigte rumänische Staatsbürger gellen als diejenigen die irgendwie als aktive Mlitärs oder im Hilfsdienst am Kriege beteiligt waren. Nun werden die rumänischen Machthaber diese Vertragspflicht nicht mehr in den Wind schlagen können. Der Weltkrieg hat seine furchtbar lange Dauer und seine. große Ausbreitung eben nur leichtfertigen Vertragsbrüchen verdankt. Die allgemeine Verarmung wird aber am wirksamsten weiteren Kriegrüstungen Vorbeugen und so die Kriege überhaupt für lange Zeit abbauen. R. L. Die Iudenfrage im rumänischen Friedensvertrag. In der „N. Fr. Pr." vom 22. Mai veröffentlicht der Präsident der Wiener israelitischen Kultusgememde Dr. Alsted Stern folgenden höchst beachtenswerten Artikel, in welchem er __ auf die schweren Bedenken hinweist, die die Bestimmungen des Artikel 28 des rumänischen ' Friedensvertrages bezüglich der Einbürgerung der rumänischen Juden erwecken. „Die Verschiedenheit des religiösen Bekenntnisses soll " in Rumänien keinen Einfluß auf die Rechtsstellung der Einwohner, insbesondere auf ihre politischen und bürgerlichen .Rechte ansüben." Dies der erste Absatz des Artikels 28, welcher auch bisher nahezu wörtlich in der Verfassung Rumäniens zu lesen war. Auch bisher hat die rumänische .Staatsverwaltung (im Wortlaute) nicht den Juden als „Juden" verfolgt.. -Man erklärte die 2:50.000 Juden in Bausch pind^ Bogen als „Fremde", verfolgte boykottierte und quälte den „Fremden", mochte er, mochten seine Väter urMUr> väter noch so lange im Lande wohnenl, er blieb der „Fremde". Armenier, Griechen; Bulgaren; Zigeuner wurden bei der KonMuierung Rumänienls 'und nachher als Einheimische anerkannt, nur der im Lande wohnendje. Jude, der auch zur Blutsteuer (für das Land (herang eizogen wurde, war und blieb der„Fremde". Für ihn gab es nur die Jndivid'ualnaturalisation, welche nur durch ein von beiden Kammern zu erlassendes Gesetz und — goir, wiederholen nur individuell — erteilt wurde. „Der im Absatz 1", so fährt Artikel 28 fort, „aus^ gesprochene Grundsatz wird auch insoweit zur Durchsüh!- rung gebracht werden, als es sich um die Einbürgerung der staatlosen Bevölkerung Rumäniens mit Einschluß der dort bisher als Fremde angesehenen Juden handelt. Zu diesem Zwecke wird in Rumänien bis zur Ratifrkaton des Friedensvertrages ein Gesetz erlassen werden, wonach' ‘ jedenfalls alle Staatslosen, die am Kriege, sei es' fmt aktiven Militärdienste, sei es im Hilfsdienste, tejlgenommen haben oder die im Ländle geboren und dort ansässig -) sind und von dort geborenen Eltern stamMen, ohne weA teres als vollberechtigte rumänische Staatsanghörige angesehen werden sollen und sich lals solche bei sden Gerichten einschreiben lassen können." Also Vorbedingung! Die Erlassung eines Gesetzes. Nicht der Friedensvertrag selbst schließt schon in sich die ' gesetzliche Bestimmung ein. Dies ist nicht ein Paragraph des Friedensvertragech ' welcher, wie dies üblich, nur in toto anzunehMen is^ e'68t ü prenäre on ä Iais86r, sondern die (Ratifikation des ” Frieldensv ertrag es erfaßt erst nach der Annahme des' Gesetzes. Und wenn dieses Gesetz nun den allen seinen Bestimumngen abgegebenen Voraussetzungen nicht entsprechen sollte, wird dann der Friedensvertrag nicht ratifiziert weiden? Wird der Kriegszustand von neuem auf-? leben oder wird.ein Vakuum bleiben, welches erfahrungstz.h