Mannheim
Compact Memory

Die Wahrheit · 1918-05-31 · Heft 11 (31.5.1918) · page 3

Scan of the page
Image: UB Frankfurt, Visual Library (IIIF)
Journal
Die Wahrheit
Volume
1918
Issue
Heft 11 (31.5.1918)
Date
1918-05-31
Page
– (sequence 3)
Language
German
Belongs to
journal issue
OCR quality
91% known words query
IRI
…/3062972-3063774-3063785--10629-3077981
Visual Library
page viewer of the UB Frankfurt

No entity mentions on this page.

OCR text

& Redaktion «nd Administration r Wien, 11., Novaragaffe 27 | relephon: Redaktion Automat 48.888. ^«abhängige Zeitschrift für jüöisch« Bezugspreis: VauilStzeia.K 18.- HalbMei».K 8 — Administration Jlut. 47.66« «. k. Sstrrr. Poftsparkafia. E<b»ck»«omo Nr. 100.818. JuterejseL Für JtuUUfSbeauite: «».„iithrtg.K 12- Znperatr: Erscheint jeden Areitag. — Die viermal gespaltene Rouparrille-Zeilr 86 Heller. Fit» Ausland: Rtoanrment». und Insertion». detrSgr find in Wien zahlbar und klagbar. Mottt: „Das Siegel Gottes ist Wahrheit!** I Rantillyrig.10 Statt 1 Ur. 11. Wien. Bl. Mai 1918. Inhalt: Zeichnet achte Kriegsanleihe. — Der Abbau des Weltkrieges. — Die Judenfrage im rumänischen Friedensvertrag. — Der Agidas Jisroel. — Buber als Redner. — Vereinigung Wiener Tempelvereine. Ostjüdisches — Verschiedene Nachrichten. — Spenden des Leopoldstädter Tempels. — Achte österr. Kriegsanleihe. Zeichnet achte Kriegsanleihe. Der Abba« de» Weltkriege». Noch kämpfen große Kriegsscharen wütend gegeneinander in Nordostfrankreich, im nordwestlichen Belgien, Italien, Südtirol, Mbanien, Nordgriechenland, Kaukasien und Palästina. Noch werden Städte und Dörfer zerstört und vollbeladene Schiffe versenkt. Noch gebietet die Soldateska allen anderen Gewalten und noch hungert und darbt die ganze Welt am Erdbälle, eine natürliche Folge des überlangen grausamen Weltkrieges. Doch geht dieser grandiose Weltkrieg bereits langsam an Erschöpfung zugrunde. Das gewaltige Rußland, Serbien, Montenegro und Rumänien sind flügellahm geworden und mit dem Friedensschlüsse mit Rumänien wurde mindestens aus dem Papiere der Krieg im Osten Europas eingestellt. Die Friedensschlüsse mit Rußland und Rumänien entsprechen allerdings weder dem Selbstbestimmungsrechte der Völker, noch dem so oft proklamierten allgemeinen Völkerfrieden ohne Annexionen und Kontributionen, aber schuld an dieser Entwicklung sind die Staaten der Entente, welche den günstigen Moment zur Schließung eines dauernder! Weltfriedens verhindert haben. Noch vor sechs Monaten wäre ein Kriegsende ohne Sieger und Besiegte möglich gewesen, aber die verblendeten Staatsmänner ' der Entente beantworteten alle Friedensvorschläge des Vierbundes mit Spott und Hohn abweisend mit beleidigenden Zumutungen, denn sie beurteilten dessen Friedenswillen als Zeichen der Schwäche und Erschöpfung. Wohl ist es bedauerlich, daß nun auch der Vierbund von einem wahren Verständigungsfrieden mit den ^Feinden, die konsequent von der Vernichtung ihrer Gegner faselten, nichts mehr wissen will. Die Minister des Auswärtigen Deutschlands und Oesterreich-Ungarns kündigten aber seinerzeit eine solche Revision ihrer Kriegsziele an, falls die Kriegsgegner mit der Annahme ihrer Friedensvorschläge zu lange zaudern würden und die letzteren erscheinen daher jetzt nicht berechtigt, sich darüber zu beklagen. In ihrer Wut veröffentlichten die Staatsmänner Frankreichs den Kaiserbrief, in dem Se. Majestät Kaiser Karl I. Friedensverhandlungen einleiten wollte. Von den lächerlichen Entstellungen dieses Briefes abgesehen, wurde deffen Existenz nicht in Abrede gestellt und gereicht diesem Friedenskaiser nur zur Ehre, daß er solche Friedensversuche überhaupt unternommen hat und die blutige uud schmachvolle Verantwortung für das weitere Blutvergießen tragen eben die Staatsmänner, die ihn wirkungslos machten. Eine furchtbare Nemesis ereilt die Entente. Alle mit dem weltbeherrschenden England verbündeten Staaten sind dem Verderben gewidmet. Serbien und Montenegro befinden sich in der Faust ihrer Gegner. Rußland ist zerschlagen und furchtbar geschwächt, unfähig sich selbst einwandfrei zu regieren und dem Bürgerkriege Einhalt zu gebieten. Die Friedensschlüsse mit der Ukraina und Rumänien bedeuten im wahren Sinne des Wortes für Deutschland und Oesterreich-Ungarn Brotfriedensschlüffe und man tut auch nicht schüchtern, das heißersehnte Brot herbeizuschaffen. Diese Staaten können sich nun bei England für die versuchte Aushungerung der Völker des Vierbundes bedanken. Moralische Vorwürfe darüber verfangen nicht, denn „Not kennt kein Gebot" uud bricht bekanntlich auch Eisen. Nach der beispiellosen Vergewaltigung Griechenlands wirkt es nur heiter, wenn nun die Entente über Vergewaltigung der besiegten Staaten durch den Vierbund klagt. Für Rumänien hat sich der Vierbund entschieden zu wohlwollend erwiesen, denn die mit Kriegsintervention - verbundene Zubilligung Beffarabiens gefährdet das wünschenswerte Freundschaftsverhältnis mit der Ukraina. Wohl kämpfen nun die heldenmütigen Krieger der Entente mit bewunderungswürdiger Tapferkeit gegen die vordringenden Deutschen und verlangsamen deren Siegeszug, aber auf beide» Seiten fehlen offensichtlich genügende Reserven uud der Bewegungskrieg wandelt sich immer wieder in den Stellungskrieg. Wie lange können aber die fürchterlich dezirnierten Franzosen noch einen solchen aushalten? Auf die afrikanischen und asiatischen Hilfstruppen kann sich Frankreich ebensowenig verlassen wie England. Wenn diese es erleben, wieihre Beherrscher samt ihnen geschlagen werden, können sie mit ihrer Hilfsbereitschaft gar bald ermüden. 9Nordamerika ist wohl mit Worten freigebig und hilfsbereit, aber seine Taten werden eng begrenzt bleiben. Es wird sich sicherlich nicht so rveit engagieren, wie dies England bereits getan hat. Wie die jüngste Affaire iu Holland lehrte, hat aber nun die Entente die Möglichkeit, noch weitere Kriegshelfer zu erlangen, endgültig ausgeschöpft. Selbst das listige Japan roill sich nicht weiter einlaffeu, denn es braucht Zeit, um die bereits

Text as recognised by OCR (ABBYY FineReader), without corrections. Entity mentions: TagMe (2021); their positions were matched to this text again.