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Die Wahrheit · 1918-05-17 · Heft 10 (17.5.1918) · page 7

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Journal
Die Wahrheit
Volume
1918
Issue
Heft 10 (17.5.1918)
Date
1918-05-17
Page
– (sequence 7)
Language
German
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Nr. 10. ___Die Maar Keyman« (1834-1906). Von Kgl. Musikdirektor A. Friedmann-Berliu. (Schluß.) Im Jahre 1896 scharte sich die Amsterdamer Gemeinde abermals um ihren Oberkantor, um ihm von neuem anläßlich seines vierzigjährigen Jubiläums Huldigung und Anerkennung darzubringen. Der „Jüdische Kantor" brachte aus der Feder seines Redakteurs einen in klassischem Hebräisch geschriebenen Festartilel. Zur würdigen Vorbereitung des "Festtages bildete sich auch diesmal ein Komitee. In dem mit Blumen und Guirlanden dekorierten Saale „Plaucius" wurde der Jubilar vom Gesangvereine „Harfe Davids" unter Leitung seines Dirigenten mit einem „Willkommensgruß" des .Komponisten Aron Wolf Berlyns*) begrüßt. Der Vorsitzende des Komitees de Large überreichte dem Jubilar ein auf Seide gedrucktes Programm und hielt sodann eine Ansprache, in welcher er hervorhob. wie vom Anfang der Amtstätigkeit des Jubilars an seine gewinnende Persönlichkeit, seine sonore und treffliche Stimme mit ihrem Schmelz und ihrer Koloratur ihm viele Bewunderer und Freunde zugeführt haben, deren Kreis immer mehr gewachsen sei. Nach Ueberreichung eines prachtvollen Albums sang der Chor den 100. Psalm. Nach den herzlichen Worten des Vorsitzenden des Synagogenvorstandes führte der Rabbiner Wynkoop ungefähr folgendes aus : Der wohlklingende Gesang besitzt die Kraft, weit mehr die höheren Gefühle des Herzens zu erwecken, als jeder andere Teil der heiligen Handlung. Und so hat denn Herr Heymann an seinem Freudentage besondere Dankbezeugungen verdient, er, der so viele Jahre der Gemeinde ein Vorbild war des innigen Gebetes, der nicht allein Gesänge zu bilden wußte, sondern auch die Gabe des Vortrages befaß, womit er auf die Herzen der Zuhörer einzuwirken verstand. Möge die Gemeinde noch viele Jahre den Vorzug genießen, solch «inen Vorsänger zu besitzen, und möge sein Leben noch lange erhalten bleiben. Nach diesen Worten kam der 116. Psalm in der Heymannschen Vertonung zum Vortrag. Nach vielen an den Jubilar gerichteten herzlichen Ansprachen schloß dieser seinen Dank für die ihm von der ganzen Gemeinde dargebrachten Huldigungen mit einem hebräischen Gebet in Gedichtform. Im Anschluß daran teilte Heymann mit, daß er sich entschlossen habe, das ihm dargebotene Geldgeschenk drei Wohltätigkeitsanstalten zu überweisen. Der Schlußgesang „Hallelujah" von A. Berlyn beendete die Feier. In demselben Jubiläumsjahre hatte ich die Freude, die persönliche Bekanntschaft Heymanns in Berlin zu machen. Die Kantoren der hiesigen jüdischen Gemeinde ließen es sich nicht nehmen, ihrem berühmten Kollegen einen Ehrenabend zu veranstalten. Alle kamen herbei und nachdem Schreiber dieser Zeilen den Ehrengast begrüßt hatte, brachte jeder Kantor Gesänge zum Vortrage. Auch Heymann trug eine Komposition uHvp ip»r vor, bei der er seine blühend schöne umfangreiche Tenorstimme hören ließ. Er behielt seine gewaltig bezaubernde Stimme bis in j'ettt spätes Alter hinein, und er konnte auch in voller geistiger Frische sein 50 jähriges Amisjubiläum, am 24. Mai 1906 feiern. Josef Singer schrieb anläßlich dieser seltenen Feier in der öster.-ungar. Kantorenzeitung: „Und wie hat Herr Jsaae Heymann seinen heiligen Dienst verrichtet! Erfüllt von tiefer Religiosität, getragen von edler Begeisterung für die hohe Bedeutung seines Amtes, und ausgestaltet mit ausgezeichnetem Wiffen .und Können leistet er eine bedeutsame Fülle von Lebensarbeit, die seinen Namen hinaustrug weit über die Grenzen seines Wirkens und ihn: die ungeteilte Anerkennung, Wertschätzung und Liebe aller jener erwarb, die in den Bannkreis seiner bestrickenden Persönlichkeit traten und sein Wirken und Schaffen zu bewundert: Gelegenheit hatten.**) *) Ueber diesen Komponisten siehe meinen Aufsatz in „Allgemeine Zeitung des Judentums" 1917. **) „Oesterreich-ungarische Kantorenzeitung 1906." Seite 7. Mit geradezu kindlicher Verehrung hing die Gemeinde Amsterdam an diesem seltenen Manne und zur Verherrlichung seines Jubeltages bildete sich ein großes Äomitee. Nicht nur Amsterdam, sondern ganz Holland überbot sich in Ehrenbezeugungen für den Jubilar und sogar die holländische Kolonie in London entsandte eine Deputation nach Amsterdam, um am Jubeltagc ihre Glückwünsche zu übermitteln. Es gab fast keine einzige Zeitung in Holland, die nicht das Bildnis H.'s oder schmeichelhafte Artikel über ihn brachte. Die Königin sandte eine Glückwunschdepesche, weiter kamen Gratulationen von Ministern, vom Staatsrat, vom Gemeinderat der Residenz Haag,.hunderte von Briefen und Depeschen aus dem Auslande und unzählige herzliche und ehrenvolle Glückwünsche aus aller Herren Länder. Der Jubeltag war nicht nur ein Ehrentag für den Jubilar, sondern für den gesamten Kantorenstand, dem Jsaac Heymann zur Zierde und Ehre gereichte. — Drei Monate nach seinem 50 jährigem Jubiläum, am 16. August 1906 ereilte H. ein plötzlicher Tod. Er hatte noch bei einer Trauung fungiert, scheinbar ganz frisch, ging er nach Hause, und nach wenigen Minuten war er nicht mehr. Gleich seiner srommen wohltätigen Gattin, hatte auch er kein Krankenlager. Groß war die Bestürzung als die traurige Nachricht sich in Amsterdam verbreitete. Man konnte es nicht glauben, daß der Mann, der noch so aus Herz und Seele, jauchzen konnte, dahingegangen sei, er, der ununterbrochen im Amte stand, und noch an seinem Todestage Amtspflichten erfüllt hatte. Am 19. August wurde H. unter sehr großer Beteiligung zur letzten Ruhe beftattett Auf Anordnung des Kirchenrates ging der Leichenzug an der großen und neuen Synagoge, ebenso an der Synagoge der Schwestergemeinde deren Hauptturen geöffnet werden, vorbei. Im Aufträge des Gemeindevorstandes sagte Rabbiner Vredenburg dem Dahingeschiedenen Dank dafür, daß er 50 Jahre lang zu aller Zufriedenheit das heilige Amt eines Scheliach Zibburs bekleidet hatte. Er huldigte dem Verstorbenen mit den Worten, die H. selbst so häufig an den hohen Feiertagen ausgesprochen, pabn' -psa -naa. Er schilderte, wieviel Begeisterung er in seinen Vorttag zu legen wußte, wie er, wenn er vor dem Omed stand, völlig im Gebete aufging, wie er in überttagener Bedeutung das Knie beugte vor Gott, indem er sich vor seinem Schöpfer demüttgte und sich zum Bewußtsein brachte, vor wem er stand. Er schilderte ihn als einen humanen Menschen, der von seiner Gattin unterstützt, Wohltätigkeit in vollstem Maße übte. Nach dem Reden des Rabinners Elte, des Vorsängers Staal, des Präsidenten des Kirchenrats Ascher, richtete auch der Ehordirigent ein Abschiedswort an den unvergeßlichen Direktor und Freund, der alles für «npn rrrsr gewesen ist. Mit Job rief der Redner aus: „Es ist jetzt, wo Pu uns durch den Tod entrissen bist, still wie der Tod, aber Deine Stimme wird gehört werden; wir werden, so oft sich die Gelegenheit dazu bietet. Deine Komposittonen singen." Nachdem die gebräuchlichen Gebete gesprochen waren, wurde das was an Jsaac Heymann dem baitr rrn-ar q-j?: sterblich war, der Erde übergeben. Sein Andenken bleibt für imme* dar gesegnet. GMdifche». Bon Chaim Bloch (Delatyn) nach den in dem hebräischen Sammelwerke der „Einfachen Gelehrtengesprache" von Schles und Ettinger enthaltenen Sprüchen bearbeitet. Die Bestechlichkeit eines Richters. Ein Rabbinatsaffessor, der im Rufe der Bestechlichkeit stand, pflegte das Wort „Einziger" im Sch'ma-Gebete übermäßig auszudehnen,. worüber sich der berühmte Brodyer Maggid Rabbi Schlome Klüger folgendermaßen äußerte: „Unsere Weisen sagen: Feder Richter, der unparteiisch Recht spricht, wird als Genosse Gottes bei der Welterschaffung betrachtet/ Ein ehrlicher Richter hat daher keinen Grund, das Wort ,Gott Wbinzig^ besonders auszudehnen, da er ja die Wahrheit

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