Die Wahrheit
- Journal
- Die Wahrheit
- Volume
- 1918
- Issue
- Heft 10 (17.5.1918)
- Date
- 1918-05-17
- Page
- – (sequence 6)
- Language
- German
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Seite %, Die Wahrheit Nr. 10. mit der Waffe m bet Hand- Brust gegen Brust abtrotzen, die dem arbeitenden Volke Sicherheit und Ruhe schaffen. Auch der elementaren Gewalt, den durch die Verwüstungen entstandenen Malariaherden wußte diese wackere Schaar mutig zu begegnen. Nach Verlust vielen kostbaren Menschenlebens wurden die verseuchten Gegenden durch Draiuieren und Anpflanzung von Eukaliptuswäldern der vollständigen Gesundung Angeführt. Und dieser aus der alten Ueberlieferung herausgereisten idealen Neugründung erstand aus Zeitverirrnng und Unwissenheit, also aus den extremsten Anschauungen des Judentums eine Gegnerschaft, die sie, voller Haß strotzend, Zu erdrosseln versuchte. Als „hochherzige Träuure", „Utopien", „Chimären" und „Gotteslästerung" viel geschmäht, wollte man mit wuchtigen Brandreden der jungen Kolonisation den Garaus machen. Die Assimilierten zogen es vor, die wandernden Juden im Weltenraum zu zerstreuen und die Orthodoxen haben das neue stolze Werk aus religiösem Wahn verketzert. Es ist aber der Wille des Schicksals, daß an Stelle eines Geschlechtes, das ziellos der Verkommenheit verfiel, ein anderes getreten ist, daß sich durch harte Landarbeit ein ehrenvolles Dasein unter der Sonne erringen will. Dieses Heldengeschlecht, durchdrungen von der hohen Gerechtigkeit seines Ideals, hat unter großen Entbehrungen in schwerer Arbeit Leistungen vollbracht, von deneu die kommenden Geschlechter mit Ehrfurcht sprechen werden. Zwischen den arabischen Dörfern mit ihren Lehmhütten, in denen Mensch und Rind überwintern, mit den hochgetürmten Düngerhügelu, auf denen sie sich sonnen, muten uns die schönen jüdischen Kolonien gleich einer Fata Morgan« an. Me gemauerten und rotgedeckten Häuser sind von purpurnem Blumenschmuck umgeben. Die geraden Straßen sind von den aus Australien herübergeholten Eukalyptusbäumen sowie von Zypressen, Araukaria, Pfeffer- und Brachitonbäumen beschattet. Die mit Akazien und Mimosen umränderten immergrünen Gärten rauschen uns tiefes Entzücken zu. Die Semitensöhne holten sich aus Japhets Schule die Errungenschaften neuer Pflanzungs- und Veredlungsmechoden. Neue Frucht-, Zier- und Nutzbäume sind eingeführt worden. Eine wissenschaftliche Versuchsanstalt ist entstcmden, welche den Boden mit vermehrtem und verfeinertem Wachstum bereichern soll. Volks- und Gewerbeschulen blühten auf. Gymnasien in Jaffa und Jemsalem wurden mit glänzenden Erfolgen errichtet, welche die herangeströmte lernbegierige Jugendschar aus dein Golus anzogen, um sie in streng nationalem Geiste für den neuen jüdischen Frühling zu erziehen. Eine Realschule und ein Technikum wurden in Chaifa etabliert, denen die jüdische Universität in Jeruschulcnm folgen sollte, um die Früchte jüdischen Geistes dem eigenen Volke und Lande angedeihen zu lassen. In Amerika ist die so vielverheißende „Achusa"-Bewegung entstanden, welche, auf gründlicher Palästinakenntnis basierend, die Gesellschaften systematisch im Verhältnis der allmählichen Einzahlungen zu der erforderlichen Vorbereitunng und Bepflanzung ihrer neuen Kolonien nach dem Lande ihrer Sehnsucht überführen soll. Diese neueste, durchaus praktische Phase der Heimstättengründung, welche auch in Rußland ernste Kreise heranzog, erforderte Ankäufe größerer Bodenparzellen, die zum Teile abgeschloffen und zum Teile nur eine Frage von kurzer Zeit waren. Sonnenbeschienen und heiter lagen die lieblichen Dörfer, die stolzen jüdischen Hochburgen. Aber inmitten des großen Aufblühens hat ein starker Windstoß die Feuerzunge des Weltbrandes auch dahin geschleudert, um diesen schönen Volks- und Landftühling mit glühender Lohe zu versengen. Unter dieser allweltlichen Eruption hat die Türkei den Ausländern den Konsularschutz entzogen, wodurch die jüdische Kolonisation unter militärischer Gewalt einer schweren Krisis anheimfiel. Allein jüdische Jugendkrast und jüdischer Geist der aus Feuer und Tod sich selbst und das. verwüstete Land zu neuem, blühendem Leben erweckte, derselbe unsterbliche Geist wird ausharren und standhaften, bis der welterlösende Friedensstrahl auch das Jüdenland hem Judenvolke zum öffentlich-rechtlich gesicherten Zusammenleben wiedergeben wird. Tschle«ow-Kolo«ie. Das Hauptbüro des Jüdischen Nationalfonds versendet folgende Mitteilung: Das Aktionskomitee der zionistischen Organisation hat den Beschluß gefaßt, zur Ehrung des dahingeschiedenen Führers Dr. Jechiel Tsch l eno w eine Kolonie in Palästina auf seinen, allen Zionisten teuren Namen zu begründen. Durch die zionistischen Verbände in allen Ländern soll allen Zionisten und darüber hinaus den Verehrern Tschlenows Gelegenheit gegeben werden, ihre Dankbarkeit zum Ausdruckzu bringen. Vorerst ist für den Erwerb des erforderlichen Bodens der Betrag von mindestens einer Mllion Francs innerhalb kurzer Zeit aufzubringen. In Ausführung diesen Beschlusses hat die Nationalfonds-Verwaltung ihre Landessammelstellen aufgefordert, die nötigen Maßnahmen zur baldigen Durchführung der Sammlung im Einvernehmen mit den Landesorganisationen - zu ergreifen und dahinzuwirken, daß das Ergebnis der Aktion dem Lebenswerk des großen Toten entspricht. Tschlenows Sinnen und Sorgen galt allen zionistischen Schöpfungen, seine besondere Sympathie und Hingebung widmete er bis zum letzten Atemzug dem Gedanken derGeulath Haarez und damit dem Jüdischen Nationalfonds. Er nahm hervorragenden Anteil bei Festsetzung der Grundprinzipien, des jüdischen Volksschatzes auf den zionistischen Kongressen. Als Direktor des Nationalfonds hat er sich große und bleibende Verdienste um die Verwaltung und Mehrung dieses Volks-- schatzes und die Wahrung seiner Grundsätze erworben. Unter dem zaristischen Regime organisierte er — aller Gefahren zum Trotz — die Sammlungen für den Jüdischen Nationalfonds in Rußland und wurde der erfolgreichste Vorkämpfer für die Popularisierung des Nationalfonds in diesem Landes Sein Lieblingsgedanke war die Selbstbesteuerung" jedes einzelnen Juden zugunsten des INF und er suchte ihn trotz aller Schwierigkeiten gerade in seinem Lande immer* wieder durchzusetzen. Es liegt daher, neben praktisch organisatorischen Erwäguugen, auch im Sinne des Verewigten, daß jeder Zionist und die sonstigen zahlreichen Verehrer Tschlenows zu einer Selbstbesteuerung veranlaßt werden. Zu diesem Zwecke soll eine Kontingentierung der Gesamtspende für den Böden der Kolonie nach Ländern und Orten durchgeführt werden. Es ist in erster Linie darnach zu streben, daß Wohlhabende, eventuell durch Zusammenschluß in Gruppen, sowie Vereine mindestens eine „Nachlah", d. s. 100 Dunam - — 5000 Francs spenden. Weite Kreise werden willens sein, für eine Tschlenow-Kolonie mehrere Dunam ä 50 Francs oder wenigstens einen Dunam beizutragen. Um aber anch den breiteren minderbemittelten Schichten die Beteiligung zu ermöglichen, hat die Nationalfond-Verwaltung beschlossen, eine höherwertige Tschlenow-Marke herauszugeben, deren Erträgnis für die Tschlenow-Kolonie bestimmt ist. Wie im Auftuf des zionistischen Aktionskomitees heroorgehoben ist, bleibt der Grund und Boden der Tschlenow- Kolonie, wie aller Grund und Boden, den der Jüdische Nationalfonds erwirbt, für ewige Zeiten Gemeinschaftseigentum, Eigentum des jüdischen Volkes. Es versteht sich selbst, daß die Aktion für die Tschlenow-Kolonie in keiner Weise die laufenden Sammlungen für den INF beeinträchtigen darf, deren notwendige Stärkung angesichts der bevorstehenden Kolonisationsaufgaben die Nationalfonds-Verwaltung seit Beginn des Krieges betont hat. Es ist vielmehr zu wünsch endaß die Aktion für die Tschlenow-Kolonie in den weitesten Kreisen unseres Volkes das Verständnis wecken soll für die finanzielle Bereitschaft des nationale Landfonds.