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Die Wahrheit · 1918-05-17 · Heft 10 (17.5.1918) · page 5

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Journal
Die Wahrheit
Volume
1918
Issue
Heft 10 (17.5.1918)
Date
1918-05-17
Page
– (sequence 5)
Language
German
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Nr. 10. Die ÄüDrheit SeÜe 5 Mai : sinL ja Arzt^ M Md verpflichtet, einett Kranken M tettettl" ,^8chchitt vüzn-nicht veWichtet!" ,MnN Mann wW Sie ebenfalls — — 1" „Bitte, er soll mich ebenfalls erschießen laffen oder aufhängen. Mir ganz gleich. Ich komme nur, wenn tneitr Kamerad Planner freigegeben, gänzlich freigegeben, ahne Trug ünd Tücke fieitzegeben wird. Guten Tag!" Am nächsten Tag hält ein geschlossener Wagen vor hem. Stadtgefängnis, Dr. Planner soll sofort einsteigen. Sofort, sofort — — größte Eile. Es war gegen 6 Uhr. Auf hem Bock sitzt ein Muschik, aber ohne Gewehr und Bajonett. Ich steige ein. Zum Stadtkommandanten. Einige Formalitäten — und ich werde eingeladen, ins Lager zu fahren. Frei! Der Herr Hauptmann hatte seine ganze Aussage widerrufen . . . von Meuterei keine Spur . . . Mißverständnis . . . nervöse Erregung . . . also frei —! Ich komme ins Lager. Der Wachsoldat ohne Bajonett begleitet mich. Der Hauptmann tritt an ihn heran und gibt ihm eine mächtige russische Ohrfeige: „Esel, geh' weg — sonst glauben sie nicht, daß der Doktor frei ist . . .1" Ich mußte allein, unbegleitet, unbewacht, zu Dr. Popper gehen, damit Dr. Popper sehe . . . Ich wurde ihm hingeschickt wie ein Geschenk, wie ein Ehrensold. Ganz, wie er bedungen: frei, wirklich frei, von Kopf bis Fuß. Am gleichen Tag war das Kind operiert, sein Leben gerettet und mein's auch. Dies die Geschichte einer ärztlichen Kameradschaft. Die jüdische Kolonisation. Bon Zwi Cohen-Jaffa. Unter der Einwirkung der allerweltlichen Kolonisationsbewegung, sowie der Errichtung deutscher Templerkolonien in Palästina, entstand auch die Idee der Wiederbesiedlung des heiligen Landes mit Juden. Die Baron Hirsch'sche Siedlung in Argentinien, die Millionenflucht hungernder Juden aus dem Osten Europas uach Amerika, die Angst, daß sie die alten Ueberlieferungen über Bord werfen und zugleich ^auch die verheerende Wirkung der Assimilation, lenkten die Aufmerksamkeit auf Palästtna, dessen Besiedlung mit Juden in Perez Smolensky und Dr. Leo Pinsker begeisterte Fürsprecher fanden. Die Begeisterung mit der diese Heimstättenrufe in den Kreisen der Maskilim Aufnahme fand, lebt noch mit mächtigem Nachhall in unserer aller Erinnerungen. Sie schuf eine Neuorientierung im Judentum, eine Umgruppierung, welche sich mit der sittlichen Kraft der Wahrheit bahnbrechen mußte. Unter völliger Unkenntnis der neuen Idee, welche die Sehnsucht über die Erfüllung, den Traum über die Wirklichkeit stellte, entstand nach „Pelach Tikrato" die Kolonie „Rischon Legion" und die von rumänischen Juden begründeten Siedlungen „Sichron Jakob" und „Rosch Pinata". Unbekümmert um das infolge des Massenzuges russischer und rumänischer Inden erfolgte türkische Einwanderungsverbot, entstand die glorreiche, voller Jugendki'aft strotzende studentische „Bilu"bewegung, welche die erste jüdische ^Konferenz in Kattowitz im Jahre 1884 heroorrief. Diese Konferenz schuf die „Gesellschaft der Zionsfreunde, zur Förderung von Kolonisation und Handwerk in Palästtna und Syrien", welche den Antrieb zu weiteren Gründungen gab. Die Kolonisationsbewegung, mehr begeisternd als bemittelt, ohne Fach- und Landeskenntnisse, wäre sicherlich in Brüche gegangen, wenn es ihrem regen Verfechter Rabbi Samuel Mohilewer aus Bialystok nicht gelungen wäre, im Verein mit Grand Rabin Zadok Kahn in Paris in dem philantropischen Baron Edmund Rothschild einen machtvollen Gönner und Förderer zu gewinnen. Unter seiner Aegide ist zwar viel Boden angekauft und neue Koloniegründungen ermöglichtworden, aber seine Beamten haben das reine Sittenleben der Ostjuden oft in frivoler Weise zu schädigen, gesucht. Der bessere und weit größere Teil der Kolonisten trat dieser, v Hittenverderbnis und dem verführerischen französischen Luxus mit kräftigem Widerstand entgegen und ertrotzte sich in erster Heihe anstatt der französischen die hebräische Schulsprache. Äüch das wirtschaftliche HerumexperiMentiren der Agronomen und Botaniker mit ihren großen Mißgriffen bei den An- und Umpflanzungen, wobei m»n die Kolonisten systemattsch auf den Stand von Unterftützungsnehmern herunterdrückte, gab Anlaß zu großer Unzufriedenheit. Diese Demoralisation fand auch in der europäischen jüdischen Presse in sehr heftiger Weise Widerstand. Und als in dieser eifrigen Kolonisationsperiode mehrere Neugrüttdungen der Nach Palästina Strebenden auf eigene Kosten entstanden und die russische Gesellschaft der Zionsfteunde auch mit bescheidener Mithilfe der Berliner „Esra" der Kolonisatton beitreten, übergab der edelmütige Baron sein geliebtes Palästinawerk der „Jca" zur Verwaltung. Dies aber erst nachdem ihm die unreelle Mißwirtschaft seiner Ober- und Unteradministratoren zur bedauerlichen Gewißheit rvurde. Seinen hochherzigen Jntenttonen hat Palästina die wunderbarer: Orangerie-, Mandel- und Oelbaumhaine, die Anpflanzung feinster Rebensorten sowie die berühmten Weinkellereien in „Rischon Le Zion" und „Sichron Jacob", deren Weine sich schon eines großen Weltrufes erfreuen, zu verdanken. Die in Galiläa auf seinen Grundstücken angelegten Ackerbaukolonien kamen erst nach erfolgtem Austausch der ursprünglichen Besitzer gegen gut ausgebildete, heldenhafte Arbeiter zur Entfaltung. Unbestritten bleibt es dennoch, trotz aller Mißgriffe, daß der Ansbau der ersten Kolonisationsarbeit, auf dem vorn Stifter gelegten Fundamente fußt. Nach Uebernahme der Kolonisation durch die „Jca" verließ ein großer, in nicht nationalem Geist erzogener Teil der Jugend Palästtna, dem auch viele Kolonisten, die allerdings mehr Pfründner waren, nach erhaltener Enffchädigung, folgten. Für die Ausfüllung dieser Lücken sorgte die russ sche Ehowwe Zion-Gesellschaft in unermüdlicher Weife und belebte die kolonisatorische Tättgkeit mit erfrischendem Hauch der wieder ins Leben gerufenen hebräischen Sprache, deren Ji'mger eher sterben als ihre Heimatfcholle verlassen wollen. Erst durch die Nationalfprache konnte die Kolonisatton ihre bleibende Elastizität erlangen. Hierauf ging die Führung der Palästinaarbeit an die zionistische Organisation über, die zur Sicherung und Förderung von Kapitalsanlagen, zur Hebuyg von Handel und Gewerbe die Bank und zur Erweiterung des Bodenbesitzes die so schöne Institution des jüdischen Nattonalfonds ins Leben rief. Und der zionistische Funke schuf Wunder! Unter dem strahlenden Märchenhimmel Palästinas erstanden Helden, welche alle Gefahren besiegten. Angelockt durch soviel Pracht und Glanz gelungener Kolonisatton, welcher auch berühmte arische Fachgelehrte unverhüllt das schönste Zeugnis aussprechen, sehen wir einen Zug junger, beherzter Zionsstreiter dahinwandern. Universitäten und Jeschiwos werde-: verlassen, um das über alles geliebte Land zu bebauen und die Reihen jüdischer Arbeiter zu verdichten. Kein anderer Zwang als der ungefüllte Durst der jüdischen Seele ließ sie vor dem entarteten Geistesleben des Golns fliehen und bequemen europäischen Verhältnissen entsagen. Sie zogen dahin im vollsten Bewußtsein, nmterielle Entbehrungen ertragen zu müssen, jedoch mit der ethischen Beftiedigung, in der sittlichen Gemeinschaft ihrer Völker aufzugehen. Herzls Machtwort hat sich zur großen Wahrheit verwirklicht, denn aus dem Judenjungen sind junge Juden geworden.und auf den Schultern dieser Helden sehen wir eine neue jüdische Welt ent st ehe n. Inmitten eines von der Kriegsfurie zweier Jahrtausende verheerten und verkommenen Landes sind unter dem Zionismus, den: Baumeister in der Wüste, blühende Siedlungen erfprosseu. Sich redlich nährende und das ganze Judentums ehrende Pioniere erkämpften sich unter den vor Faulheit und Schmutz starrenden Arabern Teile ihres von ihnen unnennbar geliebten Vaterlandes. Nicht gramgebeugte, nicht feige daoonlaufende Juden, sondern auftechte, muskelstarke Hebräer sind es, die dem beduinifchen Räubergesindel deu historischen Boden

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